Ist eine Kuh nun lila oder nicht? Wie sieht eigentlich ein Reh aus? Und warum soll ich nachts nicht mit der Stirnlaterne auf dem Kopf durch den Forst joggen? Fragen dieser Art von Kindern und Erwachsenen gehören zum Alltagsgeschäft der sieben Naturparks in Baden-Württemberg. Ihre Geschäftsführer und Vorsitzenden trafen sich zur jährlichen Arbeitssitzung im Haus der Natur in Beuron, dem Sitz des Naturparks „Obere Donau“ (Landkreis Sigmaringen). Solche Fragen signalisieren auch das Selbstverständnis der Naturparks als Mittler zwischen der Natur und dem modernen Menschen.

  • Schönbuch: Nirgends wird das Schlagwort von der „Verträglichkeit von Ökologie und Ökonomie“ so deutlich, wie bei der Nutzung der Natur als Erholungs- und Freizeitraum. Ein Beispiel dafür ist der Naturpark „Schönbuch“. Der Vorsitzende Martin Strittmater: „Wir sind im Land der Waldnaturpark. Wir haben jetzt 100 Kilometer Wege für Mountainbiker angelegt.“ Die Freunde des Radfahrens im Gelände würden ohnehin in den Wald kommen, deshalb sei es sinnvoll, ihnen ein eigenes Wegenetz zur Verfügung zu stellen. Das gelte, so Strittmater, besonders, wenn es um die Vermeidung von Konflikten zwischen Wanderern und Geländeradlern gehe. Im Rahmen des neuen Besucherleitsystems wurde das ausgeschilderte Wanderwegesystem von 560 auf 400 Kilometer komprimiert.
    Der Naturpark Schönbuch.
    Der Naturpark Schönbuch. | Bild: Roland Holschneider/Archiv
  • Schwarzwald Mitte/Nord: Der Naturpark hat sich ein anderes Bonbon für Naturnutzer einfallen lassen. Sein Vorsitzender Landrat Jürgen Bäuerle aus Raststatt berichtete: „Wir haben jetzt ein Trekkingprojekt verwirklicht.“ Im Rahmen dieses Projekts ist es an sechs Stellen offiziell erlaubt, im Wald in einem Zelt zu übernachten. Drei dieser Plätze, an denen auch ein Lagerfeuer entfacht werden darf, liegen dazu im Bereich des neuen Nationalparks. Die Plätze müssen gebucht werden. Bereits in den ersten Monaten wurden 800 Buchungen registriert. Bäuerle wertete diese Resonanz als Erfolg.
  • Südschwarzwald: Im Bereich des Naturparks ist dessen Vorsitzende Landrätin Marion Dammann (Lörrach) sehr zufrieden mit dem Ablauf der jetzt angelaufenen Naturparkplanung. Dammann: „ In der Bevölkerung macht sich eine Stimmung breit – wir sind Naturpark.“ Das sei in der abgelaufenen Saison eine „schöne Erfahrung“ gewesen. Im Blickpunkt steht im Südschwarzwald die internationale Zusammenarbeit mit den beiden unmittelbar angrenzenden Schweizer Nationalparks „Schaffhausen“ und dem Jurapark „Aarau“. Alle drei Naturparks sind nun durch ein „Dreiparks-Radnetz“ grenzübergreifend verbunden. Ein weiteres Projekt im Bereich „Südschwarzwald“ ist die internationale Wiedervernetzung von Wildtierbiotopen an beiden Seiten des Hochrheins.
  • Obere Donau: Im gastgebenden Naturpark hat sich in der Saison 2017 der Evergreen „Naturpark-Express“ als Volltreffer bestätigt. Bis zum 8. Oktober wurden an 53 Fahrtagen insgesamt 14 090 Fahrgäste im Zug registriert, die 3275 Fahrräder bei sich hatten. Der Naturparkexpress ist während der Saison zwischen Mai und Oktober an Wochenenden sowie an Feiertagen zwischen Sigmaringen und Blumberg unterwegs.
    Naturpark Obere Donau | Bild: Naturpark Obere Donau e.V.

Ein wichtiger Teil des Naturpark-Alltags ist die Kinder- und Jugendarbeit. 2017 wurden landesweit Hunderte Schulklassen betreut. Allein im Südschwarzwald waren es 400 Schulklassen. Das Land trägt der Funktion der Naturparks als Mittler zwischen Menschen und Natur dadurch Rechnung, dass der Etat für die Schutzgebiete im nächsten Doppelhaushalt um 750 000 Euro erhöht werden soll. Die Naturparks selbst wollten 1,3 Millionen Euro, um 20 neue Stellen zu schaffen.

Sieben Naturparks

Die Naturparks im Land wurden zwischen 1972 und 2000 gegründet. Sie decken 35 Prozent der Landesfläche ab. In den Naturparkvereinen sind 421 Kommunen organisiert. Derzeit sind in den sieben Geschäftsstellen 28 Mitarbeiter beschäftigt.