Schon im Barock und Rokoko waren reiche Kaufleute, Fürsten und Könige der erfrischenden Schönheit des „Baums mit den goldenen Früchten“ verfallen, der schon seit der Antike als das Symbol ewiger Jugend, der Liebe und Fruchtbarkeit galt. Je seltener, skurriler und dekorativer die Frucht oder das Blatt, desto exklusiver die Sammlung. Sie errichteten prunkvolle Orangerien, in denen sie ihren Pflanzenschätzen einen standesgemäßen Überwinterungsplatz boten.

Auch heutzutage lassen sich Terrasse und Balkon im Nu in eine mediterrane Oase verwandeln. Hier sollte ein Grundsatz beachtet werden: Sonne pur. Für Zitrus-Einsteiger sei zuallererst die Zitrone empfohlen. Leicht kann man aus ihren Früchten einen eigenen Limoncello herstellen. Auch Sorten wie die Calamondin-Orange, die Kumquat oder die Chinotto (eine Bitterorange, die übrigens auch im Campari enthalten ist) eignen sich hervorragend, da sie im Gegensatz zu anderen Zitrusarten und -gattungen einfacher zu überwintern sind.

Während der Hauptvegetationszeit von März bis September sollte ein Zitrus-Dünger angewendet werden, wobei die Herstellerangaben zu Konzentration und Anwendungsdauer beachtet werden sollten. Die Pflanzen werden es ihrem Besitzer danken. Der Schnitt erfolgt im Frühjahr, um die Form zu bewahren. Dabei können einzelne, stark wachsende Triebe jederzeit gekürzt und so zur Verzweigung angeregt werden. Allerdings wird bei stärkerem Schnitt die Blütenbildung geringer ausfallen. Die Calamondin-Orange kann man durch häufiges Entspitzen klein und buschig halten. Das Umtopfen erfolgt alle drei bis vier Jahre. Dabei sollte Kübelpflanzen- oder spezielle Zitruserde verwendet werden. Eine Drainageschicht aus Tonscherben leistet gute Dienste zur Vermeidung von Staunässe.

Generell sollten Zitrusbäume so lange draußen stehen wie nur möglich. Durch die Verringerung der Tageslänge und durch die Einschränkung der Gieß- und Düngergaben gehen Triebwachstum und Blütenbildung zurück. So werden die Pflanzen auf eine Ruhephase eingestimmt und überstehen die Wintermonate am besten. Zitruspflanzen vertragen keinen Frost. Entscheidend ist: Eine jüngere Pflanze reagiert empfindlicher auf Frost, auch wenn es sich um die gleiche Pflanzenart handelt. Ein heller Raum mit Temperaturen zwischen fünf und zwölf Grad ist für eine Vielzahl unserer Pflanzen das ideale Winterquartier. Da der Wasserbedarf sinkt, darf nur äußerst sparsam gegossen werden. Jedoch sollte der Topfballen nicht ganz austrocknen. Damit Schädlinge und Krankheiten einen schweren Stand haben, ist die regelmäßige Anwendung von Pflanzenstärkungsmitteln zu empfehlen. Seit einigen Jahren bieten Gärtner auch das professionelle Überwintern von Kübelpflanzen an. (sk)