Die Bombe tickt. Unerbittlich zählt die Uhr die Sekunden hinunter, ticktack, ticktack. Und nur wir können Berlin retten, indem wir die Bombe entschärfen – in weniger als 55 Minuten. Die Bombe ist natürlich nicht echt, sondern Teil eines sogenannten Escape Games. Aber unser Ehrgeiz ist geweckt. Ein paar Rätsel lösen, um den alles entscheidenden Code zu knacken? Kein Problem, denken wir. Und scheitern fast am ersten Rätselkoffer, weil wir den richtigen Blickwinkel nicht finden. Eine gute Stunde später poltern dann aber fünf aufgedrehte und bestens gelaunte Damen bei Trap Konstanz aus dem Spielraum zurück in die Freiheit. Die gute Stimmung liegt nicht allein an der Flasche Sekt, die es als Belohnung für die Rettung Berlins gibt, sondern am Gefühl, etwas geleistet zu haben. Gemeinsam, als Team.

Szenarien wie die Bedrohung einer Großstadt, die Flucht aus einem abgeschlossenen Raum oder Detektivgeschichten sind typisch für das noch relativ junge Unterhaltungsformat der Escape Games. Und solche Geschichten braucht es auch, damit das Rätseln spannend ist, weiß Diana Takacs, die mit ihrem Mann Bela seit knapp drei Jahren den Konstanzer Escape Room betreibt. Die beiden haben das Spiel aus ihrer Heimat Ungarn mitgebracht – dort sind Escape Games schon lange ein großer Hit, in Deutschland kommt der Trend erst langsam an. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass Escape Games hier so unbekannt sind", erzählt Takacs.

Wie sieht solch ein Spiel dann aus? In Konstanz sehr reduziert. Ein einfacher Raum mit diversen Kisten, ein bisschen Deko, ein Bildschirm, auf dem der Spielleiter Hilfestellung geben kann. Es gibt aber auch Anbieter, die aufwändige Räume haben, dekoriert je nach Thema wie Fantasy, Horror oder Historisches. "Für uns hat diese Option aber besser gepasst", erklärt Diana Takacs. Außerdem ist das Spiel mobil und kann auch zu den Kunden kommen, zum Beispiel für Teambuilding-Maßnahmen bei Firmen. Ein anderer Raum sieht aus wie ein normales Wohnzimmer, das nur ein bisschen wunderlich dekoriert wurde. Die Rätsel selbst sind anspruchsvoll und kreativ. Darunter Puzzle, logische Aufgaben, ein bisschen rechnen ist notwendig, außerdem ganz praktisches Denken und Fingerspitzengefühl. Zu viel darf natürlich nicht verraten werden. Aber in unserem Fall wird manchmal frustriert geflucht, manchmal vor Freude gejuchzt, weil die Lösung für ein Rätsel auf überraschende Weise Spaß macht.

Diese Freude ist auch das, was das Spiel ausmacht. Im Raum komme es zu einem regelrechten Ausbruch von Begeisterung und Spielfreude, hat Scott Nicholson beobachtet. Der Professor für Spieldesign an der Wilfrid Laurier Universität in Brantford, Kanada ist einer der ersten, der sich wissenschaftlich mit dem Phänomen Escape Room auseinandergesetzt hat. Die erfolgreichsten Teams bestehen seiner Erfahrung nach übrigens aus Mitgliedern mit vielen unterschiedlichen Fähigkeiten und Hintergründen. Außerdem hat er beobachtet, dass "Escape Rooms eine Vielzahl von Spielern ansprechen und kein Geschlecht bevorzugen", so Nicholson in seiner Studie.

Das stimmt. Auch wir als reines Damenteam schaffen es innerhalb der Zeit (und ehrlicherweise mit ein bisschen Hilfe von Spielleiterin Diana Takacs), die Bombe zu entschärfen. Großer Jubel also, als eine Minute vor der "Detonation" der richtige Code auf dem Display der vermeintlichen Bombe leuchtet. Berlin ist gerettet. Zu verdanken haben wir das hauptsächlich der einen Architektin in unserem Team. Für räumliches Denken und Rechenaufgaben sind Architekten nämlich gut zu gebrauchen. Journalisten hingegen nur bedingt.

 

Rätseln für Fortgeschrittene

  • Die Geschichte: Escape Rooms oder Games gibt es seit etwa zehn Jahren. Der Ursprung liegt wohl in Japan, wer aber als erster auf die Idee kam, Rätselspiele aus der Gamingszene in das echte Leben zu übertragen, ist unklar. In Europa gilt die ungarische Hauptstadt Budapest als Keimzelle des Trends.
  • Das Prinzip: Die Spielteilnehmer müssen innerhalb einer bestimmten Zeit Rätsel lösen, um sich zum Beispiel aus einem Raum zu befreien oder eine fiktive Bombe zu entschärfen. Logisches Denken, Kombinationsfähigkeit, Kreativität und vor allem gute Zusammenarbeit werden dafür gebraucht. Der Spielführer beobachtet das Geschehen über Kameras und greift ein, wenn erwünscht bzw. wenn er sieht, dass die Teilnehmer in die falsche Richtung denken.
  • Bitte beachten: Bei Trap Konstanz empfehlen die Spielmacher einen Besuch ab etwa 12 Jahren. Kleinere Kinder können aber gerne mitgebracht werden. Die Tür des Spielraums wird nicht abgeschlossen, das Zimmer kann jederzeit verlassen werden. Eine Reservierung ist sinnvoll.
  • Die Infos: Ein Spiel kostet ab 60 Euro für zwei Personen, ab vier Personen 20 Euro je Teilnehmer. Vorkenntnisse sind nicht nötig, sportliche Herausforderungen sind auch nicht dabei. Im Internet: www.trap-teambuilding.de