Einige hundert Meter vor dem Kanu macht der Rhein eine Biegung nach links. Die Strömung ist hier, kurz nach dem Start bei Stein am Rhein, ein wenig stärker und das kleine Boot treibt nahezu von allein den Fluss hinab durch glasklares Wasser. In der Mitte des Rheins erspähen wir eine Wiffe. Das sind die Rheinzeichen, ein Orientierungssystem für alle Gefährte, die auf dem Fluss unterwegs sind. Es signalisiert uns, dass wir die Seite wechseln müssen. Das ist wichtig, immerhin fahren hier auch große Fähren mit Passagieren. Just in diesem Moment pflügt sich solch ein großes Boot durch das Wasser an der Flussbiegung. Wir werden aktiv, manövrieren in ausreichendem Sicherheitsabstand, trotzen der Strömung und schaffen es, rechtzeitig auszuweichen.

Adrenalin, Muskelkraft und Voraussicht – das sind einige der Attribute, die bei einer Kanufahrt auf dem Hochrhein nützliche Begleiter sind, die ersten beiden jedoch nicht zwangsläufig notwendig. Wir fahren zu zweit auf einem Sit-on-Top-Kanu (Englisch für Sitz-obenauf) von Stein am Rhein ins 20 Kilometer entfernte Schaffhausen. Das Ganze ohne wirkliche Erfahrung auf einem großen Fluss oder einem Kanu. Belohnt werden wir dafür mit einem tollen Blick auf die Landschaft entlang des Hochrheins, mit Wäldern, Auen und den Fassaden und Bauten der Ortschaften und Städte entlang des Flusses. Fachwerkhäuser, Strandbäder und Kirchtürme säumen malerisch den Rand der Strecke, an dem wir sanft entlanggleiten.

SÜDKURIER-Volontär Guy Simon zieht ein Sit-on-Top-Kanu aus dem glasklaren Rhein.
SÜDKURIER-Volontär Guy Simon zieht ein Sit-on-Top-Kanu aus dem glasklaren Rhein. | Bild: Jeanne Lutz

Der Hochrhein ist eine sehr beliebte Strecke für Kajak- und Kanuausflüge. Auch Stand-Up-Paddler, die auf einer Art Surfbrett stehen, sind häufig hier anzutreffen. Zudem nutzen Schulklassen und Betriebe den Rhein regelmäßig für Ausfahrten mit dem Kanu. Aufgrund der Strömung erscheinen die 20 Kilometer der Strecke tatsächlich wesentlich kürzer. Lediglich in der zweiten Hälfte, etwa ab Gailingen und Diessenhofen, lässt die Fließgeschwindigkeit etwas nach, sodass stärker gepaddelt werden muss.

Die Strecke ist auch für Anfänger geeignet, es gilt lediglich, auf einige Dinge Acht zu geben: Auf dem Hochrhein herrscht Verkehr. Motorbetriebene Holzboote, Schlauchboote, andere Kanufahrer und vor allem größere Passagierschiffe sind dort unterwegs. Es ist wichtig, vorausschauend zu fahren und den großen Kähnen, den Wiffen und Brückenpfeilern rechtzeitig auszuweichen. Die notwendige Übung hat man nach einigen Flussbiegungen gut drauf und die Fahrt kann in vollen Zügen genossen werden.

Höhepunkt der Strecke ist sicher die große Holzbrücke aus dem 19. Jahrhundert zwischen Gailingen und Diessenhofen. Mit der Silhouette der mittelalterlich anmutenden Stadt und ihren Fachwerkhäusern ist vom Rhein aus ein toller Blick auf Brücke und Ortschaft möglich.

Rund vier Stunden werden für die Fahrt kalkuliert. Mit etwas mehr Paddeleifer ist die Strecke allerdings auch gut in zwei bis drei Stunden machbar. Jedoch lohnt es sich, für die Bewältigung der Strecke etwas mehr Zeit einzuplanen und sich gemächlich entlangtreiben zu lassen.

Sicherheit hat oberste Priorität: Entlang des Flusses hat die Polizei Schilder angebracht. Dem augenzwinkernden Hinweis, dass es auf dem Rein keine Haie gibt, folgen Hinweise für sicheren Verkehr auf dem Rhein.
Sicherheit hat oberste Priorität: Entlang des Flusses hat die Polizei Schilder angebracht. Dem augenzwinkernden Hinweis, dass es auf dem Rein keine Haie gibt, folgen Hinweise für sicheren Verkehr auf dem Rhein. | Bild: Guy Simon

Sicherheit ist auf dem Fluss wichtig

Wiffen: So werden die Rheinzeichen genannt, anhand derer sich die Schiffe auf dem Fluss orientieren. Die Zeichen sind rautenförmig, mit einer weißen und einer grünen Seite. Letztere weist dabei jeweils den Bereich aus, der für die großen, motorbetriebenen Schiffe gedacht ist. Auch von den Wiffen ist Abstand zu halten. Empfohlen sind dabei etwa zwei bis drei Bootslängen, also rund zehn Meter.

Voraussicht: Gerade Anfänger haben mitunter bei der Manövrierung des Kanus vielleicht noch etwas Probleme. Kommt dann noch die Strömung dazu, kann das kleine Boot nicht immer auch in die gewünschte Richtung gesteuert werden. Um den zu Beginn der Strecke recht häufig auftauchenden Wiffen in gebührendem Abstand ausweichen zu können, sollte also schon vorher darauf geachtet werden, rechtzeitig eine Richtung einzuschlagen und das Kanu entsprechend zu manövrieren.

Sonnenschutz und Kleidung: Kanufahrten sollten am besten bei gutem Wetter unternommen werden. Dann ist es jedoch sehr wichtig, einen Sonnenschutz zu tragen. Auf dem Sit-on-Top-Kanu sitzt man sicher, jedoch wird man zwangsläufig nass. Daher sollte man die Fahrt am besten in der Badehose unternehmen und im Auto trockene Wechselkleidung parat haben.

Kanuverleih: In Stein am Rhein bieten etliche Anbieter einen Kanuverleih an, etwa über www.lacanoa.com, www.kanuverleih-am-rheinfall.ch oder www.daily-adventure.ch

Rücktransport: Nach Ankunft in Schaffhausen wird das Kanu vom jeweiligen Anbieter wieder abgeholt. Selbst hat man die Möglichkeit mit Zug oder Bus wieder nach Stein am Rhein zu gelangen. Teilweise bieten die Kanuverleiher gegen eine kleine Gebühr auch einen Rücktransport an. (guy)

Ein Blick vom Kanu auf den Hochrhein bei Diessenhofen: