Andrea Doyle, Pflanzen-Expertin der

Mainau, weiß immer Rat.

Mainau-Gärtner geben neue Tipps
  • Wunderbar romantisch: die Glyzinie, auch Blauregen genannt.
    Wunderbar romantisch: die Glyzinie, auch Blauregen genannt. | Bild: dpa
    1Glyzinie blüht nicht: An der Ostseite unseres Hauses wächst entlang der Dachrinne und am Fallrohr seit mehreren Jahren eine Glyzinie, die sehr viel Laub entwickelt, aber keine Blüten hervorbringt. Das üppige Laub muss immer wieder zurückgeschnitten werden, was möglicherweise mit einem falschen Schnitt einhergeht. Was kann ich tun, damit die Glyzinie im nächsten Jahr blüht? Gerhard Schöpflin
  • Mainau-Gärtner: Die Glyzinie zählt zu den starkwachsenden Kletterpflanzen und sollte an einem stabilen Gerüst entlang geleitet werden. Fallrohre und Dachrinnen eignen sich nicht, da der Stamm das Regenrohr durch sein Dickenwachstum abwürgen wird und die Glyzinie unter die Dachziegel wachsen kann. Ein reicher Blütenflor stellt sich nur ein, wenn die veredelte Pflanze zweimal jährlich beschnitten wird. Der erste Schnitt findet im August statt, der zweite kurz vor dem Austrieb, gegen Ende des Winters. Beim Sommerschnitt kürzt man den Jahreszuwachs an den Haupttrieben auf zwei Meter ein, die Seitentriebe werden auf 30 bis 40 Zentimeter eingekürzt. Beim Winterschnitt werden die Seitentriebe auf zwei bis drei Augen eingekürzt und der Zuwachs der Haupttriebe nochmals um einen Meter reduziert. So entsteht an den Seitentrieben blühfähiges Kurzholz, das im Mai und Juni mit einer reichen Blüte aufwartet!
  • Die üppigen Blütenbälle der Hortensie hätte jeder Gartenfreund gern im Garten. Wer die Pflanzen im Kübel hat, sollte sie über den Winter frostsicher stellen.
    Die üppigen Blütenbälle der Hortensie hätte jeder Gartenfreund gern im Garten. Wer die Pflanzen im Kübel hat, sollte sie über den Winter frostsicher stellen. | Bild: Friedberg - fotolia
    2 Unsere Hortensie will nicht blühen – warum? Liebe Mainau-Gärtner, wir haben eine wunderschöne Hortensie, die vier Jahre alt ist und einen Durchmesser von 1,2 Metern und eine Höhe von einem Meter hat (im Topf). Leider hat sie in diesem Jahr nicht geblüht, obwohl der Standort sowohl drinnen im Winter wie draußen im Sommer der gleiche war wie im Vorjahr. Wir haben sie Mitte Mai nach draußen gebracht. Die Pflanze wird einmal wöchentlich gedüngt und hat gesunde Blätter. Was können wir tun, damit sie im nächsten Jahr wieder blüht? Und noch eine Frage: Kann man die Äste von einer Hängescheinzypresse jetzt noch schneiden? Marianne Hügle, Furtwangen
  • Mainau-Gärtner: Die Blütenknospen von Gartenhortensien – botanisch Hydrangea macrophylla – werden bereits im Sommer des Vorjahres angelegt. Durch falsche Schnitt- oder Pflegemaßnahmen oder durch Frost kann es zum Ausfall der Blüte kommen. Hortensien in Kübeln sollten deshalb besser frostfrei bei 5 Grad überwintert werden. Bei Gartenhortensien werden im Frühjahr vor dem Austrieb die verblühten Blütenstände kurz oberhalb des nächsten Blattpaares abgeschnitten. Ab Juni dürfen keine Schnittmaßnahmen mehr an der Hortensie durchgeführt werden. Gedüngt wird von März bis Anfang Juli mit einem flüssigen Hortensiendünger gemäß der Anleitung. Ist der Kübel im Verhältnis zur Pflanze zu klein, sollte im Frühjahr unter Verwendung von Rhododendronerde umgetopft werden. Der Wurzelballen der Hortensie ist immer leicht feucht zu halten. Ein Form-Erhaltungsschnitt bei Nadelgehölzen wird entweder im späten Frühjahr kurz vor dem Austrieb oder im Frühherbst (Ende August bis Anfang September) durchgeführt. Deshalb sollten die Schnittmaßnahmen an der Hängescheinzypresse besser auf das Frühjahr verlegt werden.
  • Rollrasen soll die Arbeit im Garten erleichtern. Nicht immer funktioniert's.
