Häufig machen sich Schäden durch Wühlmäuse im Garten erst im Frühjahr bemerkbar. Junge Obstbäume und Sträucher treiben nicht mehr aus und lassen sich aus der Erde ziehen. An Stellen, an denen im Herbst Blumenzwiebeln gesetzt wurden, blühen keine Tulpen und Narzissen. Aber auch zur Erntezeit im Gemüsebeet macht sich die Wühlmaus durch Ausfälle beim Wurzelgemüse, Kohl, Salat und Kartoffeln bemerkbar.

Die Familie der Wühlmäuse umfasst mehr als 150 Arten, zu der die Rötelmaus, die Feldmaus oder die Bisamratte zählen. Auf Wiesen und Äckern, in Forst- und Obstkulturen sowie im Garten tritt meist die Große Wühlmaus (Arvicola terrestris), auch Schermaus genannt, auf. Sie hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 12 bis20 Zentimetern. Hinzu kommt der Schwanz, der noch einmal halb so lang ist. Sie wirkt sehr gedrungen durch ihren breiten Kopf, kleine Augen und im Fell versteckt sitzende Ohren. Die Fellfarbe variiert von braun über grau bis schwarz. Auffällig sind ihre vier kräftigen gelben Nagezähne.

Die Wühlmaus lebt meist allein und legt zahlreiche Gänge an. Das Gangsystem besteht aus einem Haupt- und mehreren Nebengängen sowie ein bis zwei Nestkammern und mehreren Vorratskammern. Sie ernährt sich überwiegend von Pflanzenwurzeln und kommt selten zur Nahrungsaufnahme an die Oberfläche. Nur zur Wanderung und Paarung verlässt sie den Bau. Die Vermehrungsphase findet von März bis September statt. Dabei wirft das Weibchen nach drei Wochen zwei bis sechs Junge. Bei drei bis vier Würfen ergeben sich daraus bis zu 20 Jungmäuse im Jahr. Sie beginnen nach zwei Wochen mit dem Bau eigener Gangsysteme.

Neben der hohen Vermehrungsrate und der Gefräßigkeit der Wühlmaus, die bis zu 80 Gramm Pflanzennahrung am Tag zu sich nimmt, führt die enorme Aktivi tät zu großen Schäden. So hält die Wühlmaus keinen Winterschlaf und ist tag- und nachtaktiv. Sie legt nur eine Pause von drei bis vier Stunden ein.

Vorbeugende Maßnahmen können eine Ausbreitung erschweren. Dazu zählen die Förderung und der Schutz der natürlichen Feinde wie Wiesel, Marder, Iltis, Dachs und Greifvögel. Sie können zum Beispiel durch Steinhaufen im Garten angelockt werden.

Im Fachhandel werden für die Bekämpfung der Wühlmaus im Haus- und Kleingarten spezielle Duftstoffe (fachlich: Vergrämungsmittel), Giftköder und Fallen angeboten. Da eine Vertreibung der Tiere das Problem nur verlagert und das Anwenden von Giftködern in einem Haushalt mit Kindern und Haustieren gefährlich sein kann, empfiehlt sich im ökologischen Garten die Anwendung von Fallen.

Um festzustellen, ob ein Gangsystem noch besiedelt ist, kann eine „Verwühlprobe“ durchgeführt werden. Dafür wird direkt neben einem Erdhügel der Gang auf einer Länge von 30 Zentimetern aufgegraben. Wird der Gang noch von einer Wühlmaus benutzt, wird er innerhalb weniger Stunden verwühlt und dadurch wieder verschlossen.

Wichtig ist, dass bei allen Arbeiten Handschuhe getragen werden, da die Wühlmaus sehr empfindlich auf fremde Gerüche reagiert und die Fallen dann nicht angenommen werden. Bei sachgerechter Anwendung wird die Falle innerhalb weniger Stunden, spätestens bis zum nächsten Tag zuschnappen.

Vor dem Aufstellen der Fallen muss man sicher sein, dass es sich nicht um den Maulwurf handelt, da dieser unter Naturschutz steht und nicht getötet werden darf. Im Gegensatz zur Wühlmaus ernährt sich der Maulwurf nur von tierischer Kost und ist nicht pflanzenschädigend. Seine Hügel sind kuppelförmig und frei von pflanzlichem Material sowie meist größer als die flacheren Wühlmaushügel, seine Gänge sind breitoval. Der Maulwurf darf mit Vergrämungsprodukten lediglich aus dem Garten vertrieben werden.

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