Was wollen wir dieses Jahr im Garten säen und auspflanzen? Das fragen sich viele Gartenfreunde vor dem Start in die Saison. Oft zeigt sich aber nach Jahren des Ausprobierens, dass der Standort (etwa schwerer Ton, wechselfeucht oder kühl) bei Arten mit hohem Anspruch an die Temperatur seine Grenzen hat, Säh-Kulturen wie Möhren nur lückig auflaufen oder dass der Arbeitsaufwand nicht zum gewünschten Ertrag und Geschmackserlebnis führt.

Trotzdem sollte man nicht allein mit dem Blick auf die Saatgutreste vom Vorjahr und das Angebot beim lokalen Gartenmarkt planen. Sonst könnte einem mancher optische und kulinarische Gartenglücksfall entgehen: Landsorten, die im Streuobstanbau als sogenannte „alte Sorten“ für Robustheit, unverfälschten Geschmack und regionale Identität stehen, bieten dem Hausgärtner eine größere Anbau- und Verwertungsvielfalt als für den professionellen Anbau gezüchtete Sorten.

Landsorten sind das Ergebnis von Pflege und Selektion von Pflanzen über mehrere Jahrzehnte. Nur von den wüchsigsten, gesündesten und schmackhaftesten Pflanzen wurde Saatgut für das Folgejahr abgenommen. Im Gegensatz zu den heutigen Hybridsorten sind Landsorten samenfest, das heißt, sie geben ihre Eigenschaften vollständig an die nächste Generation weiter.

Oft entstanden Sorten in enger Bindung an die Standortbedingungen des Ortes und der Region, was sich in vielen Namen widerspiegelt, etwa in der „Ostfriesischen Palme“ (bis 1,80 Meter hoher Grünkohl), den „Ulmer Ochsenhörnern“ (hornförmig geboge ner und zweifarbiger Winterrettich) oder der „Lippoldsberger Weißen Perle“ (Stangenbohne mit perlenschnurartigen Hülsen). Damit diese Anpassung nicht verloren geht, sollten Landsorten aus einer Region dort auch gepflanzt und erhalten werden. In den letzten 40 Jahren hat sich diese Aufgabe allerdings zu zentralen Samenbanken und wenigen Saatgutzüchtern verlagert. Das Verschwinden wurde durch die Sortengesetzgebung begünstigt.

Organisationen, die sich für die Kulturpflanzenvielfalt einsetzen, sind im deutschsprachigen Raum unter anderem „Pro Specie Rara“ (Schweiz), „Arche Noah“ (Österreich), „Dreschflegel e.V.“ und der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (Deutschland). Hier erhält man Informationen, Saatgut und teils sogar Jungpflanzen.

Wenn noch Platz im Garten ist – die „Groot Zuckearfen“, eine bis zu zwei Meter hohe Zuckererbse, liefert bis in den Herbst hinein leckere Schoten. Eine besonders zarte Fisole ist das „Kipferl“ oder „Posthörnchen“. Diese gelbe Stangenbohne stammt aus der Steiermark. Und zum verdienten Feierabend-Vesper sorgen die Schoten des Rattenschwanz- oder Rüsselrettichs für eine ähnlich angenehme Schärfe wie der Mairettich „Münchener Bier“.

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