Der Südwesten ist nach Polizeiangaben von größeren Unwetterschäden verschont geblieben. In einigen Regionen habe es in der Nacht zwar stärker geregnet, größere Schäden blieben jedoch aus, wie Polizeisprecher am Mittwochmorgen mitteilten.

Am Dienstag hatten heftige Regenfälle für umgestürzte Bäume und überflutete Straßen gesorgt. In Mannheim und Umgebung mussten beispielsweise mehrere Straßen gesperrt werden.

Am Dienstagabend wurde zudem die Schifffahrt auf dem Rhein bei Karlsruhe gesperrt, wie die Wasserschutzpolizei mitteilte. Nach Angaben der Hochwasservorhersagezentrale haben die Wasserstände am Pegel Karlsruhe/Maxau den kritischen Wert von 7,50 Metern überschritten.

In der Nacht und am frühen Morgen habe es dagegen keine erwähnenswerten Einsätze mehr gegeben.

Vollgelaufene Keller und ein Vermisster

In anderen Teilen Deutschlands hatte der Starkregen in der Nacht dagegen zu Unfällen und zahlreichen Feuerwehreinsätzen geführt. Im sächsischen Erzgebirgskreis wurde ein Mann von einem Fluss mitgerissen. Die Feuerwehr habe die Suchaktion in der Nacht vorerst abgebrochen, teilte die Polizei mit. Der Mann hatte am Dienstagabend in Jöhstadt versucht, sein Grundstück gegen den über die Ufer getretenen Fluss zu sichern. Nähere Informationen lagen zunächst nicht vor.

Wasser fließt in Hagen in Nordrhein-Westfalen eine Straße hinunter.
Wasser fließt in Hagen in Nordrhein-Westfalen eine Straße hinunter. | Bild: Alex Talash

Am späten Dienstagabend war im Landkreis Hof in Bayern wegen der Unwetter mit starken Regenfällen der Katastrophenfall ausgerufen worden. Mehr als 50 Feuerwehren mit knapp 1000 Leuten sowie 140 Angehörige des Technischen Hilfswerks (THW) waren im Dauereinsatz, um Wasser aus Kellern zu pumpen und Sandsäcke zu beschaffen.

Auch in Nordrhein-Westfalen musste die Feuerwehr zahlreiche Keller auspumpen. Außerdem seien aufgrund der überspülten Straßen stellenweise Fahrzeuge ins Rutschen gekommen. Verletzte Personen waren nicht bekannt.

Blick in die überflutete Morper Allee in Erkrath, Nordrhein-Westfalen.
Blick in die überflutete Morper Allee in Erkrath, Nordrhein-Westfalen. | Bild: David Young, dpa

Höchste Alarmstufe am Vierwaldstättersee in der Schweiz

In der Zentralschweiz herrscht höchste Alarmstufe am Vierwaldstättersee: Nach den starken Regenfällen und den Unwettern der vergangenen Tage droht der See über die Ufer zu treten. Das Bundesamt für Umwelt verhängte am Dienstagabend die höchste Gefahrenstufe 5. Die Schifffahrt wurde dort eingestellt. An mehreren anderen Seen ist die Lage ähnlich angespannt. Auch auf dem Rhein bei Basel wurde die Schifffahrt eingestellt.

„Wir müssen auf der Alpennordseite bis Freitag mit größeren Niederschlagsmengen rechnen“, sagte Hydrologe David Folken vom Bundesamt für Umwelt im Schweizer Rundfunk.

Auf den Campingplätzen an Gewässern sei die Lage teils recht dramatisch, sagte der Präsident des Verbandes Schweizerischer Campings, Marcel Zysset. Wegen der Wetterlage legten Betreiber Gästen, die keine zu lange Anfahrt hatten, nahe, abzureisen und womöglich zum Wochenende zurückzukommen. Gästen, deren Urlaub am kommenden Wochenende zuende gehen würde, empfehle man, vorzeitig abzureisen.

Wasserstände könnten deutlich steigen

Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) rechnen bis Samstag mit teils kräftigem Dauerregen. Erhöhte Vorsicht sei vor allem im Süden des Landes geboten. Bis Freitag könnten die Wasserstände zudem deutlich steigen, teilte die Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg mit.

