Die Alten- und Pflegeheime gelten als Brennpunkte in der Corona-Pandemie, vor allem die Bewohner gehören wegen möglicher schwerer Krankheitsverläufe zu den mit am stärksten gefährdeten Personengruppen in der Gesellschaft. Und hier ist es zudem komplex, Corona-Ausbrüche unter Kontrolle zu bekommen. Doch wie stellt sich die aktuelle Lage im Südwesten dar?

Fast 18.000 Fälle in Pflegeheimen

Nach Angaben des Landesgesundheitsamts (LGA) gab es in baden-württembergischen Alten- und Pflegeheimen bislang 765 (Stand 28. Januar) Corona-Ausbrüche in Heimen. Es kam zu 17.640 festgestellten Infektionen von Beschäftigten sowie betreuten Personen – und 2468 Menschen starben an den Folgen einer Infektion.

Eine Unterscheidung bei den Infektionen zwischen Bewohnern und Beschäftigten sei bei der Aufbereitung der Statistik nicht möglich, heißt es im LGA. Um die Zahlen in Relation zu setzen: Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg 1912 stationäre Alten- und Pflegeeinrichtungen.

Keine weiteren Vorkehrungen

Obwohl diese Einrichtungen gerade mit dem Hintergrund der neuen Corona-Mutanten aus Großbritannien oder Südafrika besonders geschützt werden müssen, lehnt Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) weitere Vorkehrungen aktuell ab.

Man habe zuletzt die Schutzmaßnahmen in den Alten- und Pflegeeinrichtungen verstärkt, sodass Besuche und sozialer Kontakt möglich bleiben würden, erklärt der Grünen-Politiker. „Besuchsverbote wie zu Beginn der Pandemie soll es nicht mehr geben. Das ist auch der explizite Wunsch der Einrichtungen. Klar ist aber auch: Jede und jeder ist aufgefordert durch sein verantwortungsbewusstes Handeln den Virus nicht in die Heime zu tragen“, sagt Lucha.

Testpflicht für Besucher und Personal

In den vergangenen Wochen wurden die Corona-Maßnahmen in den Alten- und Pflegeheimen verschärft. Die Einrichtungen müssen Besuchern und externen Personen Schnelltests anbieten. Zudem müssen sich die Beschäftigten jetzt drei anstatt wie bislang zwei Mal pro Woche auf das Virus testen lassen.

Für SPD-Sozialexperte Rainer Hinderer hat Lucha viel zu lange gebraucht, um die Erweiterung der Schnelltests umzusetzen. „Hier hat der Sozialminister mehrere Wochen nichts getan – und dadurch viel Zeit verloren“, so Hinderer.

Mehrheit der Heime weiterhin ohne Impfungen

Und wie weit sind die Heime beim Impfen? Nach Angaben einer Sprecherin des Stuttgarter Sozialministeriums wurden von den 94.047 Bewohnern in stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg inzwischen knapp 39 Prozent erstmals geimpft – bis zum 27. Januar 2021 sind es exakt 36.499 Personen gewesen.

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Zudem hätten rund 7000 Bewohner bereits eine Zweitimpfung bekommen, erklärt die Sprecherin weiter, also etwas mehr als jeder fünfzehnte Heimbewoher. Erst zehn bis 14 Tage nach der zweiten Impfung ist man in der Regel immun.

Eine Impfung in einem Pflegeheim in Leingarten. Insgesamt gibt es aber noch deutlich zu wenige Immunisierungen in Heimen.
Eine Impfung in einem Pflegeheim in Leingarten. Insgesamt gibt es aber noch deutlich zu wenige Immunisierungen in Heimen. | Bild: Steffan Raffai/dpa

Diese Zahl sei aber immer noch viel zu niedrig, findet Lucha. „In Baden-Württemberg sind zurzeit rund eine Million Menschen berechtigt, geimpft zu werden. Aber nur 7000 Menschen können wir täglich mit der Erstimpfung versorgen, mehr Impfstoff haben wir nicht. Das ist nicht befriedigend“, so Lucha.

Lucha tut es „im Herzen weh“

Es tue einem „im Herzen weh, die große Impfbereitschaft und das große Engagement der Bevölkerung nicht besser zufriedenstellen zu können“, erklärt der Grünen-Minister.

Laut Hinderer liegt Baden-Württemberg bei der Impfquote in den Alten- und Pflegeheimen im bundesweiten Vergleich im unteren Tabellendrittel. Auch hier sieht der SPD-Politiker große Defizite bei Lucha: „Aus unserer Sicht ist die Strategie des Ministers falsch. Ihm fehlt bei den Heimen eine Priorisierung bei den Impfungen.“