Wo seit der Römerzeit der Wein wächst, wo die Mosel mit ihren vielen Schleifen einen Handschuh formt und der Sonnenkönig Ludwig XIV. auf dem Mont Royal, dem königlichen Berg, einst eine massive Festung bauen ließ, liegt die rheinland-pfälzische Doppelstadt Traben-Trarbach. Links und rechts der Mosel erstrecken sich die beiden Stadtteile Traben und Trarbach, eingebettet in steile Weinberge, die seit Jahrhunderten von den ansässigen Winzerfamilien bewirtschaftet werden.

Traben-Trarbach ist eine Kleinstadt wie sie im Buche steht: unaufgeregt, traditionsbewusst, dabei ruhiger als die großen Touristenmagneten der Mosel, Bernkastel-Kues oder Cochem. Der Weinbau bestimmt den Kalender: Tage der offenen Weinkeller im Frühjahr, Wein- und Hoffeste im Sommer, Federweißerfest im Herbst und der Mosel-Wein-Nachts-Markt im Winter geben den Rhythmus vor. Moselländische Gemütlichkeit wird großgeschrieben. Und doch umweht den Ort zugleich etwas Weltstädtisches.

Und tatsächlich war Traben-Trarbach einst Stadt von Welt: Anfang des 20. Jahrhunderts war der Ort an der Mosel zweitgrößte Weinhandelsstadt Europas nach Bordeaux. Vom Wohlstand und der daraus resultierenden großbürgerlichen Baulust in der Belle Époque profitiert die Stadt bis heute. Und so gibt es wohl keinen Besucher in Traben-Trarbach, der ohne ein Foto des Brückentores abreist, das seit seiner Errichtung Anfang des 20. Jahrhunderts zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Errichtet hat es der Berliner Bruno Möhring – einer der bedeutendsten Architekten des Jugendstils in Deutschland. Das Tor sollte nicht sein einziges Bauwerk in der Stadt bleiben. Entlang des Moselufers in Traben zeugen prächtige Jugendstilvillen von den alten Zeiten.

Besucher können den Zeitgeist der Jahrhundertwende im Jugendstilhotel Bellevue im Stadtteil Traben atmen. Greifbar erscheint das mondäne Leben dieser Zeit dem, der hier Gast ist – sei es auch nur für einen kurzen Zwischenstopp auf der Terrasse oder am Abend in der gemütlichen Hotelbar. Wie eng Weinhandel und Architektur in der Stadt zusammenhängen, davon zeugt der Turm des Hotels, der wie eine Sektflasche konstruiert wurde. Ihm gegenüber, auf der Trarbacher Seite, steht die ehemalige Sektkellerei Julius Kayser als Erinnerungsort der Belle Époque – ein architektonisches Kunstwerk. Heute beherbergt das Gebäude ein Buddha-Museum mit 2000 Buddhafiguren und Informationen rund um den Buddhismus.

Aber Traben-Trarbach ist nicht nur ein Geheimtipp für Architekturfreunde, nicht nur Ziel von Weinkennern. Längst ist die Stadt Anziehungspunkt für Familien, Wanderer oder Wassersportler. Sie kommen wegen der atemberaubenden Naturschönheit des Moseltals, der Mischung aus steilen Schieferhängen, grünen Weinstöcken und dem Fluss, der sich über die Jahrhunderte in engen Schleifen tief durch die Felsen sein Bett gegraben hat. Wer diese Schönheit erkundet, begreift auch die Moselaner. Sonne, Schiefer und Wasser sind ihre Existenzgrundlage. Nur wer die Stadt zu einer Wanderung verlässt, kann die harte Arbeit der Winzer erahnen, wenn der Weg den Wanderer durch die Weinberge steil hinaufführt, bis auf die Höhe. Viele neue Wanderwege sind in den vergangenen Jahren in dieser Kulturlandschaft entstanden. Der Fernwanderweg Moselsteig führt an Traben-Trarbach ebenso vorbei wie der Mosel-Camino, der Jakobsweg.

Im Ort gibt es inzwischen sogar eine Pilgerherberge. Auf diesen Wanderwegen lässt sich das wunderschöne Moseltal erkunden, sei es auf einer mehrtägigen Tour oder aber auch nur bei einer Tageswanderung. Eine Regel sollten Moselwanderer unbedingt beachten: Wer zu einer Wanderung in die Weinberge aufbricht, sollte immer eine Flasche Riesling im Rucksack haben. Denn der schmeckt gleich dort am besten, wo er auch wächst: zwischen den Reben, bei einem Picknick mit Blick ins Moseltal.

