Ich stehe mitten in der Wildnis Kirgistans auf 3000 Metern Höhe. Allein mit meinem fünfjährigen Sohn Täve. Die nächste Ortschaft ist über 25 Kilometer entfernt. Nur die beiden Packesel Pommé und Pony sind noch irgendwo in unserer Nähe. Ich nehme die Tiere zwar wahr, verliere aber im Schockzustand den Sinn für Ort und Entfernung.

Wo ist mein Freund Jens? Er verabschiedete sich nicht. Kein Wort. Er verschwand mit schnellen Schritten wieder ins Tal. Dorthin, wo wir hergekommen sind. Aber warum? Es fällt mir wieder ein: Unsere Tasche mit den Wertsachen wurden geklaut. Fassungslos sitze ich da. Soll dieser Urlaub etwa nach drei Tagen schon wieder sein jähes Ende finden? Ich muss Ruhe bewahren, mich sortieren, Täve Stärke zeigen.

Ich verberge meine Tränen vor meinem Sohn Täve 

Völlig benommen baue ich das Zelt auf, die Dämmerung naht. Tränen rollen mir, von Täve unbemerkt, übers Gesicht. Die Ungewissheit plagt uns. Wie geht es weiter, sind wir bald in Sicherheit? Und meine Gedanken kreisen: Hatte ich mir so meinen Urlaub mit Kind vorgestellt? Wäre mir so etwas im Hotel passiert? Warum sitze ich nicht am Strand und genieße den Sonnenuntergang bei einem Cocktail? Tausend Fragen schwirren mir durch den Kopf. 

Dann fällt es mir wieder ein: Cocktails sind toll, aber ungesund, Hotelgeschichten sind meist langweilig. Und ich komme wieder zu der Erkenntnis, dass Erlebnisse wie dieses hier in Kirgistan mich stark machen und mich als Mutter positiv verändert haben. Bis zu dieser Erkenntnis war es für mich ein langer Weg – und der ging so:

Schritt für Schritt zu großen Abenteuern 

Yvonne Vacek lebt mit ihrem Freund Jens und Sohn Täve in Radolfzell. Früher hat sie Urlaub am liebsten im Hotel gemacht. Heute wählt sie mit ihrer Familie lieber das Abenteuer. Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte der Familie.
Yvonne Vacek lebt mit ihrem Freund Jens und Sohn Täve in Gaienhofen. Früher hat sie Urlaub im Hotel gemacht. Heute wählt sie mit ihrer Familie lieber das Abenteuer. In dieser Geschichte erzählt sie, wie es zu dem Wandel kam - und warum Reisen in die Wildnis auch mit einem kleinen Kind möglich sind. | Bild: Jens Wehofsky

Kapitel 1
Aller Anfang ist schwer: Der erste Wildnistrip macht mich fertig
Kapitel 2
Was wird aus den Abenteuern, wenn Täve auf der Welt ist?
Kapitel 3
Das erste große Abenteuer: Mit Buggy und Zelt auf die Azoren
Kapitel 4
Der Härtetest – oder: Als ein Rettungsteam nach uns suchte
Kapitel 5
Packt Täve das? Mit Kind, Zelt und bockigen Eseln durch Kirgistan 

Kapitel 1
Aller Anfang ist schwer: Wie mich die erste Reise mit Zelt völlig fertig machte 

Sieben Jahre zuvor lernte ich Jens kennen, der schon seit jeher das Zelt als einzige wahr Unterkunft nutzte. Er ging Goethes Losung „Nur wo Du zu Fuß warst, warst Du wirklich“ in jeder freien Minute nach. Ich war offen für eine neue Art des Urlaubs, ließ mich auf einen Skandinavien-Roadtrip mit Wanderabschnitten auf dem Kungsleden ein.

Es war eine Blamage, die ersten Schritte mit einem schweren Rucksack war ich nicht gewohnt. Ich war geschafft, lag am Ende wie ein Käfer hilflos auf dem Rucksack. Abends lockte mich kein bequemes, großes Bett zum Erholen, sondern eine nicht gerade dicke Isomatte. Und die musste auch noch mühevoll aufgeblasen werden.

