19.06.2014  |  von CLAUDIA WAGNER UND PHILIPP ZIEGER

Mann stirbt durch Stromschlag auf Zugdach

Konstanz – Übermut hat einen 21-jährigen Mann am Mittwochmorgen das Leben gekostet. Er war in Konstanz auf das Dach eines Seehas-Zugs geklettert und ihn traf ein Stromschlag aus der Oberleitung. Seine drei Begleiter werden von Seelsorgern betreut.
Bisherigen Ermittlungen der Polizei und Feuerwehr zufolge wollten die vier jungen Menschen nach einer Tour durch Konstanz weiterfeiern. Der 21-Jährige sei am Hauptbahnhof auf die Idee gekommen, auf dem Dach eines Seehas' am Bahngleis 1a ein Bier zu trinken. Der Zug war dort über Nacht abgestellt. Seine Begleiter, zwei Jungen und ein Mädchen im Alter von 17 und 18 Jahren, wollten es dem 21-Jährigen wohl nicht nachmachen. Nachdem der junge Mann den Zug erklommen hatte, traf ihn laut Polizei-Sprecher Fritz Bezikofer aus der Bahnoberleitung ein Stromschlag mit 15 000 Volt. Gegen 2.11 Uhr gingen am Mittwoch die Notrufe bei Feuerwehr und Polizei ein. Die Einsatzkräfte konnten jedoch erst etwas unternehmen, nachdem die Oberleitungen von der Stromversorgung genommen waren und ein Notfallmanager der Bahn die Fahrleitung geerdet hatte, wie die Feuerwehr in einer Pressemitteilung erklärte. Die Notärztin habe aber nur noch den Tod des 21-Jährigen feststellen können. Der junge Mann und seine drei Begleiter waren zum Urlaub an den Bodensee gekommen, erklärt Polizeisprecher Fritz Bezikofer. Sie stammen aus dem Kreis Reutlingen und haben auf einem Campingplatz übernachtet. Die drei Begleiter erhalten nach dem Schock professionelle Hilfe.
Erst kürzlich wurde auf die gleiche Weise ein 27-Jähriger in St. Gallen schwer verletzt. In Hohenems (Vorarlberg) erlag ein 22-Jähriger den schweren Verbrennungen. Von einem Trend, dass Unfälle im Zusammenhang mit der Stromoberleitung zunähmen, könne man nicht sprechen, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn in Stuttgart auf Anfrage. Bundesweit gab es im Jahr 2013 zehn Stromunfälle. An vier dieser Unfälle waren Minderjährige beteiligt. Statistisch sei das nicht viel, dennoch sei man bei der Bahn bemüht, jeden Unfall dieser Art zu verhindern.
Auch eine Sprecherin der SBB GmbH in Konstanz, die die Seehas-Linie betreibt, kann keine Häufung solcher Unfälle durch Stromschläge aus Oberleitungen bestätigen. „Auf den Strecken, die wir betreuen, kommt es höchstens alle vier bis fünf Jahre vor“, versucht die Sprecherin eine Einordnung.
Bettina Stahl, Sprecherin der für Bahnanlagen zuständigen Bundespolizei, hat konkretere Zahlen: In Baden-Württemberg habe es in diesem Jahr bereits zwei Unfälle dieser Art gegeben, das Unglück von Konstanz mitgerechnet. Damit ist im Juni 2014 bereits die Gesamtzahl des vergangenen Jahres erreicht.