Warum blüht meine Orchidee nicht? Eigentlich eine ganz einfache Frage – wenn es nicht so viele verschiedene Antwortmöglichkeiten geben würde:

1 Es ist die falsche Jahreszeit: Fast alle Orchideengattungen haben einen festen Wachstumsrhythmus und deshalb auch feste Blütezeiten. Bei uns blühen die meisten Orchideen im Frühjahr zwischen Februar und Mai. Den Sommer über ist die Hauptwachstumszeit. Im Winter passiert nicht viel, weil das Licht fehlt. Bei der Cymbidium etwa ist eine Blüte außerhalb der üblichen Blütezeit so gut wie ausgeschlossen – sie setzt dann ein Jahr mit der Blüte aus und das oft nach dem Verpflanzen.

2 Die Pflanzen sind noch zu klein bzw. der Trieb ist noch nicht ausgewachsen. Das betrifft einerseits Kindel – kleine Pflanzen, die sich an alten Blütenrispen von Phalaenopsis oder an Bulben von Dendrobium entwickeln und die von alten Pflanzen abgenommen werden können, wenn sie Wurzeln von etwa 25 Zentimetern haben. Sie können in Orchideensubstrat gesetzt werden und blühen wenn sie groß genug sind. Orchideen wie Paphiopedilum andererseits bilden einzelne Triebe (je nach Größe der Pflanze einen oder mehrere pro Jahr), die erst blühen, wenn sie ausgewachsen sind.

3 Die Temperatur ist zu hoch: Das verhindert die Blüteninduktion, also die Anlage der Blüten. Die Pflanze wächst gut, blüht aber nicht. Bei Phalaenopsis bedeutet das, dass sie bei einer Temperatur über 22 °C wächst, aber eine Absenkung auf 16-18 °C (für etwa vier Wochen) benötigt um Blüten zu bilden. Die Blüte beginnt dann etwa drei Monate später. Sobald ein Blütentrieb sichtbar ist, können die Pflanzen wieder wärmer gestellt werden. Paphiopedilum müssen auf 13-14 °C abgesenkt werden, Cymbidium auf 10-12 °C.

4 Ein weiterer wichtiger Wachstumsfaktor ist das Licht: Lichtmangelsymptome entstehen insbesondere in der dunklen Jahreszeit oder wenn die Pflanzen nicht direkt am Fenster stehen. Schon bei einem Abstand von 50 Zentimetern bekommt eine Pflanze er heblich weniger Licht als direkt hinter der Scheibe. Triebe und Blätter werden lang und weich und wachsen stark zum Licht hin. Lichtmangel kann eine Blüten induktion verhindern.

5 Falsche Pflege: Meist durch zu viel Gießen sterben die Wurzeln ab, dadurch schrumpfen die Blätter und hängen schlapp herunter. Diese Pflanzen blühen entweder gar nicht mehr oder sie entwickeln Notblüten, die sich unvollständig entwickeln oder als Knospen abfallen. Diese Pflanzen sollten auf keinen Fall gedüngt sondern in frisches Orchideensubstrat verpflanzt werden.

6 Auch Schädlinge können Orchideen so stark schwächen, dass keine Blüten induziert werden. Gegen einen Schädlingsbefall sollte also möglichst zeitnah vorgegangen werden.

7 In einigen Fällen kann sogar die empfindliche Genetik der Orchidee die Blütenbildung erschweren. Bei verschiedenen Pflanzen ein- und derselben Art kann es vorkommen, dass die eine Pflanze blühwilliger ist als die andere, obwohl sie genau die gleiche Pflege bekommen und nebeneinander stehen. Hier greift ein Tipp, der unter Orchideenfreunden oft gegeben wird: Blüht eine Pflanze nicht, wird sie verschenkt!

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