Faszinierende landschaftliche Gegensätze und Bewohner, die stolz auf ihre Vergangenheit sind, prägen den Hotzenwald. Durch wildromantische Schluchten gelangt man auf nach Süden geneigte Hochflächen, die eine grandiose Fernsicht über den Hochrhein, den Schweizer Jura bis hin zur majestätischen Bergkette der höchsten Alpengipfel gewähren. Der Hotzenwald ist auch die Heimat der Profi-Radrennfahrerin Sabine Spitz, deren sportlicher Schwerpunkt auf Mountainbike-Disziplinen liegt.

Bereits vor über 700 Jahren hatten die Bauern hier eine demokratische Selbstverwaltung eingeführt. Der heutige Hotzenwald war als Grafschaft Hauenstein vor 1806 Teil Vorderösterreichs und somit Hoheitsgebiet des Hauses Habsburg, wie auch die vier Waldstädte am Hochrhein – Rheinfelden, Säckingen, Laufenburg, Waldshut und das Kloster St. Blasien. Die "Einung auf dem Wald" (Verwaltungseinheit) entstand Mitte des 14. Jahrhunderts.

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Datum:22.05.2018
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Die herrschenden Habsburger billigten die bäuerlich-genossenschaftliche Selbstschutzorganisation mit dem Ziel der politisch-rechtlichen Gleichstellung aller Bewohner dieses Gebietes. Die "Freien Bauern" verteidigten ihre Ausnahmestellung im 18. Jahrhundert gegen die Obrigkeit in der Grafschaft Hauenstein. Nicht zuletzt wegen dieses Aufbegehrens dieser "Freien" hat der Bauernkrieg im 16. Jahrhundert hier seinen Anfang genommen.

Die Hotzen waren auf ihre Freiheiten und auf ihren Bauernstaat sehr stolz. Doch nach und nach verfielen sie immer mehr in wirtschaftliche Abhängigkeit und Hörigkeit. Nach der erfolglosen Auflehnung gegen diese Formen der Zwangswirtschaft im Bauernkrieg von 1525 kam es in den Salpetererkriegen (1728-1755) zu einer revolutionären Bewegung.

Die bewegte Geschichte der Salpeterer

Die Salpeterer nahmen Anstoß an den Auswüchsen der Leibeigenschaft und Hörigkeit und an den Ansprüchen des Klosters St. Blasien und des Hauses Österreich. Immer wieder mussten die Aufstände mit Waffengewalt niedergeworfen werden. Die Anführer wurden hingerichtet oder nach Belgrad und ins Banat verbannt. Bekanntester Anführer des Widerstandes war der über 70-jährige Bauer Johann Fridolin Hans Albiez aus Buch.

Mit dem Frieden von Preßburg 1805 endete auch im Hotzenwald die österreichische Herrschaft und das Hauensteinerland fiel an das Land Baden. Der Sitz des österreichischen Adelgeschlechts war lange Zeit die Burg Hauenstein. Sie stand bereits Anfang des 11. Jahrhunderts, dort, wo das Rheintal sehr eng ist und wichtige Verkehrswege verliefen. Der letzte Waldvogt verließ 1495 die Hauensteiner Burg. Die Burg blieb weiter bewohnt und brannte durch die "Unvorsichtigkeit des Burggesindes" völlig ab. 1644 setzten die Franzosen das Bauwerk während des 30-jährigen Kriegs wieder instand, danach verfiel das Wahrzeichen endgültig.

Es ist einzigartig, dass sich die Grafschaft Hauenstein mit all ihren Privilegien und Freiheiten in einer zwar eingeschränkten, aber doch einmaligen demokratischen Selbstverwaltung über die Jahrhunderte im österreichischen Staatsverbund behaupten konnte. Es war sicher auch ein frühes Zugeständnis des Landesherren an die freiheitsliebenden Waldbewohner, um sie nicht in die Arme der benachbarten Eidgenossen zu treiben, mit denen sie nicht nur gute Kontakte, sondern vieles andere gemeinsam hatten.

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Hotzenwälderin mit Herz und Verstand

Wir wollten wissen, was Mountainbike-Weltmeisterin und Olympiasiegerin Sabine Spitz für ein Verhältnis zum E-Bike hat.

Was halten Sie vom E-Bike Trend?

Ich bin fit und liebe die sportliche Herausforderung. Einen Trend sollte man ja immer auch etwas kritisch betrachten. Aber das E-Bike ist sicher ein Trend, der viele für den Radsport motiviert und die Einstiegshürde deutlich herabsetzt. Das E-Mountainbike vermittelt ein neues Fahrerlebnis, was sehr viel Spaß machen kann. Schwierig finde ich, wenn man aus Bequemlichkeit dem normalen Rad keine Chance mehr gibt.

Sind Sie schon E-Bike gefahren?

Ja, sogar mal ein Rennen, aber mehr als Show-Einlage. Und im Training ist mein Sparringpartner schon mal mit dem E-Bike gegen mich angetreten.

Was für ein Gefühl hatten Sie dabei?

Es verleiht natürlich eine gewisse Leichtigkeit und man kann problemlos den Berg hinauffahren. Aber wie gesagt, mir fehlt die Herausforderung.

Sie leben hier, was ist das Besondere?

Besonders sind die fast unbegrenzten Möglichkeiten, mit dem Rad oder Mountainbike in einer herrlichen Landschaft unterwegs zu sein – wenn das Wetter mitspielt. (jümü)