Über 500 Folgen und jeden Sonntag um 19.15 Uhr im dritten Programm über eine Million Zuschauer sind die Bilanz der SWR-Serie „Die Fallers – Eine Schwarzwaldfamilie“. Die Geschichten um Hermann und Johanna, Karl und Bea Faller spielen im ländlichen Milieu – auf einem typischen Schwarzwaldhof, die wir auf unserer Tour um die Martinskapelle zuhauf erleben. Die heimliche Hauptrolle bei den Fallers aber spielt der Schwarzwald, dem die Akteure im Film mystische Qualität und Schönheit bescheinigen.

Einer dieser mystischen Orte ist sicher der Blindensee, den wir zum Ende unserer Tour erreichen und die erhabene Atmosphäre genießen können. Der verwunschene kleine Hochmoorsee auf fast 1000 Meter Höhe liegt im Naturschutzgebiet an der Grenze zwischen Schonach und Schönwald und hat als eine Besonderheit keinen oberirdischen Abfluss. Lange Zeit hat man vergeblich nach dem Ursprung des Blindensees gesucht. Eines aber ist klar: Durch einen Torfstich im größeren Rahmen ist er nicht entstanden. Das Blindenseemoor wurde, wie aus der langen Geschichte ersichtlich ist, kaum für den Torfabbau genutzt und ist deshalb eines der natürlichsten Moore des Schwarzwalds.

Moorauge ist Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen

Der Blindensee ist aber auch kein Restsee, der beim Verlanden eines Moorsees übrig geblieben ist. Experten sind heute der Auffassung, dass der Blindensee durch die Vergrößerung eines Risses entstanden ist, indem eine Moorscholle an den leicht geneigten Hang abgerutscht ist. Die Frostsprengung tat ein Übriges und vergrößerte den See im Laufe der Jahrhunderte auf seine heute nahezu quadratische Form. Der Moorkolk oder auch „Moorauge“ genannt, ist ein außergewöhnlicher Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere. Während sich auf dem Wasser die kleine Moosjungfer, eine stark gefährdete Libellenart, tummelt, wachsen auf den moorigen Feuchtflächen in der Umgebung Krüppelkiefern, Wollgras, Binsen, Seggen, Moosbeere und Fieberkraut. Das dunkle, unergründlich tief erscheinende Wasser endet bereits nach 60 Zentimetern in einer dünnen Schlammschicht , ohne dass man dann festen Boden unter den Füssen erreicht - und genau dies macht den Reiz des Blindensee aus, den man nur über einen Bohlenweg erreichen kann.

Der stille, kleine See mit seiner mystischen Stimmung hat die Gemüter der Menschen schon in frühen Zeiten beschäftigt. Bis weit ins Mittelalter hinein war man der Überzeugung, dass sämtliche Gewässer mit einem unterirdischen Ozean tief im Inneren der Erde verbunden sind. So klingt es auch plausibel, dass ein Bauer, der sein Ochsen-Gespann, weil er zuviel Kirschwasser getrunken hatte, in das Moor lenkte, drei Tage später bei Kehl am Rhein wieder ans Tageslicht gekommen sein soll. Einer anderen überlieferten Sage nach drohte der Blindensee eines Tages auszubrechen und das ganze Tal zu überschwemmen.

Die damals sehr gläubigen Menschen behaupteten, dass die Mutter Gottes kam und ein Netz von Fäden vor die Öffnung spannte, um das Wasser zurückzuhalten. Jedes Jahr verfault jedoch einer der Fäden und wenn alle verwest sind, bricht der See aus und überschwemmt das Tal wirklich.