Wenn Friedrich Schuler mit dem roten Eimer kommt, ist Halligalli im Taubenschlag. Mit kräftigem Schwung kippt Schuler Vogelfutter auf den Hof und verschwindet augenblicklich in einer Wolke aus Flügelschlagen und dem aufgeregten Gegurre hunderter Vögel. Die Tauben und Hühner kennen den Chef des Haustierhofs Reutemühle und vor allem seinen roten Eimer ganz genau. Rundum stehen staunend Eltern mit ihren Kindern und bewundern die vielen verschiedenen Arten: Tauben mit Locken, mit langen Federn, mit auffälliger Zeichnung. Kein Vergleich zu einer profanen Stadttaube, deren Schicksal es ist, von überdrehten Kindern über einen Marktplatz gescheucht zu werden.

Friedrich Schuler sieht dem Treiben erfreut zu. Er hat mit seiner Familie die Reutemühle von einem Landwirtschaftsbetrieb zu einem Ausflugsziel umgebaut. Etwa 120 000 Besucher jährlich wollen auf dem Bauernhof bei Überlingen Nasenbären und Erdmännchen sehen, Schafe füttern und Ziegen streicheln. Ständig kommen neue Tiere hinzu, aktuell zum Beispiel Steppenfüchse, die Anfang April Junge bekommen haben.

Wer Glück hat, kann die agilen Jungtiere bei den ersten Auskundschaftungen in ihrem Gehege entdecken. Über 200 verschiedene Arten und Rassen tummeln sich auf dem Gelände, darunter seltene Haus- und Nutztierrassen, die in der hocheffizienten Landwirtschaft keinen Zweck mehr erfüllen, weil sie zu wenig Milch geben oder zu wenig Eier legen. Er finde es beängstigend, dass viele Tierarten still und heimlich verschwinden, sagt Schuler. "Man kann doch nicht alles wegtun, was nichts bringt. Die Welt wäre ganz schön kahl."

Tierwelt in der Reutemühle.
Tierwelt in der Reutemühle. | Bild: Anja Arning

Die Reutemühle ist das Gegenteil von kahl. Alpakas lugen aus dem Stall, Ziegen mit kunstvoll verdrehten Hörnern freuen sich über Futter aus kleinen Kinderhänden, Kängurus hüpfen über die Wiese. Eingestreut im großzügigen Gelände sind fantasievolle Spielgeräte, überdimensionierte Schaukeln, Klettergerüste, Balancierstrecken. Alles muss mit Muskelkraft bewegt werden. "Die Eltern schätzen es, dass sie nur den Eintritt zahlen und nicht noch für Fahrgeräte Geld ausgeben müssen", beobachtet der Hausherr. "Außerdem haben sie so ihre Ruhe auch vor den Kindern."

Inzwischen kommen schon junge Eltern, die selbst als Kinder die Reutemühle besucht haben. Fast 25 Jahre gibt es den Haustierhof schon. "Ohne Idealismus und Herzblut geht es nicht", sagt der Chef, der sich besonders darüber freut, dass im vergangenen Jahr allein 2500 Menschen mit Behinderung zu Gast waren. Er hat einen Tipp für alle Besucher: "Augen aufmachen und neue Sachen entdecken."

Der erste Traktor der Reutemühle taugt heute noch als Spielgerät. <em>Bild: Arning</em>
Der erste Traktor der Reutemühle taugt heute noch als Spielgerät. Bild: Arning | Bild: Anja Arning

Eine neue Heimat für bedrohte Arten

  • Der Hof: Die Reutemühle wurde schon um etwa 1280 erbaut. Seit 1994 wird dort keine Landwirtschaft mehr betrieben, sondern seltenen Tierrassen ein Zuhause gegeben. Über 200 verschiedene Arten und Rassen sind auf dem Hof im Überlinger Ortsteil Bambergen zu finden, hauptsächlich Haus- und Nutztiere, aber auch Exoten. Rund 1000 Tiere leben dort, darunter zum Beispiel allein 25 verschiedene Schaf- und Ziegenrassen. Erwachsene zahlen 8,50 Euro Eintritt, Kinder ab 3 Jahren 4,50 Euro. Kinder unter drei haben freien Eintritt.

    Es gibt auch Jahreskarten in diversen Varianten. Ein Futtersäckchen kostet 1,50 Euro. Von Mai bis September finden jeden ersten Sonntag im Monat Volksmusik-Konzerte statt. Informationen im Internet: www.haustierhof-reutemuehle.de
  • Die Besonderheit: Auf dem Haustierhof gibt es weder Fahrgeschäfte noch Automaten, die Münzen schlucken oder elektronisch betrieben werden. Alle Spielgeräte müssen – zum Teil auch in gemeinsamer Anstrengung – mit Muskelkraft in Bewegung gesetzt werden.

  • Bitte beachten: Schon kleine Kinder haben viel Spaß auf dem Hof und mit den Tieren. Für größere sind vor allem die vielen Spielgeräte interessant. Alle Kinder sind in robusten Kleidern, die auch dreckig werden dürfen, gut aufgehoben. Frei laufende Tiere auf dem Hof sollten nicht gejagt werden. Das Gelände ist barrierefrei.

 

Dateiname:Tour 3: Hohenbodman, Überlingen
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Datum:15.05.2017
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