Ein Mann steht in der Dunkelheit vor seiner noblen Villa. Sirenen heulen, Flammen schlagen aus dem Gebäude, und im dichten Rauch sind Feuerwehrleute mit Löscharbeiten beschäftigt. Bauunternehmer René Ottmann (Thomas Loibl) hat knapp überlebt. „Irgendeine Idee, wer das gewesen sein könnte?“, fragt Hauptkommissar Dirk Köhler (Matthias Matschke) den geschockten Geschäftsmann. „Erfolgreiche Leute haben immer Neider“, antwortet er trocken. „Das ist bei Ihnen nicht anders, oder?“ Doch ist es so einfach? Stecken hinter dem Anschlag wirklich Neider womöglich von der Konkurrenz oder trachtet dem umtriebigen Ottmann jemand anderes nach dem Leben?

In der Magdeburger „Polizeiruf 110“-Folge „Starke Schultern“ am Sonntag (25. März, 20.15 Uhr) im Ersten brennt es an mehreren Stellen. Die Ermittlungen der Hauptkommissare Dirk Köhler und Doreen Brasch (Claudia Michelsen) führen in die umkämpfte Baubranche und in das sonderbare familiäre Umfeld von Ottmann, der Witwer ist. Auch zwischenmenschlisch wird es für die ungleichen Ermittler brenzlig. Polizeipsychologe Niklas Wilke (Steven Scharf) hält Köhler und Brasch den Spiegel vor – der eine nimmt die freiwillige Supervision dankbar an, der andere mauert beharrlich.

Regie bei der Produktion im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks führte die durchaus krimierfahrene Maris Pfeiffer („Tatort“, „Ein starkes Team“). Das Drehbuch verfasste Josef Rusnak nach einer Idee von Stefan Rogall.

Ein falscher Täter und viele Ermittlungsansätze

„Wir haben einen Benzinkanister gefunden. Der Täter hat den Teppich getränkt. Er wusste, was er tat“, sagt Köhler an der Villa. Eins ist klar: Ottmann sollte sterben. Ins Visier gerät bald Uwe Schneider, den Ottmann nach der Übernahme der Baufirma Wettiger gekündigt hat. Daraufhin attackiert der werdende Vater Ottmann mit einem Messer, was ihn verdächtig macht. Als Schneider dann auch noch Köhler niederschlägt und dessen Dienstwaffe raubt, glaubt man, den Täter gefunden zu haben. Der flüchtige Schneider hält dem Druck nicht stand, stellt sich und gesteht alles. Doch Köhler und Brasch glauben ihm nicht, alles wirkt konstruiert.

Längst konzentriert sich vor allem Brasch auf das familiäre Umfeld des skrupellosen Industriebauunternehmers. Ottmanns Schwägerin Susan Dietrich (Ursina Lardi) und ihr Mann Axel (Sebastian Rudolph) haben ein Juweliergeschäft. Sie verhalten sich auffällig und reden kaum. „Wir haben lauter lose Enden. Irgendwas übersehen wir“, macht Brasch ihrem Ärger Luft. Doch mithilfe von Polizeipsychologe Wilke durchdringen die Kommissare bald das dichte Geflecht aus Angst, Abhängigkeit und Macht. Ein länger zurückliegender Überfall auf den Juwelierladen mit einem Toten schweißt die Drei auf verhängnisvolle Weise zusammen.

Der Fall rückt in den Hintergrund

Wer hier für wen die starke Schulter ist oder sein soll, lässt „Starke Schultern“ unbeantwortet. Der Fall gerät angesichts der internen Konflikte und Kommunikationsdefizite im Polizeirevier in den Hintergrund, der Spannungsbogen bleibt klein, das Ende wirkt gehetzt. Die sich zuspitzende „Funktionsstörung“ in der Zusammenarbeit von Köhler und Brasch dürften viele Zuschauer langsam leid haben. Ein Team sieht definitiv anders aus.

Psychologe Wilke sorgt für eine frische Brise, es knistert sogar zwischen ihm und der bindungsscheuen Hauptkommissarin. Da er auch in der im Dezember abgedrehten Folge mit dem Arbeitstitel „Crash“ dabei sein wird, besteht Hoffnung, dass aus dem sich aufreibenden Duo zumindest kurzzeitig ein geschmeidiges Trio wird.