Herr Rüb, Sie kümmern sich um Menschen mit Qualifikationsbedarf im Bezirk Lörrach der Arbeitsagentur. Wie wird ein solcher Bedarf ermittelt?

Jeder Kunde erhält eine individuelle Beratung in dessen Rahmen das so genannte Profiling erfolgt, also ein persönliches Profil erstellt wird. Dieses Profiling ist richtungsweisend für die nachfolgenden Schritte. Ein Punkt dabei ist die Qualifikation. Wenn hier die Notwendigkeit besteht, etwas zu verbessern, zeige ich Möglichkeiten auf. In diesem Bereich lässt sich in den meisten Fällen etwas tun.

Welche Voraussetzungen gilt es zu beachten?

Weiterbildung und Qualifikation ist immer eine beidseitige Investition. Dabei ist ein Lebensalter von 50 Jahren oder älter kein Ausschlusskriterium. Jeder der gesund , mobil und motiviert ist, kann sich verbessern. Dafür vergeben wir so genannte Bildungsgutscheine. Die Ausgabe eines Bildungsgutscheins ist aber immer Ergebnis einer individuellen Beratung.

Welche Angebote der Arbeitsagentur gibt es?

Wir initiieren keine eigenen Weiterbildungen, sondern erarbeiten gemeinsam mit dem Kunden in der Beratung einen Qualifizierungsbedarf. Der Bildungsgutschein ist dann gleichbedeutend mit einer Förderzusage in Bezug auf entstehenden Kosten , wie z.B. Kursgebühren, Leistungen zum Lebensunterhalt, Fahrtkosten usw. Den Qualifizierungsanbieter sucht sich der Kunde selbst, Voraussetzung für eine Kostenerstattung ist aber, dass der Träger als Qualitätsmerkmal eine Zertifizierung vorweisen kann.

Wo sind diese Anbieter zu finden?

Wir führen unter www.arbeitsagentur.de die Datenbank „KURSNET“, in der zertifizierte Weiterbildungsangebote zu finden sind. Sollte das lokale Angebot am Hochrhein nicht ausreichen, können auch überregional Bildungsgutscheine ausgestellt werden. Dies gilt nicht für Qualifizierungen in der Schweiz.

Gibt es auch Fördermöglichkeiten für Arbeitnehmer?

Ja, gerade im Bereich ungelernter oder gering qualifizierter Arbeitnehmer setzt die Arbeitsagentur auf Prävention, Denn gar nicht so selten beginnen Berufsleben ohne Ausbildung. Das ist dann natürlich im Falle einer Arbeitslosigkeit umso nachteiliger, denn dem Arbeitnehmer fehlt die „Visitenkarte“, da er keinen Abschluss im ausgeübten Beruf hat.

Was für Angebote gibt es in solchen Fällen?

Das Programm WeGebAU sieht die Weiterbildung von Beschäftigten direkt in den Betrieben mit Fortzahlung des Arbeitsentgelts vor. Zielgruppe sind u.a. ungelernte Arbeitnehmer. Ihnen soll es ermöglicht werden, direkt oder mittelbar einen anerkannten Abschluss zu erwerben. In solchen Fällen wird der Arbeitgeber zum Lehrbetrieb.  Weiter gibt es die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen als Anpassungsqualifizierung, die dazu beitragen, den Beschäftigten für die künftige Weiterbeschäftigung zu qualifizieren. Auch hier kommt wieder der Bildungsgutschein zum Einsatz. Dieses Angebot richtet sich insbesondere an kleinere und mittlere Unternehmen.

Wie viele Qualifikationsmaßnahmen wurden 2015 im Bezirk Lörrach umgesetzt?

Bei gut 700 Kunden konnte im Agenturbezirk Lörrach die berufliche Qualifikation verbessert werden. Darunter waren etwa 150, die ihren Helferstatus verlassen werden oder verlassen haben und zukünftig helfen den Facharbeitermangel zu beheben. Von ihnen durchlaufen elf sogar eine duale Ausbildung mit betrieblichem Ausbildungsvertrag. Die anderen  140 durchlaufen die Ausbildungen bei Bildungsträgern.

Welche Schwerpunkte werden im Jahr 2016 gesetzt?

Die Schwerpunkte, an denen sich Weiterbildungsträger orientieren, definieren wir für jedes Jahr mit der Bildungszielplanung. Hier ist aufgelistet, welche Inhalte aufgrund ihrer erwarteten Nachfrage gefördert werden können, wobei je nach Einzelfall weitere Bildungsziele hinzukommen können. Für 2016 sind  neben den Abschlüssen in kaufmännischen Berufen unter anderem auch Berufsabschlüsse im Bereich Altenpflege und Kindererziehung aufgelistet. Außerdem finden sich hier auch branchenübergreifende Fortbildungsziele.

Welche Qualifikationen kommen Ihrer Erfahrung nach im Lebenslauf gut an?

Hier lässt sich keine allgemeine Aussage treffen. Ganz wichtig in unserer Region ist ein Führerschein. Arbeitgeber sehen das häufig bereits als Qualifikation. Der Führerscheinerwerb kann nicht durch uns finanziert werden, da es sich um keine berufliche Qualifikation handelt. Sprachkenntnisse sind ebenfalls immer gefragt. Aber auch hier muss man abgrenzen: Ein Deutschprachkurs gehört nicht zu den von uns förderbaren Qualifikationen. 

Was raten Sie älteren Arbeitnehmern?

Wer sich in einem Beschäftigungsverhältnis befindet, sollte mit seinem Vorgesetzten das Gespräch über Qualifikationsmaßnahmen suchen. Wir beraten Arbeitnehmer aller Altersgruppen gerne über die verschiedenen Qualifikations- und Fördermöglichkeiten.

 
Weitere Informationen und Merkblätter zu den Angeboten der Agentur für Arbeit unter: www.arbeitsagentur.de
 
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