„Jeder Hinweis kann helfen, dass mein kleiner Emmi gefunden wird und wieder nach Hause kommen kann.“ Mit diesen verzweifelten Worten bittet Benjamin Biendarra aus der Grafschaft Kent in England den SÜDKURIER um Hilfe.

Emmanuel hat grüne Augen und blonde Halblocken.
Emmanuel hat grüne Augen und blonde Halblocken. | Bild: Benjamin Biendarra

Seine Ex-Partnerin, die Mutter des zweijährigen Emmanuel Jonathan Biendarra, soll den Jungen mit blonden Löckchen und grünen Augen bei einem Besuch in England am 30. November 2019 mitgenommen und nie zurückgebracht haben. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass die beiden sich in der Bodensee-Region aufhalten könnten. „Sie wurden dort gesehen. Die Polizei war immer nah dran, sie zu fassen. Aber bisher hat es leider nicht geklappt“, sagt der Vater des vermissten Kindes dem SÜDKURIER.

Die missglückten Einsätze haben einen Grund. Die Mutter des Zweijährigen soll sich laut dem besorgten Vater mit ihrem Sohn immer nur kurz an einem Ort aufhalten. Sie pendelten von Ferienwohnung zu Ferienwohnung, von Hostel zu Hostel. Ein Katz-und Maus-Spiel.

Mutter und Vater kommen aus der Region

Das Allgäu und der Bodensee seien beliebte Ziele, weil Benjamin Biendarra ursprünglich aus Wangen in der Nähe von Ravensburg stammt. Teile seiner Familie leben immer noch dort. Er wanderte vor zwei Jahren nach England aus – sein großer Traum. Kurze Zeit später wird die daheimgebliebene Ex-Freundin schwanger. Sie und ihre Familie leben laut Vater im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Der zweijährige Emmanuel Jonathan Biendarra wird seit einem Jahr vermisst.
Der zweijährige Emmanuel Jonathan Biendarra wird seit einem Jahr vermisst. | Bild: Benjamin Biendarra

Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass die 34-Jährige und der kleine Emmanuel immer wieder in ihrer alten Heimat auftauchten. Auch in Weiler und Lindenberg im Allgäu, in Scheidegg, Bregenz und den Schweizer Orten Latsch und Sevgein gebe es Spuren.

Die in diesem Fall zuständige Staatsanwaltschaft Kempten bestätigt auf Nachfrage, dass Ermittlungen wegen Kindesentziehung seit knapp einem Jahr laufen. Denn: Die Mutter habe kein Sorgerecht. Dass die Mutter das Kind also auf unbestimmte Zeit zu sich nimmt, sich vor der Polizei versteckt und den Sohn nicht wieder zum Vater zurückbringt, sei laut Staatsanwaltschaft verboten.

Kindeswohlgefährdung für Staatsanwaltschaft nicht ersichtlich

Man sei der Mutter und dem Zweijährigen auf der Spur – bislang jedoch erfolglos. Sogar bei der Familie der Mutter und dem engeren Umfeld habe die Staatsanwaltschaft bereits ermittelt. Aber: „Es gibt keine Hinweise, dass die Verwandten in diesen Fall involviert sind“, sagt der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Sebastian Murer.

Auf öffentliche Fahndung verzichtet

Mutter und Kind werden von der Kriminalpolizei zwar gesucht – eine öffentliche Fahndung sei jedoch nicht ausgeschrieben. „Die Voraussetzungen für diesen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte ist sehr groß. Wir haben uns dagegen entschieden“, so Murer.

Warum? Man habe von einer Fahndung mit Namen und Bildern unter anderem deshalb abgesehen, weil sich die Mutter mit dem Jugendamt in Lindau per Post in Verbindung setzte und dort angab, dass es ihr und dem Sohn gut gehe. Auf mitgeschickten Bildern sei eine „akute Kindeswohlgefährdung“ nicht ersichtlich.

Es gebe auch keine anderen Hinweise, die darauf hindeuten, dass die Mutter ihrem Sohn Gewalt antue, so der Staatsanwalt. Aber: Man prüfe immer wieder aufs Neue, ob es doch gerechtfertigt sein könnte, öffentlich zu fahnden. Wenn es in Zukunft also doch konkrete Hinweise auf Kindeswohlgefährung geben sollte, hätte das möglicherweise Einfluss auf die Bewertung der bislang abgelehnten öffentlichen Fahndung.

Vater glaubt an Kindeswohlgefährdung

Für Vater Benjamin Biendarra gehen die Maßnahmen nicht weit genug. Er glaubt, dass das Wohl seines Sohnes sehr wohl gefährdet ist. Gerade wenn seine ehemalige Lebensgefährtin sich in die Enge gedrängt fühle, sei sie unberechenbar. Die Anspannung ist dem Vater am Telefon deutlich anzumerken.