Auf den Spuren des 14-Jährigen Magnus tauchen wir ab ins 13. Jahrhundert. Der Sohn eines Ziegelmachers träumt davon, ein angesehener Zisterzienser-Mönch zu werden.

Auf dem Weg zu seinem Ziel gilt es, die mystische und sagenumwobene Phiole der Weisen zu finden. Sie wurde laut einer Sage einst vom fernen Orient nach Bad Herrenalb gebracht.

Knapp 800 Jahre später bereiten die Rätsel, die Magnus im Nordschwarzwald lösen musste, auch uns Kopfzerbrechen. Im Gegensatz zu dem angehenden Novizen können wir uns allerdings auf die Wunder der modernen Technik verlassen, als wir den Kurort, etwa 30 Kilometer südlich von Karlsruhe gelegen, spielerisch entdecken.

In Coronazeiten tragen selbst die Mönchsstatuen Maske.
In Coronazeiten tragen selbst die Mönchsstatuen Maske. | Bild: Susanne Folz

Geocaching nennt sich die virtuelle Schnitzeljagd. Von Hinweis zu Hinweis hangeln wir uns per App durch die 7500-Einwohner-Stadt und lernen dabei Wahrzeichen kennen wie die Klosterkirche, einen „paradiesischen“ Friedhof oder den Sägwasenbrunnen.

Zahlreiche solcher GPS-Schatzsuchen finden sich im Ortskern, aber auch in den Wäldern rund um dieses Naturparadies. Der digitale Schatzsucher kreuzt dabei fast immer einen der unzähligen Wanderwege rund um die Gemeinde.

Die Ruinen des ehemaligen Zisterzienserklosters.
Die Ruinen des ehemaligen Zisterzienserklosters. | Bild: Susanne Folz

Bad Herrenalb hat sich in den 1930er-Jahren einen Namen als Kurort und dank der Schienenanbindung als zweite Heimat für Sommerfrischler aus den nahen Metropolen gemacht.

In den Hochzeiten zählte der Ort stolze 700.000 Übernachtungen pro Jahr. Inzwischen ist das Schwarzwaldstädtchen auch ein beliebtes Ziel für Outdoorfreunde und Actionliebhaber.

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Mountainbiker kommen in den sieben Tälern rund um Bad Herrenalb ebenso auf ihre Kosten wie Kletterer. Monika Amann schwärmt von der „vielfältigen Geologie“ rund um ihre Heimat, von Tigersandstein und Granitfelsen.

Die imposanteste Formation, das Naturdenkmal Falkensteinfelsen, steht mitten im Ortskern und gilt als Kletterziel mit Bahnanschluss.

Der Falkensteinfelsen mitten im Ort.
Der Falkensteinfelsen mitten im Ort. | Bild: Stadt Bad Herrenalb

„Das Gestein, das unsere Landschaft prägt, ist extrem hart und glatt. Ein ideales Klettergestein“, sagt Amann, die als Schwarzwald-Guide Touristen und Wanderern Flora und Fauna des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord näherbringt.

Gleichzeitig ist sie Mit-Initiatorin des Albtal-Abenteuer-Tracks, der als „Deutschlands erste Crosswandertour“ beworben wird. Die beiden sportlichen, jeweils 24 Kilometer langen Tagesetappen, bei denen bis zu 1000 Höhenmeter erklommen werden, haben es in sich und sind nur etwas für erfahrene, trittsichere Wanderer.

Bild: Susanne Folz

Los geht es am Bahnhof durch den Ort. Schnell steigt der dezent ausgewiesene Weg steil bergan. Die ersten Kilometer führen über breite und befestigte Fahrwege, doch schon bald geht es den weißen und grünen, als Markierung auf Bäume und Schilder gesprühten und lackierten Tannenwipfeln nach in unwegsames Gelände.

Die Wegweiser sind auf Bäume gesprüht.
Die Wegweiser sind auf Bäume gesprüht. | Bild: Susanne Folz

Über Wurzeln, Felsen und immer wieder querliegende Bäume schlängelt sich der Weg durch den Bannwald, der seit Jahren sich selbst überlassen ist und zum Urwald von morgen werden soll, wie es eine Hinweistafel erklärt.

Bild: Susanne Folz

Längst kühlt der Schweiß die roten Köpfe, als an der steilsten Stelle das felsige Gelände mit Hilfe von Tauen erklommen wird.

Bild: Susanne Folz

Der Lohn für die Mühen der wirklich anstrengenden Tour, die bisweilen durch einen menschenleeren Birkenwald und über morastigen Untergrund führt, sind einzigartige Ausblicke vom Schweizerkopf oder der Teufelsmühle über Rheinebene und Schwarzwaldwipfel.

Bild: Susanne Folz

Besonders während der Corona-Pandemie hätten die Leute wieder zu schätzen gelernt, was sie zuhause haben, sagt Klaus Hoffmann, der Bürgermeister von Bad Herrenalb, und meint damit die Parks seiner Gemeinde oder eben das Naturerlebnis in den dichten Wäldern und auf den weiten Wiesen der Täler.

Aussicht am Schweizerkopf
Aussicht am Schweizerkopf | Bild: Rick Eichner

Als zeitweise überhaupt keine Gäste kommen durften, hat der Rathauschef gemeinsam im Austausch mit lokalen Gastronomen die Kampagne „Mit Abstand schön“ ins Leben gerufen. „Damit wir für die Zeit gewappnet sind, wenn die Menschen wieder reisen dürfen“, sagt Hoffmann.

So finden sich nun, da wieder etwas Normalität einkehrt, auf einer neuen Website unzählige Ausflugstipps für Aktive und Abenteurer. Die Stadt konzentriere sich bewusst auf Tagesgäste und junges Publikum, so der Bürgermeister.

Bürgermeister Klaus Hoffmann.
Bürgermeister Klaus Hoffmann. | Bild: privat

Die können sich nach Herzenslust an den Felsen, im Sattel oder per Pedes auf den Wegen entlang von Bächen und Quellen auspowern. Im Anschluss bietet sich die Siebentäler Therme des Heilklimatischen Kurortes zur Entspannung an.

Andere lassen den Tag aktiv auf der wunderschön ins Naturschutzgebiet Bernbachtal eingebetteten Neun-Loch-Anlage des Golfclub Bad Herrenalb ausklingen. Oder sie schlendern nach dem Abendessen durch die Gassen des Ortskerns – auf den Spuren von Magnus und den anderen Protagonisten der Geocaching-Touren.