Als Hausberg bestimmt der Säntis mit seiner Höhe von 2501 Metern das Alpenpanorama des Bodensees. Mit seiner gewaltigen Nordwand ist er eine weithin sichtbare Landmarke. Doch ganz so nah, wie er bei gutem Wetter zu sein scheint, ist er nicht. Trotzdem ist er mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln schnell erreicht. Und dann erschließen sich Wanderungen am Säntis, die Genießern und Anspruchsvollen gleichermaßen gerecht werden.

Der Aufstieg auf den Säntis

Viele Wege führen auf den Säntis. Wer welchen davon am besten für den Aufstieg nutzt, hängt zum großen Teil von der Kondition, der alpinen Erfahrung und der zur Verfügung stehenden Ausrüstung ab. Fitte und erfahrene Wanderer mit sehr guter Kondition und guten Bergstiefeln sind auf der Route über Wasserauen, Seealpsee, Meglisalp und Lisengrat gut aufgehoben.

Eine weitere Möglichkeit, den höchsten Berg des Alpsteins zu erklimmen, startet an dem kleinen Almdorf Schwägalp. Der sogenannte „Normalweg“ dürfte gleichzeitig auch die einfachste Route auf den Säntis sein und dauert etwas mehr als 3 Stunden. Hier geht es über weite Strecken auf felsigen Wegen über die Felsbastion Musfalle steil nach oben, weswegen Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und feste Bergschuhe unbedingt zum Gepäck gehören sollten. Ambitionierte Wanderer sind auf dieser kürzesten Verbindung zwischen Schwägalp und Säntis gut aufgehoben. Nach einem moderat ansteigenden Start gewinnen sie schnell an Höhe, sobald das Gelände steiler wird. Das ist auch gut so, schließlich wollen sie mehr als 1000 Höhenmeter aufsteigen. Dann geht es durch die Blöcke, Trichter und Spalten des größten Karrenfelds des Alpsteins stetig Richtung Gipfel. Stufen und Drahtseile sichern die besonders steilen Abschnitte.

Eine andere anspruchsvolle Gipfelwanderung startet im Kurort Wildhaus. Über die Schönenbodenstraße führt sie hinauf zur Bodenalp und nach Gamplüt, wo sich ein hervorragender Blick auf die steilen Flanken des Wildhauser Schafbergs werfen lässt. Auf der Straße nach Dreihütten präsentiert man die atemberaubende Kulisse des Gamskopfes, des Stoß und der Silberplattenköpfe. Über einen leicht ansteigenden Pfad geht es nach Gersellen/Thurwis und von hier über Langenbüel und Wis zum Berggasthaus Schafboden auf 1729 Metern über dem Meeresspiegel. Käse und Butter werden hier aus der Milch der hofeigenen Tiere hergestellt und auch die Fleisch- und Wurstwaren stammen aus eigener Produktion. Selbst die Eier, die serviert werden, wurden von den Hühnern hinter der Hütte gelegt. Eine Verschnauf- und Vesperpause lohnt sich. Frisch gestärkt geht es über den Rotsteinpass und den Lisengrat zum Chalbersäntis, von wo es nur noch eine kleine Steigung zu überwinden gilt, bevor der Säntis über einen gut gesicherten Weg in Felsbändern erreicht wird.

Der bequemste und schnellste Aufstieg zum Säntis erfolgt übrigens nicht zu Fuß – und hat deshalb den Namen eigentlich nicht verdient. Eine Schwebebahn bringt all jene, die sich die Strapazen nicht antun wollen oder können, binnen 10 Minuten von der Schwägalp nach oben auf den Gipfel.

