Vorgaben für die Raumtemperatur in Klassen- und Betreuungsräumen ergeben sich aus der Arbeitsstättenverordnung und aus Vorgaben der gesetzlichen Unfallversicherung. Diese Regeln sehen aktuell eine Temperatur von 20 Grad bei leichten sitzenden Tätigkeiten als ausreichend an – sowohl für Schulen als auch für Kindertageseinrichtungen. Aber wie sieht die Praxis aus?

Robert-Schuman-Realschule in Waldshut-Tiengen

„Wir begrüßen die Maßnahmen, Energie zu sparen, an unserer Schule. Der Klimaschutz und ein sparsamer Umgang mit Ressourcen war uns aber bereits vor der Krise wichtig“, erklärt Lisa Bosch, Schulleiterin. Trotz der Empfehlung heize die Schule die Klassenzimmer nicht auf 20 Grad: „Wir versuchen mit 18 bis 19 Grad auszukommen. Weil wir aber die Heizkörper in jedem Raum individuell hoch- oder herunterschrauben können, ist es für die Kontrolle wichtig, dass jeder Lehrer und wir aus der Schulleitung ein Auge darauf haben.“

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Bisher sei das aber ohnehin kein Problem gewesen, da die Heizung seit den Sommerferien kaum gelaufen sei – zu mild waren die Temperaturen im September und Oktober. „Nach den Herbstferien sieht das sicherlich anders aus. Dann werden auch wieder mehr Schüler mit Mützen oder Jacken im Unterricht sitzen“, weiß Bosch. „Vorsorglich haben wir auf jeden Fall einen Vorrat an Sitzkissen besorgt. Falls die Stühle jemandem zu kalt sein sollten, kann er sich dann gerne eins nehmen. Außerdem ist es kein Problem, eine alte Strickjacke im Klassenzimmer hängen zu lassen.“

„Wir begrüßen die Maßnahmen, Energie zu sparen, an unserer Schule. Der Klimaschutz und ein sparsamer Umgang mit Ressourcen war uns ...
„Wir begrüßen die Maßnahmen, Energie zu sparen, an unserer Schule. Der Klimaschutz und ein sparsamer Umgang mit Ressourcen war uns aber bereits vor der Krise wichtig.“ Lisa Bosch, Schulleiterin der Robert-Schuman-Realschule in Waldshut-Tiengen | Bild: Robert-Schuman-Realschule Waldshut

Schon im vergangenen Jahr habe die Schule angefangen, die Schüler in Sachen Energie und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Das Ziel: Über den Schulalltag hinaus auf den eigenen Energieverbrauch zu achten. Nach den Herbstferien soll das Thema noch einmal intensiviert werden. Dem Winter sieht Schulleiterin Lisa Bosch entspannt entgegen: „Das ganze Thema braucht zwar viel Kommunikation, aber es geht um die Zukunft der folgenden Generationen. Da gehen die Eltern gerne mit. Und die Frustrationstoleranz wurde durch die Pandemie ja schon getestet.“

Constantin-Vanotti-Schule in Überlingen

Schulleiter Thomas Gundelsweiler weiß, dass einige Maßnahmen auch an seiner Schule schon mehrere Jahre Thema sind: „Der Letzte macht am Nachmittag die Lichter aus, Computer und Beamer bleiben nicht im Standby – als Beispiel. Das machen unsere Lehrkräfte eigentlich schon immer so und da legen wir auch Wert darauf.“

Anders als in der Robert-Schuman- Realschule können die Lehrer der Constantin-Vanotti-Schule die Heizkörper nicht selbst steuern. „Das macht der Hausmeister zentral und setzt so gleichzeitig die Vorgaben vom Landkreis um“, sagt Gundelsweiler. Schon früh habe die Schule an Elternabenden über die Themen Corona und Energie aufgeklärt: „Für die allermeisten waren aber kaum neue Infos dabei. Die Menschen informieren sich ja auch außerhalb der Schule über aktuelle Themen.“

