Wenn sich in Schweden die Sonne in den Winterschlaf verabschiedet, dann dauern die Tage mit viel gutem Willen noch maximal acht Stunden.

Es ist kalt, und oft zieht der Nebel vom Meer auf und legt sich über ein Land, in dem sich wenige Monate zuvor noch das ganze Leben im Freien abgespielt hat.

Sonnenuntergang bei Skanör.
Sonnenuntergang bei Skanör. | Bild: Susanne Folz

Auch ganz im Süden, in der Provinz Skåne mit ihrer Hauptstadt Malmö, verlagert sich im Herbst und Winter vieles notgedrungen ins Innere der vier Wände.

Bereits am späten Nachmittag leuchten warme Lichter in den Fenstern, in den Häusern sitzen die Menschen bei einer Fika zusammen, wie sie hier ihre geliebte Kaffeepause nennen.

Kaffee – das inoffizielle schwedische Nationalgetränk.
Kaffee – das inoffizielle schwedische Nationalgetränk. | Bild: Susanne Folz

Kaffee ist so etwas wie das heimliche Nationalgetränk des Landes. Es heißt, dass jeder Schwede im Durchschnitt etwa 160 bis 170 Liter jährlich trinkt. Das bedeutet Platz zwei hinter Finnland in der Rangliste der weltweiten Kaffeekonsumenten. Wenn es draußen so richtig kalt ist, wärmt der Schwede sich eben von innen.

Eine krasse Ausnahme bildet das traditionelle Kaltbaden, das sich schon seit den Wikingertagen positiv aufs Immunsystem auswirken soll. Nach einem Saunagang geht es direkt an die frische Luft – und ins bisweilen eisige Wasser. Quasi von 100 auf 0 Grad.

Der Steg des Skanör Falsterbo Kallbadhus.
Der Steg des Skanör Falsterbo Kallbadhus. | Bild: Susanne Folz

Vor der modernen Holzkonstruktion des Skanör Falsterbo Kallbadhus führt ein Steg direkt in den Öresund, mit Blick auf die die hier typisch bunten Sommerbadehäuschen und etwas weiter entfernt auf die berühmte Brücke, die Malmö mit der dänischen Hauptstadt Kopenhagen verbindet.

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„Fokussiert euch ganz auf euren Atem und geht nicht mit dem Kopf unter Wasser“, gibt Nicholas Hörlin, der Besitzer und Architekt des Bades, den Warmduschern mit auf den Weg, ehe wir ins vergleichsweise milde Nass eintauchen. Das Wasser hat zwar nur etwa acht Grad, aber: Alter Schwede! Ist der erste Schock überwunden, kribbelt der gesamte Körper, Adrenalin und Endorphine stimulieren den Organismus.

Wanderung durch die Dünen von Falsterbo.
Wanderung durch die Dünen von Falsterbo. | Bild: Susanne Folz

Mit viel neuer Energie dank des Wechselbades, dem „Superkick“, wie Hörlin es nennt, geht es bei Wind und Wetter auf eine Wanderung der rauen Küste entlang.

Vorbei an uralten Leuchttürmen und prunkvollen Schlössern, ehe ein Besuch im neuen Falsterbo Photo Art Museum den Tag abrundet. In einem kuschelig-warmen Bistro. Der Blick geht über die Holzterrasse auf die Dünen, in den Händen einen Becher aus Steinzeug mit heißem Kaffee.

Im Falsterbo Photo Art Museum sind Werke von weltbekannten Fotografen wie Helmut Newton oder Peter Lindbergh ausgestellt.
Im Falsterbo Photo Art Museum sind Werke von weltbekannten Fotografen wie Helmut Newton oder Peter Lindbergh ausgestellt. | Bild: Susanne Folz

Nur wenige Kilometer entfernt, in der Nähe der Stadt Helsingborg, produziert die 1864 gegründete Keramikfabrik diese klassischen Gefäße.

Die kleine, in diesem Jahr als Industriedenkmal ausgezeichnete Wallåkra Stenkärlsfabrik ist eine Mischung aus Freilichtmuseum und produzierender Brennerei. Viele der salzglasierten braunen Krüge, die auch heute noch in kaum einem schwedischen Haushalt fehlen, kann man vor Ort im Fabrikshop kaufen.

Typisch schwedische Becher aus Steinzeug.
Typisch schwedische Becher aus Steinzeug. | Bild: Susanne Folz

In Skåne ist von Mai bis August Hochsaison, doch wer die Provinz während der kälteren Tage besucht, kommt trotzdem voll auf seine Kosten. Es ist angenehm ruhig im Vergleich zum Sommer – die vielen Touristen wurden abgelöst von Millionen von Zugvögeln, die hier auf dem Weg nach Süden Station machen.

In den alten Küstenstädten Malmö, Helsingborg oder Landskrona locken Weihnachtsmärkte Einheimische und Feiertagsgäste zum Bummeln und Shoppen.

Der Marktplatz in Malmö.
Der Marktplatz in Malmö. | Bild: Susanne Folz

Mit dem frühen Einbruch der Dunkelheit verwandelt sich in der Vorweihnachtszeit der Garten von Schloss Sofiero in ein buntes Lichtermeer mit modernen Installationen, untermalt von klassischer Musik.

Höstljus, Herbstlicht, nennt sich das zweiwöchige Festival, das abendlich bis zu 2500 Besucher fasziniert.

Lichterfest im Schloss Sofiero bei Helsingborg.
Lichterfest im Schloss Sofiero bei Helsingborg. | Bild: Susanne Folz

So ganz lassen sie sich ihren Freiheitsdrang doch nicht von der kalten Jahreszeit nehmen, die Schweden. Und nach einigen Stunden an der frischen Luft sind sie wahrscheinlich doch froh, wenn es wieder ins heimelige Zuhause geht. Dorthin, wo im Herbst und Winter warme Lichter in den Fenstern stehen und es nach heißem Kaffee duftet.