Es ist ein Freitag, Anfang September, 2015. Der damalige österreichische Bundeskanzler Werner Faymann gibt bekannt, dass Österreich „aufgrund der heutigen Notlage an der ungarischen Grenze“ die aus Ungarn kommenden Flüchtlinge einreisen und nach Deutschland weiterreisen lassen wird. Der Höhepunkt der Flüchtlingskrise scheint erreicht, die sich seit dem Frühjahr 2014 an Europas Außengrenzen immer weiter zuspitzte.

Mehr als eine Million Menschen stellen 2015 und 2016 einen Asylantrag in Deutschland. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, ist innerhalb kürzester Zeit überfordert. Anträge können teils erst nach einem halben Jahr gestellt werden, die Bearbeitungszeit nahmen Monate in Anspruch, teils sogar anderthalb Jahre. Wie sieht es heute aus, fünf Jahre später?

Deutlich mehr Flüchtlinge in Privatunterkünften

Eine aktuelle Studie des besagten Bundesamtes, erschienen Ende Juli, zeichnet ein deutlich positiveres Bild. Aus der Erhebung geht hervor, dass bereits 2016 mehr als die Hälfte der Flüchtlinge (54 Prozent) in privaten Unterkünften lebten, also nicht mehr in den Erstunterkünften und Gemeinschaftsunterkünften.

2018 sind es bereits 75 Prozent der Flüchtlinge, die privat untergebracht sind. Für die Studie wurden Geflüchtete befragt, die zwischen 2016 und 2018 nach Deutschland kamen, ungeachtet ihres derzeitigen Aufenthaltsstatus. Die meisten Flüchtlinge, die in privaten Unterkünften leben, haben jedoch einen Schutzstatus.

So sieht es im SÜDKURIER-Gebiet aus

Wie aber sieht diese Statistik für die Region aus? Das Landesamt für Statistik hat keine Daten dazu, wie viele Flüchtlinge heute in den einzelnen Gemeinden leben, noch, ob sie privat untergebracht sind. In den Daten „wird nämlich nur danach differenziert, ob es sich um deutsche oder ausländische Staatsbürger handelt, nicht aber danach, welchen Status sie haben“, erklärt Werner Brachat-Schwarz vom Statistischen Landesamt.

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Um die Zahl der Schutzsuchenden in den einzelnen Kreisen dennoch erfassen zu können, hat das Statistische Bundesamt ein Konzept entwickelt. Daraus ergibt sich ein folgendes Bild:

In den Landkreisen Schwarzwald-Baar, Waldshut, Sigmaringen, Bodenseekreis und Konstanz lebten die meisten Flüchtlinge Ende 2019 mit 5965 im Kreis Konstanz – die wenigsten im Kreis Sigmaringen mit 2115 Schutzsuchenden. Im Kreis Waldshut waren es Ende vergangenes Jahr 2885 Schutzsuchende, im Bodenseekreis 4195.

Umgerechnet auf die Bevölkerung (allerdings basierend auf dem Zensus von 2011) belaufen sich die Anteile von Schutzsuchenden in den Kreisen auf 2,1 Prozent im Kreis Konstanz, 1,9 Prozent im Bodenseekreis, 1,7 Prozent im Kreis Waldshut, 1,6 Prozent im Kreis Sigmaringen und 1,5 Prozent im Schwarzwald-Baar-Kreis.

In allen Kreisen bis auf Sigmaringen lag der Anteil anerkannter Schutzsuchender unter den Flüchtlingen bei über 70 Prozent. Im Kreis Sigmaringen lag er dagegen lediglich bei 41,4 Prozent. „Der deutlich geringere Anteil Sigmaringens ist dabei nicht auf einen deutlich höheren Anteil abgelehnter Schutzsuchender zurückzuführen, sondern darauf, dass über relativ viele Anträge noch nicht entschieden wurde“, stellt der Sprecher des Landesamts klar.

Der SÜDKURIER hat auch die Landkreise selbst befragt.

Bild: Müller, Cornelia
Bild: Müller, Cornelia

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