Die Himmelsleiter am Säntis

Viele der Bergbegeisterten, die zu Fuß erschöpft, aber glücklich auf dem Säntis ankommen, haben sich über die Himmelsleiter ihrem Ziel genähert. So mancher von ihnen mag sich dabei gewünscht haben, dass er über diesen sehr steilen und damit recht beschwerlichen Aufstieg tatsächlich ins Paradies gelangen könnte. Schließlich lässt der Name darauf hoffen, dass am Ende der Himmelsleiter eine besondere Belohnung wartet. So verspricht es die Bibel: Von einer Himmelsleiter träumt Jakob im Buch Genesis. Während sie mit ihrem unteren Ende fest auf der Erde steht, ragt sie mit ihrer Spitze bis zu Gott in den Himmel. Engel steigen auf ihr auf und nieder.

Doch von himmlischen Wesen ist unterhalb des Säntisgipfel nichts zu bemerken. Sehr wohl aber von anderen Menschen, die ebenfalls über die steile in Felsen geschlagene „Treppe“ bergauf oder bergab kraxeln wollen. Im Sommer kann es sogar vorkommen, dass aufgrund des hohen Wandereraufkommens regelrecht Staus entstehen. Da ist Geduld gefragt, wenn sich das Erreichen des Ziels deshalb um ein paar Minuten verzögert.

Mit Kindern am Säntis wandern

Mit Kindern am Säntis wandern ist eine hervorragende Idee – vor allem dann, wenn die Eltern nicht den Ehrgeiz besitzen, mit ihrem Nachwuchs von der Schwägalp, von Wasserauen oder Wildhaus zu Fuß den Berg zu erklimmen. Viel schneller und für kurze Kinderbeine wesentlich angenehmer geht es per Bahn nach oben, wo sich dann durchaus kleinere familientaugliche Runden drehen lassen.

Am allerschönsten wandern Kinder aber nicht AUF, sondern UM den Säntis. Im Natur-Erlebnispark der Schwägalp nämlich können sie auf fünf Themenwegen Geologie entdecken, Tiere beobachten, Neues erfahren und die Natur genießen. Die Routen sind allesamt Rundwege, auf denen an landschaftlich oder geologisch besonders interessanten Orten reich bebilderte Informationstafeln stehen. Kleine und große Entdecker kommen hier auf ihre Kosten. Der Geologie-Steinpark erklärt zum Beispiel Gesteinsformationen von der Kreidezeit zu den jüngeren Kapiteln unserer Zeitrechnung, von Kalkgesteinen und Gezeitenebenen zu den Wanderungen der Kontinente und dem Wandel der Meere.

Dabei wird auch erklärt, wie die mächtige Felskulisse des Säntismassivs in über 140 Millionen Jahren entstanden ist. Auf dem 2,1 Kilometer langen Themenweg „Moor“ erfahren Interessierte auf einem hoch angelegten Steg, der mitten in die geheimnisvollen Moore der Schwägalp führt, alles über die Tier- und Pflanzenwelt dieser Region und darüber, wie Moore überhaupt entstehen. Auch die Themenwege Mensch & Umwelt, Alpwirtschaft und Wald weihen Kinder und Erwachsene in die Geheimnisse und auch die Besonderheiten dieser Ebene am Fuße des Säntis ein.

Eine Bergtour am Säntis

Eine Bergtour am Säntis? Das mag für passionierte Wanderer, die eine spektakuläre Gipfeltour nach der anderen machen, zunächst nicht sonderlich verlockend klingen. Denn der Hausberg des Bodensees ist im internationalen Vergleich nicht unbedingt das, was man ein imposantes Gebirge nennen würde. Damit ist er mit seinen rund 2500 Metern nicht hoch genug. Trotzdem ist er der höchste Gipfel im Alpstein beziehungsweise der Appenzeller Alpen und hält als solcher nicht nur eine, sondern gleich viele spektakuläre Routen bereit.