Lesen Sie auch

Enttäuschung auf beiden Seiten machte sich breit. Jens zweifelte an gemeinsamen Abenteuerurlauben und ich an meiner Kondition und meiner Willensstärke. Fiel es mir etwa schwer, die bis dato so selbstverständlichen Annehmlichkeiten im Urlaub einfach über Bord zu werfen?

Ich ließ nicht locker, es folgte ein ähnlicher Urlaub in Kanada, wo alles viel besser lief. Im Jahr 2011 kam dann Täve zur Welt und Jens äußerte seine Ängste direkt.

Kapitel 2
Was wird aus den Abenteuern, wenn Täve auf der Welt ist? 

Würden wir nun zu Helikoptereltern werden, auf Pauschalurlaub in Hotels mit Kinderanimation umschwenken und unser Leben voll und ganz auf das Kind ausrichten? Wir beschlossen, es anders zu machen, Täve in unser Leben zu integrieren und es nicht neu auszurichten. Leichter gesagt als getan.

Ich wollte nicht zu den Müttern gehören, für die plötzlich die Welt stillsteht, nur weil sie fortan die enorme Verantwortung für ein neues Menschlein schultern müssen. Nicht, dass Sie jetzt denken, dass die natürlichen Instinkte einer Mutter an mir vorübergegangen sind. Ich finde, dass jede Mutter genau diese Instinkte kennt. Aber sie sollte wissen, wann sie sinnvoll und wann völlig übertrieben sind.

Täve lernt die Natur kennen – und ich gewinne Gelassenheit

Jens und ich zogen nun beide an einem Strang, entwickelten die gleichen Ansichten, was Erziehung und Freiheiten anbelangt. So ließen wir Täve die Natur erkunden, im Dreck spielen, über Bäume klettern. Er verletzte sich, er fiel hin, stand aber immer wieder auf und lernte aus seinen Fehlern. Ich lernte, dass von Essen, das auf den Boden gefallen war, keine Gesundheitsgefahr ausgeht. Und dass eine gute Isomatte einer guten Federkernmatratze in nichts nachsteht.

Zug um Zug erforschten wir zu Dritt die weite Welt, tasteten uns in der Pfalz und im Schwarzwald an das Thema „Mit Kind und Zelt um die Welt“ heran. 

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Jens Wehofsky

Beim Training in Deutschlands Wäldern stellten wir fest: Wir sind bereit für die Wildnis. Wir kommen dort gut zurecht. Es wurde Zeit für größere Abenteuer. 

Kapitel 3
Unser erstes großes Abenteuer: Mit Zelt und Kinderbuggy auf die Azoren 

Bild: SK-Grafik Alexander Bernhardt

Drei Wochen mit Zelt und Kinderbuggy sechs der neun Inseln erwandern. 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche waren wir ganz als Familie unterwegs.

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Jens Wehofsky

Das schweißte uns zusammen, verursachte aber auch jede Menge Konflikte, die es zu lösen galt. Wir fühlten uns alle drei wohl bei dem, was wir taten und wussten bei der Heimreise, dass das für unsere Zukunft genau unser Ding sein würde.

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Yvonne Vacek

Davor hatte ich mir tausend Gedanken darüber gemacht, wie es Täve gefallen und welche Gefahren so eine Trekkingtour mit sich bringen würde. Alle Bedenken waren aber verflogen, als ich sah, wie Täve und ich in diesem Urlaub aufblühten und mit jedem Schritt selbstständiger wurden.

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Jens Wehofsky

Während Jens an unseren Zukunftsplänen festhielt, stets nach neuen Zielen suchte und dabei nie Sicherheit und Wohlbefinden außer Acht ließ, beeinflussten mich dagegen viele Stimmen von außen: Verwandtschaft, besorgte Mütter oder Freunde. Sie verstanden weder unsere Beweggründe noch unsere Risikobereitschaft, unterstellten sogar, dass ich die Reisen gezwungenermaßen machte.

