Zur ersten Wanderung im Rahmen der „Sommertouren in Meßkirch und Pfullendorf“ fanden sich rund 50 Wanderfreunde am Parkplatz „Ritter“ bei Heudorf ein. Die tour hatte der SÜDKURIER zusammen mit dem Schwäbischen Albverein in Meßkirch und Pfullendorf, der Pfullendorfer Sektion des Deutschen Alpenvereins sowie „Donaubergland Marketing und Tourismus“ veranstaltet. Unter der Führung von Gerhard Teyke, dem Chef der Albereins-Ortsgruppe Meßkirch wurden historische Stätten rund um Heudorf zu erkunden. Bei tropischer Hitze führte die Wanderung zunächst über das Gewann Heiligenhölzle in das Waldstück Birkenholz zu einer der am besten erhaltenen keltischen Viereckschanzen im süddeutschen Raum.
 

Wolfgang Teyke, der Sohn des Tourenführers und Hobby-Burgenforscher, erzählte den Wanderern, die sich auf dem noch sichtbaren Wall versammelt hatten, von den Ausgrabungen und Entdeckungen vieler historischer Zeugnisse. Die allermeisten Kelten-Schanzen seien im Zuge der Flurbereinigungen zerstört worden, bedauerte er.

Unter die Wanderer hatte sich auch Dr. Werner Fischer, ein hochkarätiger Geschichts- und Heimatkundler, gemischt. Er hatte in den 70er an Ausgrabungen in dieser Region teilgenomme. Mit seinen bald 80 Jahren ist er immer noch ehrenamtlich als Denkmalpfleger im Auftrag des Regierungspräsidiums Tübingen tätig. Er ergänzte mit fachkundigem Wissen die Ausführungen von Wolfgang Teyke. „Frühere Ausgräber im 19. Jahrhundert waren hochnäsige, arrogante Typen, die das Werk ihrer Vorfahren gering schätzten“, erklärte Fischer den fasziniert lauschenden Wanderern.

Dies erkläre auch, dass in diesem Zeitraum Funde von unschätzbarem Wert und größter historischer Bedeutung einfach wieder weggeworfen wurden, großenteils sogar ohne sie zu registrieren.

Zahlreiche Fehldeutungen gab es im Laufe der Geschichte über die keltischen Viereckschanzen. So wurden die Wälle als Einfriedung römischer Gutshöfe gedeutet. Auch römische Kastelle oder Kult- und Opferstätten wurden dahinter vermutet. Heute ist sich die Fachwelt sicher, dass es sich um die Einfriedung keltischer Gehöfte aus der Zeit um etwa 2000 vor Christus handelt, deren Erdwälle durch ihre wohlhabenden Bewohner teilweise noch mit Palisaden, in erster Linie zum Schutz vor wilden Tieren, verstärkt worden waren.

Weiter führte die Tour an Heudorf vorbei durch die Eichwiesen zur „Römischen Altstadt“, dem Fundort des mit etwa acht Hektar größten bekannten römischen Gutshofes in Baden-Württemberg. Das Bodendenkmal liegt im Waldstück „Bändlehau“, etwa einen Kilometer westlich von Heudorf und erstreckt sich etwa je zur Hälfte auf beiden Seiten der das Areal durchschneidenden Bundesstraße 311 von Meßkirch nach Tuttlingen. Im nördlichen Teil des ehemaligen Hofgeländes befindet sich der Dianatempel. Auf seinen noch sichtbaren Grundmauern ließen sich die Wanderer nieder, um sich in die Geheimnisse des Altar- oder Weihesteins einweihen zu lassen. Seine Inschrift lautet frei übersetzt: „Marcus Aurelius Honoratus Pancratius hat der Diana einen Altar errichtet, indem er sein Gelübde froh und frei nach Gebühr erfüllt hat.“ Pancratius dürfte im zweiten oder frühen dritten Jahrhundert Eigentümer dieses römischen Gutshofes gewesen sein.

Fischer hatte in diesem Terrain 1978 zahlreiche kleine Fragmente einer Wandmalerei ausgegraben, „nicht größer als ein Fingernagel“, so seine Aussage. In einem Institut an der Tübinger Universität mühsam zusammengesetzt, zeigt das Fresko die Darstellung einer nackten Frau, umgeben von einem großen Seewesen und Muscheln. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um die Göttin Venus – die „Venus von Meßkirch“.

Bei erfrischenden Getränken erzählte Wolfgang Teyke noch viel Interessantes über die Villa Rustica und die anderen 17 Gebäude innerhalb des Gutshofes. „Schade, dass das Bodendenkmal größtenteils durch dichten Wald und Gestrüpp nicht mehr zugänglich ist“, bedauert am Ende Wanderführer Gerhard Teyke. Der Albverein wäre bereit, für Interessenten das Terrain zu roden und durch Wege zu erschließen, sei aber auf die Unterstützung der Stadt, des Fürstlich-Hohenzollerschen Forstamtes und weiterer Behörden angewiesen.