Die meisten von ihnen sind im Winter bei Schnee für Hobbywanderer nicht zu empfehlen. Im Sommer hingegen führt eine der schönsten und intensivsten Wanderrouten am Säntis von Wasserauen über den Rotsteinpass und den Lisengrat hinauf zum Gipfel. Schon der Anstieg vom hübschen Ort Wasserauen hinauf Richtung Seealpsee macht klar, dass diese Bergtour kein Spaziergang wird. Eine Stunde lang geht es steil bergauf, doch die Mühe lohnt sich. Auf dem Plateau des Seealpsees bietet sich ein spektakuläres Bergpanorama, das sich von den Terrassen der Gasthäuser Forelle und Seealpsee wunderbar genießen lässt. Eine kurze Rast ist keine schlechte Idee, bevor es weiter geht zur Meglisalp. Denn auch diese Strecke geht steil bergan, führt durch kühlen Wald und vorbei an schroffen Felswänden. Festes Schuhwerk ist nicht nur sinnvoll, sondern tut Not. Kurze Verschnaufpausen lohnen sich, weil sie immer wieder einen wunderschönen Blick auf den unten liegenden Seealpsee und hinüber zu Ebenalp erlauben. Doch die Pausen sollten kurz sein, damit genügend Zeit für eine längere Rast auf der Meglisalp bleibt.

Das Sennendorf auf 1520 Metern über dem Meer liegt verträumt inmitten der hohen Berge und ist der ideale Ort, um einmal die Schuhe auszuziehen und die Füße ausdampfen zu lassen. Von hier an kann sich der Puls dann erst einmal beruhigen: Es geht flacher weiter Richtung Rotsteinpass. Doch auch dieser will erklommen werden, und zwar über einen steinigen Pfad, der sich Serpentine für Serpentine den Hang hinaufschlängelt. 1,5 Stunden dauert etwas der Aufstieg bis zum Berggasthaus Rotsteinpass, herrlich gelegen zwischen dem zweihöchsten Gipfel im Alpstein, dem Altmann, und dem Lisengrat. Auch hier sei eine Verschnaufpause empfohlen, denn danach geht es in den Endspurt Richtung Säntis. Und das bedeutet: den Lisengrat überwinden. Dank Drahtseilsicherung und künstliche Stufen ist er gut begehbar. Schwindelfrei sollten die Wanderer aber dennoch sein. Von ihr dauert es nur noch eine Stunde, bis der Säntis erreicht ist. Doch es lohnt sich, dieses Ziel auch ab und zu aus den Augen zu lassen. Denn vom Lisengrat erkennen die Augen bei günstigen Wetterbedingungen die Berner Alpen auf der einen und die Zugspitze auf der anderen Seite. Optimale Sicht macht auch das Erklimmen des Säntisgipfels zu einem Highlight, denn sie gibt den Blick frei auf sechs Länder: Schweiz, Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Frankreich und Italien können von hier oben auf 2501 Metern eingesehen werden.

Mit dieser spektakulären Aussicht im Kopf und im Herzen lässt sich die Einkehr in einem der beiden Restaurants Säntisgipfel oder Alter Säntis umso mehr genießen. Die Dauer der Wandertour wird meist mit mehr als 8 Stunden angegeben, wenn sie vom Säntis über das Berggasthaus Mesmer und den Seealpsee zu Fuß beendet wird. Wer mit der Bahn zur Schwägalp abfährt, hat entsprechend weniger Zeit auf den Beinen zu absolvieren.

Zusammenfassung

  • Viele verschiedene Wanderungen sind zum Gipfel des Säntis möglich.
  • Eine der schönsten startet im Tal in Wasserauen und führt über den Seealpsee, die Meglisalp und den Lisengrat nach oben.
  • Die „Normalroute“ hingegen startet auf der Schwägalp und führt über die Felsbastion Musfalle und die Himmelsleiter zur Spitze.
  • Auch ab Wildhaus verläuft eine anspruchsvolle Wanderung über das Berggasthaus Schafboden und den Rotsteinpass in Richtung Säntisgipfel.
  • Für Familien mit Kindern sind diese Aufstiege auf den Säntis eher nicht geeignet. Sie sind besser auf der Schwägalp aufgehoben, wo die fünf Themenwege des NaturErlebnisparks für Abwechslung und Bewegung sorgen.