Corona verbreitet ja schon genug miese Stimmung. Wenn dann noch hartnäckiger Nebel den Alltag am Bodensee bestimmt, fällt es vielen Menschen schwer, positiv durch den Tag zu kommen. Dieses Jahr scheint es der Nebel ganz besonders auf uns abgesehen zu haben. Stimmt das?

Jürgen Schmidt sagt: Ja. „Dieses Jahr haben wir im Oktober und November deutlich weniger Sonnenstunden am Bodensee als sonst.“ Der Diplom-Meteorologe hat dafür die Daten der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Friedrichshafen ausgewertet.

Das Ergebnis in Zahlen: Im langjährigen Mittel kommt man im Oktober am See normalerweise auf 106 Sonnenstunden. Dieses Jahr waren es nur 92, also 14 weniger. Im November ist es sogar noch extremer. Hier kommt man im Durchschnitt insgesamt auf 58 Sonnenstunden. Bis Mitte des Monats sind es aber nur 14 gewesen.

Viel Hochdruck, wenig Wind

Warum der Nebel dieses Jahr besonders hartnäckig ist? Es kommen einige Wetterphänomene zusammen. Jürgen Schmidt fasst für es den Laien kurz zusammen: „Wir hatten in der letzten Zeit viele Hochdruckgebiete hintereinander und dabei auch noch schwachen Wind. Das hat die Nebelbildung begünstigt.“

Denn: Zu Beginn eines Hochs sind die Nächte noch klar. Dann strahlt die Bodenwärme ab, steigt bei wolkenlosem Himmel im Herbst und Winter auf, weil warme Luft leichter ist als kalte Luft. Die kalte Luft sinkt ab, am Boden wird es kühler. Experten nennen es bodennahe Kaltluftschicht.

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Das hat Auswirkungen auf die relative Luftfeuchtigkeit. Denn kalte Luft sinkt nicht nur ab, sondern speichert auch die vorhandene Feuchtigkeit schlechter als warme Luft. Je kälter der Boden und je größer das sogenannte Wassereservoir, desto mehr Nebel bildet sich.

Müsste dann nicht in der Arktis Dauernebel herrschen? Wenn bodennahe Kaltluft das einzige Kriterium wäre, ja. Doch auch die in der Corona-Pandemie berüchtigt gewordenen Aerosole spielen laut Jürgen Schmidt eine wichtige Rolle beim Nebel. Sie transportieren nämlich winzige Partikel durch die Luft, also etwa Ruß, Blütenpollen, Staub. Das alles ist am Bodensee deutlich mehr vorhanden als an Nord- und Südpol. Das begünstigt Nebel.

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„Normalerweise löst sich der Nebel am Bodensee trotzdem regelmäßig wieder auf. Dieses Jahr hatten wir aber verhältnismäßig wenig Wind“, sagt Schmidt. Der sei wichtig, um die Schwaden in Unruhe zu bringen, Sonne durchzulassen, und den Boden zu erwärmen. Der Meteorologe gibt dennoch Hoffnung. In den kommenden Wochen kämen deutlich mehr Tiefdruckgebiete auf uns zu. Dann hat sogar der hartnäckigste Nebel keine Chance mehr.

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