06.02.2017

Ein Mondkrater trägt seinen Namen

Furtwangen-Schönenbach – Als Folge der Eingemeindung Schönenbachs im Juli 1971 waren einige vorhandene Straßen mit neuen Namen zu versehen. Hierunter fielen auch die Alte Straße sowie die Straße vom Gasthaus „Krone“ zum Friedhof.

Diese dorfinterne Hauptstraße erhielt im Sommer 1972 den Namen Josef-Zähringer-Straße. Josef Zähringer wurde als Sohn des Mechanikers Johann Zähringer und seiner Frau Maria Friderika, geborene Straub, am 15. März 1929 in Schönenbach geboren. Der lebensfrohe Hütejunge fiel dem Ortsgeistlichen Johannes Sessler bald auf und er brachte ihn ans Gymnasium nach Donaueschingen, wo Zähringer Abitur machte. Von 1949 bis 1954 studierte er in Freiburg und Göttingen Physik, Mathematik, Chemie und Mineralogie.

1955 wurde er Assistent am Physikalischen Institut der Universität Freiburg, wo er schon im folgenden Jahr 1956 promovierte. Nach einem zweijährigen Auslandsaufenthalt am Brookhaven National Laboratory in Upton (Staat New York) in den USA kehrte er 1958 nach Deutschland zurück und wurde Assistent am Max-Planck-Institut für Kernphysik (Abteilung Kosmo­chemie) in Heidelberg. Es folgte 1963 die Habilitation. 1964 wurde Zähringer Mitglied des Instituts und 1965 dessen Direktor. 1967 schließlich wurde er Honorar-Professor.

Der junge Wissenschaftler befasste sich vor allem mit Untersuchungsmethoden zur Feststellung der Häufigkeit bestimmter Edelgase in Meteoriten. Im Jahre 1964 setzte er sich mit dem Einsammeln von kosmischem Staub im Weltall durch Raketenexperimente auseinander. Dies brachte ihm und zwei Amerikanern eine Einladung nach Moskau ein. 1965 erhielt er für seine Forschung einen Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Die Meteoritenforschung führte 1967 zur Berufung Zähringers durch die amerikanische Weltraumbehörde Nasa in ein internationales Team von Wissenschaftlern, die mit der Erstauswertung des Mondgesteins befasst werden sollten. Nach Rückkehr der Apollo-11-Mission im Juli 1969 wurde Zähringer gemeinsam mit seinen 13 Teamkollegen und den Astronauten unter Quarantäne gestellt, als er nach Angaben des Max-Planck-Institutes bei einem Unfall mit dem Mondgestein in Berührung geriet.

Der Max-Planck-Forscher nahm es gelassen und gewann dem Ganzen sogar positive Seiten ab: „Der direkte Kontakt mit den Astronauten war für die Identifizierung der Gesteinsproben sehr vorteilhaft, da sie noch viele Fragen aus dem Gedächtnis beantworten konnten“, schrieb er in einem Beitrag für das Jahrbuch 1970 der Max-Planck-Gesellschaft. Zähringer erlebte die Mondfahrer als „normale, sehr nette und äußerst humorvolle Menschen“. Trotz der dreiwöchigen Isolation hatte die Mannschaft Spaß und vertrieb sich die Zeit beim Pokern. Zähringer wertete auch Mondgestein der folgenden Apollo-12-Mission aus. Im Alter von 41 Jahren starb er am 22. Juli 1970 bei einem Verkehrs­unfall. Ein Mondkrater trägt heute seinen Namen.