Nicht alles ist eine Demenz: Das ist wieder mein Alzheimer! Wie schnell ist das flapsig hingesagt, wenn man etwas vergessen hat oder den Schlüssel erst suchen muss. Etwas zu vergessen, ist auch für gesunde Menschen nicht ungewöhnlich. Aber wann sollte man hellhörig werden?

Anna Landgrebe, Expertin bei der Gedächtnissprechstunde am Zentrum für Psychiatrie Reichenau, hat zehn Alarmzeichen zusammengestellt. Wichtig dabei: Ein Zeichen allein ist noch kein Hinweis auf die gefürchtete Krankheit. Schwere Depressionen können manchmal ähnliche Symptome aufweisen. Nur Experten (Neurologen, spezialisierte Psychologen) können sicher abgrenzen, ob eine Demenz oder eine Depression vorliegt.
 

1. Zunehmende Vergesslichkeit

Der Mensch vergisst immer häufiger Termine, bereits Besprochenes, Namen und muss Verlegtes suchen. Wenn die Großmutter immer häufiger den Topf auf dem eingeschalteten Herd vergisst, ist Handeln angesagt – denn das kann für alle im Haus gefährlich werden.
 

2. Konzentrationsprobleme

Du hörst mir ja gar nicht zu! Wer diesen Vorwurf seinem Partner oder dem Vater oder der Mutter gegenüber immer häufiger bringt, sollte aufmerken. Hinter diesem Nicht-mehr-Zuhören steckt kein böser Wille des anderen, sondern einfach eine abnehmende Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf eine Sache zu richten.
 

3. Schusseligkeit

Ein häufiges Warnzeichen ist Schusseligkeit. Dinge werden verlegt oder vergessen, man sperrt sich immer wieder aus, weil man vergessen hat, den Haustürschlüssel mitzunehmen. Auch typisch: Dann die anderen zu beschuldigen. „Jemand hat meinen Schmuck gestohlen!“

4. Probleme bei komplizierten Aufgaben

Autofahren ist eine komplizierte Sache. Man muss Lenkrad, Schalthebel und die Pedale bedienen und noch gleichzeitig auf die Situation draußen, auf querende Fußgänger, auf Mütter mit Kinderwagen oder gefährlich überholenden Gegenverkehr achten. Das ist für das Gehirn Schwerstarbeit. Wenn bei diesem Multitasking zunehmend Probleme oder gar Unfälle auftreten, ist auch das ein Hinweis auf eine mögliche Demenz, erklärt Anna Landgrebe.
 

5. Wortfindungsstörungen

Bei Alzheimer im Frühstadium haben viele Patienten Probleme, das richtige Wort zu finden. Sie behelfen sich mit Füllwortern wie „dingsbums“ oder „das da“. Auch häufig: Stattdessen wird ein falsches Wort oder einfalsches Bild benutzt. Medizinischer Hintergrund: Bei Alzheimer ist im Gehirn oft das Sprachzentrum in der Großhinrrinde betroffen.
 

6. Überforderung im Beruf

Bei jüngeren Patienten in ihren Fünfzigern, die noch arbeiten, kann es sein, dass sie mit Neuerungen und Umstrukturierungen nicht mehr zurechtkommen. Sie sagen dann: „Das kriege ich nicht mehr hin.“ Manche machen mehr Fehler oder benötigen immer mehr Zeit für ihre Aufgaben. Oft denke man dabei eher an einen Burn-out oder eine Depression. Es könne aber auch einfach eine ganz normale Überlastung vorliegen, sehr selten auch der Beginn einer frühen Demenz.
 

7. Persönlichkeitsveränderungen

Ein Mensch, der eine Demenz entwickelt, wird oft unruhig oder gereizt. Das ist zum einen durch die Krankheit bedingt, zum anderen bemerkt der Kranke natürlich, dass sich in ihm etwas verändert.
„Manche waren früher ausgeglichen und freundlich und werden dann ganz anders“, sagt Anna Landgrebe.
 

8. Schwindende Aktivität und Rückzug

Die Krankheit ändert auch die Aktivität der Menschen. „Da war ein Mann früher der totale Macher und plötzlich zieht er sich immer mehr zurück.“ Auch wenn sich jemand bei Familienfeiern, die für Ältere anstrengend sein können, immer mehr zurückzieht, kann das ein Alarmsignal sein.

9. Schwindel, Unwohlsein

Demenz kann auch körperliche Symptome auslösen. Da Schwindel aber auch andere Ursachen haben kann, sollten diese durch einen Arzt abgeklärt werden.
 

10. Orientierungsprobleme

Der Kranke hat Probleme mit dem Nachhauseweg, sucht häufig das Auto im Parkhaus oder weiß nicht mehr, wo er ist? Ein deutliches Warnsignal. Manche Kranken wissen auch nicht mehr ob es Tag oder Nacht ist, welches Jahr oder welche Jahreszeit gerade ist.
 

Nicht allein bleiben!
Die Diagnose Demenz oder Alzheimer ist ein Schock für manche Menschen. Umso wichtiger ist, danach nicht alleinzubleiben. Es gibt Beratungsstellen in jedem Landkreis (die Pflegestützpunkte, meist beim Landratsamt; in größeren Städten auch eigene Beratungsstellen, die über Tages- und Wochenpflege zur Entlastung, eine Heimunterbringung sowie Finanzhilfen informieren. Auch Selbsthilfegruppen sind für viele Angehörige eine große Erleichterung.

 
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