Schätzungen zufolge leben in Deutschland mehr als eine Million Menschen afrikanischer Abstammung. Genaue Daten gibt es nicht. „Zum Glück gibt es keine Erfassung von Menschen mit schwarzer Hautfarbe„, sagt eine Sprecherin des Verbands TANG (“The African Network of Germany„) mit Sitz in Freiburg. Wie viele Menschen schwarzer Hautfarbe in Baden-Württemberg leben, sei daher nicht klar. Viele Schwarze seien ohnehin Deutsche, deren afrikanische Wurzeln auf Großeltern oder Eltern zurückgehen.

Das Netzwerk fordert deshalb „die baden-württembergische Landesregierung auf, ein Forschungsprojekt ins Leben zu rufen, damit wir Zahlen, Daten und Fakten über den Rassismus im Südwesten erhalten.“ Dafür brauche es auch „einen Dialog mit der Polizei, damit wir Lösungen finden für die häufig problematische und konfliktreiche Beziehung zwischen der Polizei und der afrikanischen Gemeinschaft.“

Innenministerium sieht keine Probleme bei der Polizeiarbeit

Auf Nachfrage sagt ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart, dass dem Landesministerium „bislang keine Problemstellung zu dieser Thematik“ bekannt geworden sei: „Hautfarbe, Abstammung oder die Herkunft sind für polizeiliche Maßnahmen grundsätzlich nicht von Bedeutung.“

Und: „In Baden-Württemberg werden keine bestimmten Personengruppen vor dem Hintergrund ‚rassistischer Personenprofilierung‘ besonders kontrolliert. Sogenanntes „racial profiling“ sei zudem rechtswidrig – unvereinbar mit Artikel 3 des Grundgesetzes, in dem unter anderem heißt, dass niemand benachteiligt werden darf wegen seiner Herkunft.

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Schon in der polizeilichen Ausbildung werde besonderer Wert auf die Verhältnismäßigkeit der polizeilichen Maßnahmen gelegt, bei situativen Trainings werden angehende Polizisten sensibilisiert, dass „polizeiliche Maßnahmen nicht von der Nationalität oder der ethnischen Herkunft abhängig gemacht werde dürfen“, ergänzt der Sprecher des Ministeriums.

Die Polizei in Baden-Württemberg zählt derzeit 366 Beamte mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Seit 2009 werde eine freiwillige Statistik zu Migrationshintergrund erhoben. Der Anteil von Migranten bei der Polizei sei demnach von 17 auf 27 Prozent im Jahr 2018 gestiegen. Ziel sei es, die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft auch in der Polizei widerzuspiegeln.

Netzwerk spricht von wöchentlichen Vorfällen im Südwesten

„Schwarze Menschen sind als sichtbare Minderheit besonders gefährdet, Rassismus ausgesetzt zu sein. Sie erleben Racial Profiling, sie haben Schwierigkeiten bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, werden in den Schulen benachteiligt und von der Politik ignoriert“, beschreibt Sylvie Nantcha, Initiatorin und Bundesvorsitzende von TANG den alltäglichen Rassismuserfahrungen in Deutschland.

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Das Netzwerk erhalte wöchentlich Berichte über Rassismus im Alltag, bei der Arbeit oder bei der Wohnungssuche. Rassismus ist auch in Baden-Württemberg präsent. Das zeigt auch unsere Aktion #beiunsauch in den Sozialen Medien, in denen rassistische Vorfälle geschildert werden“, ergänzt Nantcha auf Anfrage.

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