    Rollrasen soll die Arbeit im Garten erleichtern. Nicht immer funktioniert's. | Bild: dpa
    3 Warum wird mein Rollrasen braun? Liebe Mainau-Gärtner, bei meinem bisher tadellosen Rollrasen, ordnungsgemäß gedüngt, gemäht und bewässert, entstehen seit einiger Zeit kleinere und größere Flächen, in denen das Gras zuerst von unten her braun wird, dann abstirbt. Das Entfernen des abgestorbenen Grases brachte keinen Erfolg. Ist das eine Krankheit? Wie schafft man Abhilfe? Danke vielmals! Gudrun Faerber, Überlingen-Nußdorf
  • Mainau-Gärtner: Sie sollten an diesen Stellen nachgraben und nach bis zu vier Zentimeter langen, graubraunen Larven Ausschau halten. Es handelt sich dabei um die Larven von Wiesenschnaken, die ihre Eier in der Grasnarbe ablegen. Ihre Larven fressen die Wurzeln der Gräser und bringen diese so zum Absterben. Eine Bekämpfung ist im Mai oder in der Zeit von Juli bis September mit sog. SC-Nematoden (Bestellsets im Fachhandel) möglich, solange die Larven maximal 1,5 Zentimeter groß sind. Betroffene Lücken müssen nach der Behandlung durch Rasenneuaussaat aber wieder neu geschlossen werden.
  • Eine polnische Erntehelferin erntet am 14.11.2012 bei Bad Krozingen (Baden-Württemberg) im Nebel Feldsalat. Foto: Patrick Seeger/dpa  +++(c) dpa - Bildfunk+++
    Eine polnische Erntehelferin erntet am 14.11.2012 bei Bad Krozingen (Baden-Württemberg) im Nebel Feldsalat. Foto: Patrick Seeger/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: Patrick Seeger (dpa)
    4 Mehltau am Feldsalat: Unser Feldsalat ist dieses Jahr besonders üppig. Leider sind die Reihen seit geraumer Zeit von Mehltau befallen. Dieses Phänomen beobachte ich auch in anderen Gärten, ja selbst an einem Stand mit Bio-Ware auf dem Sigmaringer Wochenmarkt ist es mir aufgefallen. Woher kommt das? Den Feldsalat muss man wohl entsorgen, oder? Anna Bazzanella, Bermatingen
  • Mainau-Gärtner: Der Echte Mehltau bildet einen weißen, mehlartigen Belag auf den Blättern des Feldsalates. Die Blätter bleiben insgesamt grün und der Feldsalat wächst weiter. Der Mehltau tritt bei feuchtwarmem, schönem Spätsommer- und Herbstwetter auf. Der Befall kann leider nicht durch Sortenwahl oder Kulturmaßnahmen reduziert werden. Anders hingegen beim Falschen Mehltau. Diese Pilzerkrankung verursacht zunächst einen weißen Sporenrasen auf der Blattunterseite, der sich später grau verfärbt. Die Blätter werden gelb und das Wachstum stagniert. Da dieser Pilz durch kühl-feuchte Witterung begünstigt wird, wirken Kulturmaßnahmen wie regelmäßiges Lüften im Gewächshaus oder Frühbeet und weite Pflanzabstände einem Befall entgegen. Zudem sollten Sie beim Anpflanzen weniger anfällige Sorten wie Favor, Vit, Juwabel oder Dominik bevorzugen. Befallene Blätter sollte man übrigens auch nicht mehr verzehren.
  • 5 Was fehlt dem Mirabellenbaum? Liebe Mainau-Gärtner, unser Mirabellenbaum bekommt seit etwa vier Jahren Pusteln an den Blättern. Diese welken dann sehr früh, noch bevor die Früchte reif sind. Außerdem ist die Rinde an vielen Ästen und am Stamm wie aufgeplatzt. Der Baum trägt trotzdem immer viele leckere Früchte. Dieses Jahr sind allerdings viele verfault und das noch am Baum. Welche Krankheit hat der Baum und was kann ich dagegen tun? Katrin Roth
  • Mainau-Gärtner: Die Risse am Stamm des Baumes könnten etwa durch Sonneneinstrahlung bei gleichzeitiger Frosteinwirkung entstanden sein. Da kein Saft austritt, keine Pilzfruchtkörper zu sehen sind und die Wunden verheilt zu sein scheinen, ist die Situation zunächst einmal nicht bedrohlich. Bei den faulen Früchten sollte untersucht werden, ob sie von Larven oder einem Pilz befallen sind oder einfach durch starke Regenfälle faulig wurden. Die grünlich, beutelförmigen Wucherungen (eins bis drei Millimeter) auf den Blattunterseiten werden verursacht von der Beutelgallmilbe, die Pflaume, Zwetschge und Mirabelle befallen kann. Diese winzig kleinen Gallmilben, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind, überwintern an den Knospen und in Rindenritzen. Im Frühjahr wandern sie dann auf die neuaustreibenden Blätter ab. Aufgrund ihrer Saugtätigkeit kommt es zu den Wucherungen an den Blättern. Die Früchte und Bäume werden aber in der Regel durch diese Gallenbildung nicht massiv geschwächt. Eine Bekämpfung des Schädlings ist im Frühjahr mit einem biologischen, ölhaltigen Austriebs-Spritzmittel möglich. Das sollten Sie in Angriff nehmen, wenn sich im Frühling die ersten Blattknospen öffnen.