Frau Speckmayer, wann ist aus Ihrer Sicht der beste Zeitpunkt für eine Weiterbildung?

Einen einzigen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Lernen wird als lebenslanger Prozess verstanden und auch Weiterbildungsmaßnahmen sind bei Beschäftigten aller Altersgruppen gefragt.

Hat sich dieses Grundverständnis im Laufe der Zeit verändert?

In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr junge Arbeitnehmer direkt im Anschluss an eine Ausbildung für eine Weiterbildung entschieden, beispielsweise zum Fachwirt. Das ist ein neuer Trend. Früher sammelten die Beschäftigten zunächst mehrere Jahre Berufserfahrung. Eine andere Entwicklung ist die, dass viele Teilnehmer deutlich über 40 oder 50 sind und damit in ihr restliches Berufsleben nochmal frischen Wind bringen möchten.

Weiterbildungsangebote gibt es viele, da kann die Entscheidung schwer fallen…

Das stimmt. Hier hilft es nur, sich gut zu informieren. Wir stehen allen Weiterbildungswilligen gerne als Berater zur Verfügung. Entscheidend ist die Frage nach dem Ziel, das der oder die Interessierte erreichen möchte. Dementsprechend lässt sich dann ein guter Weg ermitteln.

Wie könnte so ein Weg aussehen?

In der Regel bilden sich die Arbeitnehmer in dem Umfeld weiter, in dem sie sich befinden. Es gibt die Möglichkeit langfristig angelegter regelmäßiger Einheiten abends oder als Blockunterricht. Bei Tagesseminaren geht es oft um Impulse und Anregungen für die Teilnehmer oder um punktuelle Wissensvermittlung.
Um tiefere Kenntnisse zu erlangen, muss man mehr Zeit investieren. Unsere Weiterbildung für angehende Führungskräfte umfasst beispielsweise fast 100 Stunden. Ein Zertifikatslehrgang, der vor allem auch für Wiedereinsteiger geeignet ist, umfasst je nach Schwerpunkt rund 50-200 Stunden. Die sogenannte Aufstiegsfortbildung zum Fachwirt, Industriemeister oder Betriebswirt dauert in der Regel zwischen 700 und 1.200 Unterrichtsstunden.
Qualifikation Schritt für Schritt: Wie das funktionieren kann, zeigt dieses Schaubild der DIHK.
Qualifikation Schritt für Schritt: Wie das funktionieren kann, zeigt dieses Schaubild der DIHK. | Bild: DIHK

Worauf sollte man bei der Auswahl von Weiterbildungsmaßnahmen achten?

Aus meiner Sicht entscheidend sind qualifizierte Abschlüsse. Die IHK bietet bundeseinheitliche Abschlüsse an, so ist die Qualifizierung zum Fachwirt überall möglich und anerkannt. Unternehmen schätzen dies. Daneben gilt es weitere Kriterien zu beachten: So sind die Dozenten maßgeblich am Erfolg oder Misserfolg einer Weiterbildung beteiligt. Wir setzen hauptsächlich auf Praktiker, vor allem Führungskräfte, die den Teilnehmern auch den beruflichen Alltag nahe bringen und Praxisbeispiele aufzeigen können. Entscheidend ist immer das Zielpublikum.

Wie beurteilen Sie reine Online-Angebote?

Die IHK Hochrhein-Bodensee bildet einen Online-Verbund mit vier anderen Kammern. In diesem Rahmen gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten, die ausschließlich online zu absolvieren sind. Doch diese Angebote sind nicht so begehrt, wie man meinen könnte. Denn um sich online weiterzubilden braucht es sehr viel Disziplin und die Art des Lernens muss dem eigenen Lerntyp entsprechen. Es zeigt sich, dass die Mehrzahl der Berufstätigen Präsenzunterricht bevorzugt. Dabei kommt natürlich die Gruppendynamik hinzu, die oft zusätzlich motivierend wirkt.

Wie spricht man den Wunsch nach Weiterbildung am besten beim Chef an?

Ideal um das Interesse an einer Fortbildung zu formulieren sind Zielvereinbarungs- oder Jahresgespräche, die es in fast jedem Unternehmen gibt. Entweder das Thema wird vom Chef angesprochen, oder der Mitarbeiter schlägt selbst vor, in welchen Bereichen eine weitere Qualifikation nötig wäre.

Was empfehlen Sie Mitarbeitern, deren Chef diesen Wunsch ablehnt?

So einen Fall habe ich noch nie erlebt. Wir leben in einer Wissensgesellschaft und jedes Unternehmen profitiert von der Kompetenz seiner Mitarbeiter. Darüber hinaus steht es jedem Beschäftigten frei, sich abends und am Wochenende weiterzubilden. Das Bildungszeitgesetz sieht außerdem vor, dass jedem Mitarbeiter fünf Tage im Jahr für Fortbildungszwecke zur Verfügung stehen müssen. Dieser so genannte Bildungsurlaub gilt seit Juli 2015 auch in Baden-Württemberg.

Wie beurteilen Sie das Thema Weiterbildung angesichts der aktuellen Arbeitsmarktentwicklungen?

Der Druck gute Mitarbeiter zu bekommen ist hoch und der demographische Wandel, der Abstriche bei den Nachwuchskräften mit sich bringt, ist in den Unternehmen bereits spürbar. Qualifiziertes Personal ist insbesondere in unserer Region mit der unmittelbaren Nähe zur Schweiz schwer zu bekommen. Darum setzen viele Unternehmen auf die Weiterbildung des eigenen Personals, dem dadurch auch Aufstiegschancen geboten werden. Das kann so weit gehen, dass beispielsweise die Kosten komplett oder zu einem großen Teil vom Arbeitgeber übernommen werden.

Wie schätzen Sie die Rolle älterer Arbeitnehmer im Betrieb ein?

Dazu gibt es zahlreiche Untersuchungen, die belegen: Am besten funktionieren Teams, die aus Männern und Frauen unterschiedlicher Altersgruppen bestehen. Jeder bringt unterschiedliche Kompetenzen mit und das trägt zum Erfolg bei.
 

Ratgeber zum Start in die berufliche Weiterbildung

Dateiname:Ratgeber: Job und dann?
Dateigröße:2.59 MBytes.
Datum:19.02.2016
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