Franzosen, Italiener, Spanier und sogar die Schweden machen es uns mit ihren Trüffelhainen seit Jahren vor. Auch hier bei uns können diese kostbaren Pilze wachsen und das sogar im eigenen Garten. Die Voraussetzung ist zum einen ein relativ alkalischer Boden, zum anderen der richtige „Baumpartner“. Trüffel wachsen in Symbiose mit den Wurzeln ihrer Wirtspflanzen, und nicht jede Trüffelsorte mag jeden Baum. Die Erde, in der die unterirdischen Fruchtkörper heranwachsen, sollte eher kalkhaltig und nicht sauer sein. Eine Bodenprobe zur Feststellung des PH-Wertes empfiehlt sich in jedem Fall, bevor man einen Trüffelbaum pflanzt oder ein Trüffelbeet anlegt.

In freier Wildbahn vermehren sich die Pilze über Tiere wie Wildschweine. Diese riechen den Fruchtkörper unter der Erde, graben ihn aus, fressen ihn auf und verteilen die unverdaulichen Sporen mit ihrem Dung. Früher hat man mit Hausschweinen nach Trüffeln gesucht, aber da diese die Funde meist gleich verdrückt haben, ist man auf Suchhunde umgestiegen. Diese benötigen jedoch eine langwierige und teure Ausbildung. Außerdem ist es in Deutschland verboten, Trüffel zu sammeln – aufgrund der irrigen Annahme, dass diese Pilze selten und deshalb besonders schützenswert sind. Sie sind zwar häufig, der Schutz macht aber trotzdem Sinn, um Horden von „Goldsuchern“ mit Spaten aus den Wäldern fernzuhalten. Unsachgemäße Suche schadet den Beständen im Moment sehr. All das muss bei der Trüffelzucht im eigenen Garten jedoch nicht berücksichtigt werden.

Ist der Boden geeignet, können bereits vorbehandelte einheimische Bäumchen eingepflanzt werden. Diese erhält man zum Beispiel in Bodman am Bodensee bei der Zuchtanlage „Deutsche Trüffelbäume“. Die Wurzeln der Bäume sind mit den Sporen des Burgundertrüffels (Tuber uncinatum) geimpft und enthalten das Pilzgeflecht der Trüffel. Eichen, Buchen und Haseln werden als ein- bis dreijährige Setzlinge angeboten. Diese Gewächse sind sehr pflegeleicht, denn durch die Verbindung mit dem Myzel ist der Baum gut versorgt und es werden weder Schädlingsbekämpfungsmittel noch Kunstdünger für das Wachstum benötigt.

Einige Jahre Geduld muss man aufbringen, doch dann wachsen die unterirdischen Fruchtkörper heran und können über viele Jahre hinweg regelmäßig geerntet werden. Die Erntefläche entspricht ungefähr der Kronenfläche des Wirtsbaumes. Vorausgesetzt, der Standort passt – eine besonnte bis halbschattige Lage ist ideal. Der Boden sollte keine Staunässe aufweisen. Trüffelgärtner achten zudem darauf, dass die Bäume im Wurzelbereich keine Konkurrenz von anderen Pflanzen bekommen. Lockerer Grasbewuchs wie zum Beispiel auf einer Streuobstwiese schadet aber nicht.

Bei der Burgundertrüffel lohnt es sich, im Herbst vorsichtig in der obersten Bodenschicht auf die Suche zu gehen und sich die Stellen gut zu merken. Die Trüffel wachsen immer wieder an den gleichen Stellen und brauchen in der Erntezeit nur etwa zwei Wochen, um neue Fruchtkörper auszubilden. Ein Indiz für die Reifung der Pilze ist die Trüffelfliege, deren Larven in den Fruchtkörpern leben. Wird eine Stelle über dem Boden von diesen Fliegen umschwirrt, sind die leckeren Knollen nicht mehr weit.

Deutsche Trüffelbäume

Als Diplom-Forstwissenschaftler und Doktor der Naturwissenschaften hat sich Dr. Stobbe der Forschung auf dem Gebiet der Ökologie der Trüffel und des Trüffelanbaus verschrieben. Ob bei der Mykorrhizierung der Bäume mit dem Trüffel, der Beimpfung neuer einheimischer Baumarten oder beim Erforschen der Verbreitung und Fortpflanzung des Trüffelpilzes, sichert er die anerkannte Qualität der Trüffelbäume. Der zweite im Bunde ist Ludger Sproll. Der leidenschaftliche Pilzsammler und Naturliebhaber entdeckte vor Jahren Trüffel in Deutschland und sah die Möglichkeit, diese professionell anzubauen. Heute trägt er als Manager die Verantwortung für die Trüffelbaumzucht vom Samen bis zur verkaufsfertigen Pflanze.

Weitere Infos: www.deutsche-trueffelbaeume.de

Auch am Bodensee wachsen Trüffel

Im Interview erklären die Inhaber der "Deutschen Trüffelbäume", der Forstwissenschaftler Dr. Stobbe und der leidenschaftliche Pilzsammler Ludger Sproll, wie man zu einer guten Trüffelernte kommt.

Herr Sproll, wie muss ein Anfänger vorgehen, der einen Trüffelbaum in seinen Garten pflanzen möchte?

Wichtig ist vor allem, dass der Boden kalkhaltig und nicht zu nass ist. Falls nicht genügend Kalk im Boden ist, kann man großzügig mit feinem Kalksplitt nachhelfen. Der Trüffelbaum sollte nach dem Pflanzen sofort mit einer Drahthose vor Wildverbiss geschützt und bei Bedarf gegossen werden. Dünger oder Humus sind nicht nötig. Die Pflege beschränkt sich darauf, die Konkurrenzvegetation kurz zu halten. In den Boden sollte dabei nicht eingegriffen werden.

Herr Dr. Stobbe, ist es möglich, in unserer Gegend (Hegau/Bodensee) erfolgreich Trüffel zu züchten und wo ist es besonders vorteilhaft im Hinblick auf die Bodenbeschaffenheit?

Dass dies möglich ist, zeigt die Tatsache, dass Burgundertrüffel bei uns auch wild wachsen und eine stattliche Größe erreichen. Prinzipiell ist die gesamte Gegend geeignet, nur die feuchten Senken und Riede sollte man meiden. Die Trüffel kann ohne Probleme auch auf den höchsten Erhebungen unserer Gegend wachsen. Harte Winter machen ihr nichts aus.

Herr Sproll, wie lange dauert es, bis ein Baum Ertrag bringt und wie hoch ist dieser?

Mit einer Wartezeit von etwa fünf bis sieben Jahren muss man rechnen. So lange dauert es, bis der Baum groß genug ist, um den Pilz an seinen Wurzeln beim Fruchten zu unterstützen. Je nach Baumart und Standort kann es auch etwas kürzer oder länger dauern. Der genaue Ertrag ist schwer vorauszusagen und hängt auch von der Witterung ab. Für ein paar schöne Trüffelessen mit Freunden reichen ein paar Bäume im Garten aber aus.

Herr Dr. Stobbe, wie lange kann von einem Baum geerntet werden?

Nachdem die ersten Trüffel kommen, kann für viele Jahrzehnte regelmäßig mehrmals im Jahr geerntet werden. Der Ernteschwerpunkt liegt dabei im Herbst.

Gabriele Gericke