Kritik von Freunden und Familie an unseren Urlauben machte mich anfangs sehr wütend 

Manchmal packte mich die Wut: Warum wirft man mir so etwas vor? Es muss ja auch niemand seinen Hotelurlaub rechtfertigen. Zum Glück konnten wir bald aber eine positive Entwicklung feststellen: Mit jedem Ziel, das wir auf unsere Art bereisten, sank der Widerstand.

Freunde und Familie erkannten anscheinend, dass Jens uns zu nichts überredet hatte. Wie sollte das auch funktionieren? Entweder macht man es aus Leidenschaft, oder es ist zum Scheitern verurteilt. Zwang hätte beiden Seiten nichts als Ärger eingebracht.

Kapitel 4
Der erste Härtetest: Als ein Rettungsteam nach uns suchte 

Bild: SK-Grafik Alexander Bernhardt

Auf Island machte uns im folgenden Jahr das unberechenbare Wetter einen fetten Strich durch unsere Pläne. Wir erkundeten die Westfjorde und durchquerten das halbe isländische Hochland – und das wurde für uns zum ersten Härtetest. Zeitweise suchte sogar ohne unser Wissen ein Rettungsteam nach uns. 

Ein sorgsamer Busfahrer hatte eine Familie mit Kleinkind und Kinderwagen gesehen und die Bergwacht informiert, weil ein Sturm nahte. Was für Vorstellungen muss das Team von uns gehabt haben? Mama mit Highheels und stylischem Kinderwagen im unberechenbaren Hochland Islands? Das trifft nun wirklich nicht auf uns zu. Als die Retter uns fanden, waren sich alle einig, dass wir uns zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gebracht hatten, keine Hilfe benötigten und bestens ausgerüstet waren.

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Jens Wehofsky

Was ich in Island gelernt habe? Die perfekte Ausrüstung, auf die zu hundert Prozent Verlass ist, ist bei unseren Touren genauso wichtig wie die richtige Einstellung und Entschiedenheit zu diesen Urlauben. Die nächste Herausforderung konnte kommen. 

Kapitel 5
Durch das wilde Kirgistan: Kann Täve das packen oder gehen wir zu weit? 

Bild: SK-Grafik Alexander Bernhardt

Inzwischen hatte ich den Abenteuerurlaub ja längst für mich entdeckt. Aber was nun kommen sollte, weckte dann doch neue Sorgen in mir. Unser Reiseziel sollte Kirgistan werden – ein nicht ganz risikofreies Unterfangen. Wie würde Täve die dünne Luft auf bis zu 4000 Metern ertragen? Welche Notfallpläne würde es geben und wie könnten sie umgesetzt werden? Vier Wochen kein Handyempfang und keine Möglichkeit, einen Notruf abzusetzen – geht das mit Kind überhaupt? Wie sollten wir uns vier Wochen autark verpflegen? Wie sollten wir die Unmengen an Gepäck transportieren? Wie könnten wir Täve unterstützen, wenn er mal nicht mehr weiterlaufen wollte?

Zu viele Fragen kamen auf, zu wenige Antworten konnten gegeben werden. Ich war mir nicht sicher, ob wir nun den einen Schritt zu weit gehen würden.

Schlaflose Nächte, stundenlange Gespräche und Diskussionen folgten. Jens bestärkte mich aber immer wieder und war kreativer denn je. Stichworte wie Satellitentelefon, Food Supply, Akklimatisierung und der Kauf zweier Packesel ließen bald keinen Zweifel mehr aufkommen, dass Kirgistan das richtige Reiseziel für uns sein würde.

Wir schaffen das! Wie wir mit zwei bockigen Eseln durch das wilde Tian Shan Gebirge wanderten

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Yvonne und Jens Wehofsky

Da standen wir nun in Karakol und waren temporäre Eselbesitzer. Die beiden Lastentiere Pommé und Pony hatten wir nach langen Verhandlungen gleich gekauft, da die Miete teurer gewesen wäre. Der Proviant für zwei Wochen und ein Teil unseres Gepäcks lastete auf den Rücken der sehr störrischen Tiere. Die Esel sollten aber auch als Rastplatz für Täve dienen.

