Umwelt Die Ozonschicht legt wieder zu

Chemikalien bedrohten einst die Hülle der Erde: Verbot von FCKW zeigt langsam Wirkung. Doch die Gefahr ist noch nicht ganz gebannt.

Blick auf die Erde mit ihrer Ozonschicht. Diese schützt uns vor der aggressiven UV-Strahlung der Sonne. Im Hintergrund: der Vollmond.
Blick auf die Erde mit ihrer Ozonschicht. Diese schützt uns vor der aggressiven UV-Strahlung der Sonne. Im Hintergrund: der Vollmond. | Bild: NASA

Kaum ein Tag ohne Debatten über den Klimawandel, den weltweiten Öl-Hunger und die Energiewende. Um das Ozonloch ist es dagegen still geworden. In den 1980ern wurde es erstmals entdeckt, bis in die 90er-Jahre war die Aufregung groß. Offenbar erholt sich die Ozonschicht langsam. Das ist vor allem dem Montrealer Protokoll zu verdanken, das vor genau 25 Jahren beschlossen wurde. Doch Entwarnung gibt es noch lange nicht.

Am 16. September 1987 gelang der Weltgemeinschaft im kanadischen Montreal das, woran sie beim Klimaschutz seit Jahren scheitert: Die Staaten einigten sich auf ein verbindliches Abkommen zum Schutz der Ozonschicht. Sie verpflichteten sich, die Produktion von Ozonfressern wie Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) zunächst einzuschränken und dann endgültig zu stoppen. 197 Länder haben die Vereinbarung seither ratifiziert – und halten sich auch weitgehend daran.

„Das ist ein ganz beeindruckender Erfolg der internationalen Umweltpolitik“, sagt Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Potsdam. Ohne das FCKW-Verbot sähe es heute düster aus. „2050 wäre die Ozonschicht weltweit fast komplett zerstört. Wir hätten dann ein riesiges Problem mit der UV-Strahlung auch in unseren Breiten.“

Messungen weisen darauf hin, dass sich die Ozonschicht seit einiger Zeit allmählich erholt. Noch ist ihr Zustand aber alles andere als gut. „Der Tiefpunkt ist gerade erreicht“, sagt der Physiker Rex. Über der Antarktis klafft im südpolaren Winter regelmäßig ein riesiges Loch. FCKW sind sehr langlebig und zerstören noch Jahrzehnte nach ihrer Freisetzung das Ozon in der Stratosphäre. Erst 2060 bis 2070 wird sich das Loch über der Antarktis wieder langsam schließen.

Auch in den mittleren Breiten ist erst Mitte des Jahrhunderts mit Besserung zu rechnen. In der Arktis trat 2011 erstmals ein Ozonloch auf, das vergleichbar mit dem in der Antarktis war. Es ist auch für uns eine Gefahr: Die arktischen Luftmassen driften hin und her – im Spätwinter und im Frühjahr bis nach Mitteleuropa. An einigen Tagen befindet sich das Loch direkt über unseren Köpfen.

Ungemach droht auch von der dritten Generation der Ersatzstoffe, den Fluorkohlenwasserstoffen (FKW). Diese schonen die Ozonschicht zwar, sind gleichzeitig aber starke Treibhausgase. „Da gibt es überhaupt keine Perspektive für ein Verbot“, sagt Wolfgang Lohbeck, Umweltexperte bei Greenpeace. Seit Jahren streite die internationale Gemeinschaft schon darüber, ob die FKW eher im Montrealer, im Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz oder einem eigenen Abkommen geregelt werden müssten – bislang ohne konkretes Ergebnis.

Der Klimawandel könnte laut Christoph Brühl vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz auch für die Ozonschicht zum Problem werden. Während die Temperaturen auf der Erde steigen, wird die Luft in der Stratosphäre kälter. Das macht die FCKW aggressiver, der Ozonabbau verstärkt sich. In der Arktis war ein außergewöhnlich kalter Winter die Ursache für das riesige Ozonloch 2011. Welche Auswirkung der Treibhauseffekt künftig haben wird, da sind sich die Experten noch nicht sicher. „Da sind noch viel zu viele unbekannte Wechselwirkungen“, sagt Brühl.

Das Ozonloch über der Arktis im Winter 1999/2000. Je dunkler das Blau, desto dünner die Ozonschicht.
Das Ozonloch über der Arktis im Winter 1999/2000. Je dunkler das Blau, desto dünner die Ozonschicht. | Bild: NASA/dpa
Achtung, Sonnenbrand! Ohne Ozonschicht würde die Sonne unsere Haut noch viel stärker verbrennen.
Achtung, Sonnenbrand! Ohne Ozonschicht würde die Sonne unsere Haut noch viel stärker verbrennen. | Bild: dpa

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