Viel Hoffnung hatten die Eltern in die Ankündigung von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) gesetzt, dass Kitas ab 18. Mai wieder mit dem eingeschränkten Regelbetrieb beginnen. Aber die Teilöffnung lässt auf sich warten. Es gibt vor Ort viele Probleme.

  1. Wie soll die schrittweise Öffnung der Kindergärten laufen? Eisenmann hatte Anfang Mai angekündigt, dass die Kitas ab dem 18. Mai die bisherige Notbetreuung in Richtung eines reduzierten Regelbetriebs schrittweise auf bis zu 50 Prozent der Kinder ausweiten dürfen. „So können Abstandsgebote mit halben Gruppengrößen gewahrt, die Eltern weiter entlastet und den Kindern ein Stück weit Normalität zurückgegeben werden“, sagte die Ministerin. Doch dann ließ die Rechtsverordnung bis zwei Tage vor dem angekündigten Termin auf sich warten. Kaum ein Kindergarten konnte die Vorgaben über das Wochenende umsetzen.
  2. Warum dauert die Umsetzung so lange? Jeder Kindergarten muss erst einmal bei den Eltern den Bedarf abklären. Werden mehr Kinder angemeldet, als betreut werden können, legt die Gemeinde vor Ort fest, wer wieder in die Kita darf, wer nicht. Im Konfliktfall haben die Rathäuser den Schwarzen Peter. Denn manche Einrichtungen sind schon durch die Notbetreuung für Kinder von Alleinerziehenden oder Eltern in systemrelevanten Berufen fast ausgelastet. Das Land schreibt vor, dass Kinder mit besonderem Förderbedarf zuerst berücksichtigt werden müssen. Die Gemeinden können dann in Absprache mit den Trägern Kriterien festlegen, etwa die bevorzugte Aufnahme von Vorschulkindern oder Kindern aus Familien in beengten Wohnverhältnissen. Zudem müssen die Träger abklären, wer von ihren Mitarbeitern zu Risikogruppen gehört und deshalb für die Betreuung nicht zur Verfügung steht.
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  4. Was sind die praktischen Probleme? Das Land schreibt vor, dass die Gruppen getrennt bleiben müssen, um die Infektionsrisiken möglichst klein zu halten. Das bringt natürlich Probleme beim Spielen im Außenbereich. Andererseits gilt der Aufenthalt im Freien als weniger riskant. Die baulichen Voraussetzungen machen es den Kita-Leitungen oft schwer, den Mindestabstand von 1,5 Meter überall sicherzustellen. Klare Vorgabe des Landes ist der Vorrang für die Gruppen der Notfallbetreuung. Die Öffnung ist nach dem Leitfaden des Städtetags tage- oder stundenweise möglich. Die Gruppen müssen eventuell neu zusammengestellt werden.
  5. Was sagen die Eltern zu dem Konzept der Politik? „Es ist relativ ruhig bei uns“, berichtet Lachat aus den Städten im Südwesten. Das kann damit zu tun haben, dass bisher vielerorts noch der Bedarf erfasst wird und noch keine Absagen verschickt wurden. Beim Gemeindetag kommt schon mehr Frust an. „Wir haben unheimlich viele Rückmeldungen, dass das nicht funktionieren kann“, sagt eine Sprecherin. Tatsächlich wächst bei den Eltern der Ärger. Die Kita-Gesamtelternbeiräte aus mehreren Städten fordern „eine klare Perspektive mit nachvollziehbaren Kriterien und Zeitplänen für eine Normalisierung der Kinderbetreuung und die Wiederherstellung des Rechtsanspruchs auf Bildung und Betreuung“. In der gemeinsamen Erklärung heißt es: „Eltern fehlt jede Perspektive und Planbarkeit.“ Die Kinder würden durch die Schließung um Monate zurückgeworfen. Bei Eisenmann ist der Frust angekommen. Sie bekomme teils freundliche Zuschriften, manche seien auch im unverschämten Tonfall.
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  7. Warum werden die Kindergärten nicht komplett geöffnet? Diese Forderung haben vier medizinische Fachverbände erhoben. Die Experten haben Studien aus verschiedenen Ländern ausgewertet und folgern, Kinder seien nicht die treibende Kraft der Pandemie. Ihre Empfehlung widerspricht aber den Befunden des Virologen Christian Drosten, der bei der Viruskonzentration zwischen Kindern und Erwachsenen kaum Unterschiede feststellen konnte. Die grün-schwarze Regierung erhofft sich mehr Klarheit von einer Studie mit 2000 Kindern, die gerade an den Unikliniken im Südwesten läuft. Sie soll das Fundament für die weitere Öffnung werden, lässt aber schon seit einigen Wochen auf sich warten.

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