Video: Jens Wehofsky

Die ersten Tage kamen wir nur langsam voran, die Esel waren nicht geländetauglich, mieden Brücken und Flüsse, aber die leckeren Möhren nahmen sie gern an. Es sollte aber noch schlimmer kommen. Wir stellten fest, dass Pony auf einem Auge blind war und er das Gleichgewicht nicht halten konnte. Des Öfteren stolperte er, stürzte Abhänge hinunter und blieb dann der Faulheit geschuldet einfach regungslos liegen. Wir mussten umplanen, teilweise Wege doppelt gehen, um den Eseln die Arbeit abzunehmen. Notgedrungen musste Jens so auch Gepäck zurücklassen.

Ich muss für Täve stark sein 

Am dritten Tag geschah dann Unfassbares. Wir hatten uns gerade wieder sortiert und wollten nur noch unsere Wertsachentaschen wieder aufsatteln – aber sie waren nicht mehr da. Jens rannte nun die 700 Höhenmeter wieder zurück ins Tal. Dort vermutete er die Diebe. Unseren Weg hatten Lastenträger einer Wandergruppe gekreuzt, nur sie konnten diese schweren Taschen zu Tale getragen haben.

Für Täve und mich bedeutete das nun lange Stunden des Bangens. Ich musste nun stark sein, egal, was gerade passiert war. Wir trösteten uns gegenseitig, richteten das Camp her.  

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Jens Wehofsky

Dann wickelten wir uns im Zelt in die Schlafsäcke. In den Taschen befand sich auch der Kocher, also konnten wir nur ausharren und hoffen. In der Stille der Berge ertönten nach drei einsamen Stunden Stimmen.

Irgendwie erinnerte mich das Bild von Jens mit zwei Pferden und den Taschen, die uns gestohlen wurden, an Szenen aus Winnetou-Filmen. Ein Blick aus dem Zelt – und ich sah Jens auf einem Pferd in der Ferne erscheinen, die Wertsachentaschen bei sich. Jubelnd und ein wenig unter Freudentränen empfingen wir unseren Helden. Jens hatte an dem Abend noch viel zu erzählen. Dabei enttäuschte uns die Tatsache am meisten, dass er die Taschen nach langen Verhandlungen von den Trägern erst für 60 Euro freikaufen musste. 

Schneebedeckte Gipfel, weites Land und nur ab und zu begegnen uns Nomaden 

Fortan sollten wir jede Minute des Urlaubs doppelt genießen, weil dieser kurzzeitig vor einem Aus gestanden hatte. Die atemberaubende Landschaft entschädigte uns für die Strapazen der ersten Tage und die nervenaufreibenden Tiergespräche. Schneebedeckte Gipfel, breite Täler mit klaren Bächen, gesäumt mit Kiefern, aber auch steinige Geröllfelder wechselten sich ab. Um jede Ecke erblickten wir eine neue Szenerie, meistens genossen wir diese Weitblicke und die Stille für uns allein.

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Jens Wehofsky

Tagsüber begegneten wir nur selten Touristen, eher waren es die Nomaden, die unseren Weg kreuzten und die wir genau so skeptisch beäugten wie sie uns. Wie die Nomaden zogen auch wir jeden Tag weiter, fanden immer wieder traumhafte Plätze, wo wir unser Zelt aufschlagen konnten, in der Nähe meist ein klarer Fluss, der als Küche und Bad gleichermaßen diente.

Nicht das Kind ist das Problem – die Esel sind es! 

Die zweite Woche mussten wir abermals den Plan über den Haufen werfen, den Eseln waren weitere Bergpässe nicht zuzumuten, wir wichen in den flacheren, aber nicht minder schönen Süden aus. Wir kreuzten nun einen Bergkamm nach dem anderen. Tagsüber runter in die warmen Täler, am Nachmittag hoch auf die Bergkämme, das Zelt exponiert platziert.

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Jens Wehofsky

Die Natur war einmalig und doch abwechslungsreich zugleich und wurde ihrem Ruf, die „zweite Schweiz“ zu sein, völlig gerecht. Täve machte sich super und fand den besseren Draht zu den Eseln, er trieb sie voran, kuschelte mit ihnen, fütterte sie.