Wenn Anna Stommel in Traben-Trarbach ist, dann zieht es sie immer wieder auf die Höhe: Ein Besuch auf der Burg­ruine Grevenburg, hoch über dem Stadtteil Trarbach, ist Pflicht. Dort gibt es eine wunderbare Aussicht ins Moseltal – und hinterher ein richtig gutes Stück Kuchen.

Acht Tipps für Traben-Trarbach

  1. Das beste Café: Das beste Frühstück der Stadt gibt es im Café Wichtig. Ohnehin ist das Café sicher einer der entspanntesten Orte in Traben-Trarbach. Das Café liegt gleich am Trarbacher Brückentor.
  2. 2. Hoch hinaus: Ein Adrenalinrausch ist Besuchern des Mosel Adventure Forest – dem Hochseilgarten auf dem Mont Royal – sicher. Hier gibt es Seilrutschen und Kletterspaß. Familien werden dort einen spannenden Tag erleben – Muskelkater inklusive.
  3. Franzosenfestung: Auf dem Berg über dem Stadtteil Traben haben die Franzosen einst eine massive Festung errichtet. Spaziergänger auf dem Mont Royal können die Überreste dieser Festung noch heute erkunden. Auf dem Rundweg über den Mont Royal gibt es überall Mauerreste und Tunnel, die erkundet werden können. Taschenlampe nicht vergessen!
  4. Wandern: Eine der schönsten Wanderungen führt von Trarbach nach Bernkastel-Kues. Wer das Auto nach Bernkastel nimmt, fährt 22 Kilometer entlang der Mosel, einmal die gesamte Moselschleife entlang. Wanderer können abkürzen - für sie sind es nur etwa 5,5 Kilometer Fußmarsch über den Bergrücken vom Stadtteil Trarbach bis nach Bernkastel. Aber Vorsicht: Der Aufstieg ist steil. Unterwegs kann an der Waldschenke „Eiserne Weinkarte“ eine Rast eingelegt werden. Wer nach einem Besuch in der Fachwerkstadt Bernkastel-Kues nicht wieder zurücklaufen will, nimmt das Schiff und fährt auf der Mosel zurück nach Traben-Trarbach.
  5. Essen mit Aussicht: Den besten Kuchen, den nettesten Wirt und eine der schönsten Aussichten auf die Stadt Traben-Trarbach gibt es in der Burgschenke der Grevenburg. Die Burg, die einst von den Grafen von Sponheim bewohnt wurde, ist heute nur noch eine Ruine und thront auf einem Felsen über dem Ortsteil Trarbach. Sie ist sowohl zu Fuß als auch mit dem Auto zu erreichen. Wer noch höher hinaus will, wandert oder fährt weiter nach Starkenburg, einem Ort, der bereits auf der Hunsrückhöhe über dem Moseltal liegt.
  6. Tief hinab: Abwärts geht es für Teilnehmer von Führungen durch die Traben-Trarbacher Unterwelt. Gemeint ist damit ein Netz aus Kellern und Gewölben, in dem einst der Wein lagerte. Die Keller sind vor einigen Jahren erschlossen worden und können besucht werden. Im Winter findet dort der Mosel-Wein-Nachts-Markt statt.
  7. Moselsteig: Wer die Mosel in mehreren Tagesetappen erwandern will, ist auf dem Moselsteig richtig. 365 Kilometer lang ist der Fernwanderweg, der auch an Traben-Trarbach vorbeiführt. Wer von der Jugendstil-Stadt aus nur zu einer Tageswanderung aufbrechen will, startet am besten im Stadtteil Traben. Von dort führt der Moselsteig an der Burgruine Grevenburg vorbei hoch über dem Moseltal in Richtung der Weinorte Enkirch und Reil.
  8. Ausflug nach Trier: Rund 60 Kilometer von Traben-Trarbach entfernt liegt die Römerstadt Trier. Wer an der Mosel Urlaub macht, muss auch Trier wenigstens für ein paar Stunden besuchen. Zu sehen gibt es die Porta Nigra, die Kaiserthermen oder den Dom. Wer die Moselberge erklimmt, hat einen wunderbaren Blick auf den Fluss und die Stadt Traben-Trarbach. Die Jugendstilstadt ist Urlaubsziel von Weinfreunden und Naturliebhabern.