„Eines aber ist sicher: Die Qualität des Unterrichts darf nicht leiden.“ Thomas Gundelsweiler, Schulleiter der ...
„Eines aber ist sicher: Die Qualität des Unterrichts darf nicht leiden.“ Thomas Gundelsweiler, Schulleiter der Constantin-Vanotti-Schule in Überlingen

Die Constantin-Vanotti-Schule starte morgens mit 17 Grad in den Innenräumen, Gänge seien nicht beheizt und warmes Wasser habe es noch nie gegeben. „Gerade kleine Räume werden mit großen Klassen ohnehin schnell wärmer“, erklärt Gundelsweiler die Entscheidung. „Lediglich in der Sporthalle gibt es für die Duschen Warmwasser. Aber ansonsten ist es dort schweinekalt“, sagt der Schulleiter. Er sei froh darüber, dass der Herbst bisher mild verlief. Auch wenn Thomas Gundelsweiler noch etwas Angst vor den Wintertemperaturen hat, „eines aber ist sicher: Die Qualität des Unterrichts darf nicht leiden.“

Konstanzer Schulen

Bereits im September hat der SÜDKURIER die Konstanzer Schulen nach Plänen zum Energiersparen befragt. Frank Raddatz, geschäftsführender Schulleiter aller Schulen außer Gymnasien und Schulleiter der Theodor-Heuss-Realschule, hat schon damals berichtet: „Wir haben bereits im März 2022 nach Beratung in der Konferenz die Raumtemperaturen absenken lassen – wir wollten nicht Mit-Finanzierer von Kriegshandlungen in der Ukraine sein.“ Aber wie sehen das die Schüler?

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Suela Hoxhaj, Vorstandsvorsitzende des Konstanzer Schülerparlaments, hat sich bei ihren Freunden umgehört: „Ich habe in unserer Schülerparlaments-Sitzung die Vertreter der Schulen gefragt, wie es bei ihnen so aussieht.“ Die Essenz: Auch wenn eine niedrigere Raumtemperatur für den ein oder anderen etwas unangenehm ist, unter den aktuellen Umständen ist es für die meisten dann doch verständlich. Es seien auch kleine Projekte erarbeitet worden, um den Schülern zu veranschaulichen, wie wichtig die Maßnahmen aktuell seien.

„Vereinzelt ist Schülern bisher aber keine Energiesparmaßnahme aufgefallen. Sie berichten sogar, dass ihnen die aktuelle Lage sehr wohl bewusst ist, sie durch die Schule aber keine Informationen bekommen.“
Suela Hoxhaj, Vorstandsvorsitzende des Konstanzer Schülerparlaments

Das sei aber eher die Ausnahme. Oft seien die Schüler und Eltern auf verschiedenste Arten wie etwa Emails, Elternbriefen oder direkt durch die Lehrer darüber informiert worden, dass Energiesparmaßnahmen ach den Schulbereich treffen werden. „An meiner Schule, dem Ellenrieder-Gymnasium, habe ich schon gemerkt, dass ab und zu die Heizungen doch nicht mehr auf so warm gestellt sind wie davor. Infolgedessen saßen auch schon ab und zu Schüler an kälteren Tagen mit Jacken im Unterricht da.“

St. Ursula-Schulen in Villingen-Schwenningen

Noch im Umbruch befindet sich die freien katholischen St. Ursula-Schulen in Villingen-Schwenningen. Schulleiter Johannes Kaiser erklärt: „Unser Schulträger, die Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg, ist gerade mit der Geschäftsführung dabei, in allen Schulen Einsparmöglichkeiten im Energiebereich auszuloten.“ Dabei gehe es vor allem um das Heizen der Räume, die Warmwasseraufbereitung und den Stromverbrauch.

„Zum Glück haben wir bereits in den vergangenen Jahren im Bereich Energieverbrauch viel getan. Beispielsweise haben wir mittlerweile einen hydraulischen Abgleich aller Räume“, ist Kaiser froh. Auch der Einsatz von Bewegungsmeldern bei der Beleuchtung habe sich bezahlt gemacht. Ziel sei es, im Auftrag des Erzbischofs, bis 2030 klimaneutral zu werden.