Weil Unklarheit darüber besteht, wie viele Menschen in Baden-Württemberg tatsächlich schon geimpft sind und wie viele sich gar nicht erst impfen lassen wollen, will Baden-Württemberg künftig selbst Daten dazu erheben. Der Amtschef des Sozialministeriums, Uwe Lahl, kündigte gegenüber dem SÜDKURIER an, das Land werde bereits in der kommenden Woche damit beginnen.

„Wir haben eine schwierige Lage bei unseren Corona-Maßnahmen, wenn wir die Impfquote nicht genau wissen. Wir beobachten seit einiger Zeit eine Diskrepanz zwischen den Daten, die wir über das Reporting aus Berlin bekommen – also die RKI-Zahlen – einerseits, und den Daten aus der anderen Erkenntnisquelle, den repräsentativen Umfragen, die auf Bundesebene durchgeführt werden“, sagte Lahl.

Wo endet die Impfbereitschaft?

Die Abweichung zwischen diesen Quellen liege etwa bei einer Größenordnung von zehn Prozent bei den Erstimpfungen. „Diese zehn Prozent sind zunehmend von großer Bedeutung, weil wir ja gerade auf die Zielgeraden einschwenken, was Impfungen und Impfbarkeit anbelangt“, sagte Lahl. „Im Bereich von 40 Prozent spielten ein paar Prozent auch keine Rolle, aber jetzt wird das zunehmend wichtiger. Wir müssen ermitteln, wo in Baden-Württemberg die Impfbereitschaft endet. Das ist die zentrale Frage – endet sie bei fünf Prozent, bei zehn Prozent oder gar darüber? Es macht ja keinen Sinn, wenn wir diese Leute nach dem Motto ansprechen: Lasst euch impfen, wenn die Impfbereitschaft nur bei 90 Prozent liegt. Dann sind 90 Prozent eben unsere Zielzahl“, so Lahl.

Bild: Cuko, Katy

Laut RKI-Impfmonitoring liegt die Impfquote in Baden-Württemberg (Stand 17.August) bei 61,3 Prozent der Bevölkerung, die mindestens einmal geimpft sind, und bei 57,8 Prozent, die bereits vollständig geimpft sind. Bei einer Abweichung von zehn Prozent könnte die tatsächliche Quote der Erstimpfungen aber schon deutlich höher liegen.

Im Sozialministerium und im Landesgesundheitsamt erklärt man sich die Abweichungen mit einem möglichen zeitlichen Verzug bei der Meldung der Impfungen an das RKI. Während an den Impfzentren in der Regel die Daten noch am Tag der Impfung oder spätestens am Folgetag an das RKI übermittelt werden, habe sich speziell bei den Impfungen durch Betriebsärzte gezeigt, dass es Probleme gebe, so Gottfried Roller, Leiter des Landesgesundheitsamtes. „Von den für Impfungen registrierten Betriebsärzten hat bisher nur etwa die Hälfte überhaupt Impfungen gemeldet“, so Roller. Denkbar seien auch Übermittlungsverzögerungen bei Impfungen durch niedergelassene Ärzte.

Daten gehen an das RKI

Eine zentrale Erfassung der Impfungen im Land durch eine Stelle gibt es nicht, da nicht nur an den Impfzentren, in den Praxen und Betrieben, durch mobile Impfteams und zunehmend auch bei niederschwelligen Impfangeboten geimpft wird. Sie alle müssen die Daten über Impfungen und geimpfte Personen erfassen und an das RKI weiterleiten, das wiederum die Meldungen erfasst und im Impfmonitoring gegliedert nach Bundesländern, Altersgruppen sowie Erst- und Zweitimpfungen veröffentlicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Impfquote ist als Basis für weitere Entscheidungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ein wichtiges Kriterium, wie Lahl und Roller erläutern. Unterdessen zeigt sich, dass die am Montag mit der neuen Corona-Verordnung eingeführte 3G-Regel mit Erleichterungen für Geimpfte, Genesene und Getestete offenbar die Impfbereitschaft im Land deutlich erhöht. Statt durchschnittlich 5000 Erstimpfungen in den vergangenen Wochen seien am Montag 8000 Erstimpfungen registriert worden. Nach wie vor gebe es aber bei den Impfquoten in Baden-Württemberg große regionale Unterschiede von zehn Prozent im Mittel. Lahl: „Das hat etwas mit dem Bildungsstand und der sozioökonomischem Lebenssituation zu tun.“