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Vor allem an Bächen und Flüssen könnte es in den kommenden Tagen kritisch werden, wie der DWD warnt. Von Mittwochnachmittag an erwarten die Experten ergiebigen Dauerregen. Verursacht wird das unbeständige Wetter von Tiefausläufern, die feuchte Luft nach Baden-Württemberg bringen.

„Tiefdruckgebiete in Verbindung mit warmer und sehr feuchter Luft – das bedeutet im Sommer oft nichts Gutes“, erläutert DWD-Meteorologe Felix Dietzsch. „Eine solche Wetterlage führt in der Regel zu anhaltenden und kräftigen Niederschlägen, die früher oder später das eine oder andere Fass zum Überlaufen bringen.“

„Unwetterartige Mengen“

Bis in den Donnerstag hinein ist demnach im Südwesten mit hohen Niederschlagsmengen zu rechnen, so Dietzsch. „Dort fallen verbreitet unwetterartige Mengen von über 60 Liter pro Quadratmeter. Stellenweise und eng begrenzt könnten sogar bis knapp 200 Liter innerhalb von 48 Stunden herunterkommen.“

Ein Schild mit dem Ortsnamen von St. Goar in Rheinland-Pfalz ist vom Rheinhochwasser umspült.
Ein Schild mit dem Ortsnamen von St. Goar in Rheinland-Pfalz ist vom Rheinhochwasser umspült. | Bild: Thomas Frey, dpa

Das spiegelt sich auch in den Pegelständen der Gewässer in der Region wider. Bis zum Freitag können die Wasserstände weiter deutlich steigen, teilte die Hochwasservorhersage Baden-Württemberg am Dienstag mit. Mit den heftigsten Anstiegen wird demnach in der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag gerechnet.

Die Pegelstände an Hoch- und Oberrhein waren bereits am Dienstag auf hohem Niveau. Bis Samstag erwartetet die Hochwasservorhersagezentrale dort und am Bodensee einen markanten Anstieg des Wasserstandes. Nach Einschätzung der Hochwasserexperten ist erst Ende der Woche wieder mit einem Absinken der Pegelstände zu rechnen. Bewohnern in den betreffenden Gebieten vor allem am Hochrhein und an anderen Flüssen wird daher geraten, sich auf Überflutungen einzustellen.

Langsame Besserung

Allzu große Hoffnung auf schnelle Besserung macht Meteorologe Felix Dietzsch jedoch nicht: „Kräftiger Regen und Gewitter werden uns wohl noch bis mindestens Freitag begleiten.“

Die Feuerwehr ist in Wümbach in Thüringen im Einsatz, nachdem die Ortsdurchfahrt nach Starkregen überschwemmt ist und gesperrt werden musste.
Die Feuerwehr ist in Wümbach in Thüringen im Einsatz, nachdem die Ortsdurchfahrt nach Starkregen überschwemmt ist und gesperrt werden musste. | Bild: Martin Wichmann, dpa

Erst im Laufe des Wochenendes zeichne sich von Nordwesten her eine zunehmende Wetterberuhigung ab. Dann werde es verbreitet freundlich bei angenehmen Sommertemperaturen um 25 bis 28 Grad. Bis dahin müssen viele Menschen in der Region noch ein wenig bangen und auf einen glimpflichen Wetterverlauf hoffen.

Gut für die Wälder

Der anhaltende Regen der vergangenen und der kommenden Tage kommt den Bäumen überaus gelegen. „Der Wald kann im Moment jeden Tropfen Regenwasser gebrauchen“, sagt Forstkammer-Geschäftsführer Jerg Hilt. „Wir sind heilfroh, dass wir nicht das vierte Trockenjahr in Folge haben.“ Laut jüngstem Waldzustandsbericht des baden-württembergischen Agrarministeriums gelten 46 Prozent der Waldfläche als deutlich geschädigt. Die Schäden sind demnach auf die Folgen von Hitze und Dürre zurückzuführen.