Es gibt insgesamt 24 Wasserkraftanlagen am Rhein von der Quelle bis zur Mündung. Fast die Hälfte davon nutzen das günstige Gefälle von 150 Metern zwischen dem Bodensee und Basel. Gleichzeitig verläuft auf diesem Abschnitt meist die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz. So treten nicht nur die historischen Städte entlang des Hochrheins, wie zum Beispiel Laufenburg, unter dem Motto auf: „Zwei Länder – eine Stadt“, auch in Sachen Wasserkraftnutzung machen die Schweiz und Deutschland schon lange gemeinsame Sache.

In neunjähriger Bauzeit entstand jetzt in Rheinfelden eines der modernsten Flusswasserkraftwerke Europas. 380 Millionen Euro hat die Energiedienst-Gruppe in das Projekt gesteckt, das mustergültig Wasserkraftnutzung und Ökologie verbindet. Das deutsch-schweizerische Unternehmen produziert seit 100 Jahren Ökostrom aus Wasserkraft. Die Energiedienst-Gruppe versorgt in Südbaden und in der Schweiz 750 000 Menschen mit Strom und energienahen Dienstleistungen. Der seit 1999 an alle Privathaushalte gelieferte Ökostrom der Marke „NaturEnergie“ besteht zu 100 Prozent aus Wasserkraft.

Für Technikfreaks ein Muss: die Besichtigung des Maschinenraums.
Für Technikfreaks ein Muss: die Besichtigung des Maschinenraums. | Bild: Energiedienst

Mit dem Wasserkraftwerk in Rheinfelden wurden auch in Sachen Ökologie neue Maßstäbe gesetzt. 65 Ausgleichsmaßnahmen geben der Natur das zurück, was sie an anderer Stelle verloren hat. Kernpunkt ist das Fischaufstiegs- und Laichgewässer, das die Staustufe für Fische passierbar macht und als Lebensraum dient. Insgesamt zwölf Millionen Euro investierte der Betreiber in diese und zahlreiche andere ökologische Maßnahmen in der Umgebung des Wasserkraftwerkes. Von der Renaturierung des Rheinufers zwischen Wyhlen und Schwörstadt profitieren viele seltene und geschützte Tiere, wie zum Beispiel Eisvögel, Biber, Wasseramseln und Fledermäuse.

Während der Naturliebhaber gut sichtbar von außen auf seine Kosten kommt, muss der Technikfreak schon mittels einer Führung in die Tiefe des Maschinenraums steigen, um zum Beispiel die spezielle Turbine, durch die bis zu 375 000 Liter Wasser pro Sekunde fließen, bewundern zu können. In Rheinfelden gewinnen vier Maschinengruppen und eine Dotierturbine jährlich bis zu 600 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom – das ist klimafreundliche Energie für rund 170 000 Haushalte. Alle Turbinen sind doppelt regulierbar, das heißt, Leitapparat und Laufrad können für eine optimale Energieausbeute verstellt werden.

Rund um das neue Kraftwerk ist auch ein vielfältiger Erholungsraum für den Menschen entstanden. Der neue Natur-Energie-Weg mit dem öffentlich zugänglichen Übergang macht die artenreiche Natur auf beiden Rheinseiten erlebbar. Ruhebänke und Aussichtsplattformen laden zum Verweilen ein. Auf unserer Tour den Rhein hoch kommen wir auch am Ausstellungspavillon „Kraftwerk 1898“ vorbei. Hier kann man in die Geschichte der Rheinfelder Wasserkraft eintauchen, die Motor für die industrielle Entwicklung der Region war. Tagsüber können Besucher die interaktive Ausstellung mit Originalexponaten selbst erkunden. Herzstück ist mit der „Maschine 10“ die dienstälteste Maschinengruppe.