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Jens Wehofsky

Keine Wegweiser, keine Pfade – und das Essen wird knapp 

Wir dagegen machten uns Sorgen, wie wir die noch folgenden Pässe bezwingen würden. Unbekanntes, steiles Gelände, keine Wegweiser, keine Wanderwege, keine Brücken, keine Schutzhütten. Wir waren auf uns allein gestellt, was aber nicht heißen sollte, dass wir leichtsinnig sein würden. Zu jedem Zeitpunkt wussten wir, wo wir waren, wo wir hinwollten, was wir im Notfall zu tun hätten. Der letzte Ausweg, ein Satellitentelefon, war immer griffbereit.

Die letzte Hürde, der 3811 Meter hohe Bergpass Dungurome, lag zwischen uns und dem Food Supply (Lebensmittelversorgung). Seit dem Start waren wir in keinem Ort vorbei gekommen, hatten keine asphaltierte Straße gesehen.

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Yvonne Vacek und Jens Wehofsky

Es war aber an der Zeit, Proviant zu besorgen. Seit drei Tagen streckten wir die Lebensmittel, es gab morgens, mittags und abends Nudeln in kleineren Portionen.

Motiviert liefen wir der Passhöhe entgegen, doch das Gelände war schwer begehbar, die Esel resignierten immer wieder.

Nur zur Verwendung in der Ich-Geschichte von Yvonne Vacek =9741307
Bild: Jens Wehofsky

Pony konnte das Gleichgewicht mal wieder nicht halten und stürzte mit beiden Hinterbeinen in eine kleinere Felsspalte. Nun setzte uns auch das Wetter zu. Es schneite, stürmte und kalt war es außerdem. Wir waren am Ende und bauten auf 3800 Metern unser Zelt in einer Gegend auf, wo uns das Atmen schon schwer fiel.

Rückschläge machen uns stärker 

Wie gaben aber nicht auf, solche Niederlagen und Rückschläge stärkten uns. Die nächsten Tage ging es tendenziell bergab, in breiten Tälern auf lang gezogenen Grasebenen fühlten sich die Esel sichtlich wohler, alles lief bestens und wir erreichten nach 320 Kilometern unser Ziel. Zufrieden und erschöpft, mit einem Glücksgefühl im Bauch, das noch lange danach anhielt.

Was ganz am Anfang unserer Reisen unmöglich erschien, ist nach all diesen Reisen keine Sorge mehr Wert. Täve lernt es mit und in der Natur zu leben, die Gefahren zu erkennen um darauf zu reagieren. Andererseits sieht er die Natur als riesengroßen Spielplatz und ich bin begeistert, wenn ich an seine selbstgebaute Schaukel auf La Réunion oder den Einkaufsladen auf Madeira denke. In diesen Momenten verspotte ich sein von Spielzeug überladenes Kinderzimmer.

Diese Urlaube tun mir gut: Ich starte gestärkt und fit in meinen Alltag daheim 

Ich denke an die ganze positive Energie, die wir nach unseren gemeinsamen Urlauben erfahren. Wie gestärkt und fit ich wieder auf Arbeit erscheine. Ich bin zwar physisch den ganzen Urlaub sehr aktiv, dafür aber psychisch von Beginn an auf einem gesunden Level. Es scheint mir, als könne allein der Aufenthalt in der Natur viele Sorgen und Gedanken verschwinden lassen. Wer kann schon jeden Abend eine neue faszinierende Aussicht beim Abendessen genießen, Tiere im Halbdunkel beobachten und morgens wieder inmitten einer unglaublichen Natur aufwachen?

Wie oft stand ich in alten Zeiten vor einem Hotelurlaub stundenlang vor meinem Kleiderschrank, weil ich mich zwischen den zwanzig Bikinis, 50 Schuhen und gefühlt dreihundert Tops nicht entscheiden konnte? Unsere jetzigen Urlaube machen es so einfach, die Entscheidung liegt bei drei Oberteilen, zwei Hosen, zwei Paar Schuhen, Unterwäsche und einen minimalen Bedarf an Kosmetikartikeln. Was sich zunächst
für jede Frau unvorstellbar anhört, ist, einmal akzeptiert, unheimlich entspannend.