Am Freitag um 10 Uhr hat der Vierwaldstättersee in Luzern die kritische Marke von 434,90 Metern über dem Meer erreicht. Ab diesem Zeitpunkt wird der Schwanenplatz – zentrale Anlaufstelle für Touristen – überschwemmt. Kurz darauf wurde die Stadtzufahrt überschwemmt, Wasser musste aus einem Tunnel gepumpt werden. Mehrere Fußgängerbrücken über die Reuss ließ die Stadt zuvor sperren.

Hinweis: Dieser Artikel beruht auf Informationen bis Freitag, 16. Juli, 13 Uhr. Je nach Gewässer erwarten Schweizer Meteorologen übers Wochenende weiter leicht steigende Stände, danach soll sich die Situation entschärfen.

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Nach dem Vierwaldstätter- gilt mittlerweile auch für den Thuner- und Bielersee die höchste Gefahrenstufe 5 (= sehr große Gefahr) des Bundesamts für Umwelt. Die Einstufung erfolgt bei Hochwasser-Ereignissen, die höchstens alle 100 Jahre vorkommen. Sie gilt seit Freitagmittag um 12 Uhr zudem für die Aare bei Bern.

Der Berner Stadtteil „Schwellenmätteli“ war am 15. Juli vom Hochwasser bedroht. Die Aare hat am Tag darauf die höchste Gefahrenstufe 5 erreicht. Die Feuerwehr baute Hochwassersperren auf.
Der Berner Stadtteil „Schwellenmätteli“ war am 15. Juli vom Hochwasser bedroht. Die Aare hat am Tag darauf die höchste Gefahrenstufe 5 erreicht. Die Feuerwehr baute Hochwassersperren auf. | Bild: Marcel Bieri

Wie sieht die Gefahrenlage der Schweiz vor dem Wochenende aus?

Für zahlreiche weitere Gewässer herrscht inzwischen Gefahrenstufe 4 (= große Gefahr). Ab diesem Zeitpunkt wird die Bevölkerung aufgerufen, sich von Fließgewässern fernzuhalten, Gebäude, Keller und Autos zu sichern. Betroffen sind der Zürichsee, der Hochrhein, die Reuss und der Brienzersee zwischen Emmental und Berner Alpen.

Etwas ruhiger sieht es – ähnlich wie in Deutschland – auf Schweizer Bodensee-Seite aus. Für den Obersee wurde am Freitagvormittag bei Romanshorn ein Wasserstand von 396,94 Meter über Meer gemessen. Seit Mittwoch ist der Pegel damit um 20 Zentimeter gestiegen. Nach dem Jahrhunderthochwasser 1999 überschritt der Bodensee diese Höhe dreimal. Die Behörden bezeichnen die Lage als angespannt, aber nicht dramatisch.

Dennoch gilt für den Bodensee aktuell Gefahrenstufe 3 (= erhebliche Gefahr). Sie gilt auch für die großen Schweizer Seen der Westschweiz, den Genfer- und Neuenburgersee. Ebenso für kleinere Seen wie den Murtensee im Jura.

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Situation in und um Zürich

Derzeit ist die Lage an den Ufern der Limmat zwar angespannt, aber unter Kontrolle. Der öffentliche Schiffsverkehr wurde teilweise bis zum Ende des Wochenendes eingestellt. Die Kantonspolizei hat private Bootsbesitzer außerdem dazu aufgerufen, auf Ausfahrten zu verzichten, um Wellenschlag zu vermeiden.

Am Ufer der Limmat in Zürich weist ein Schild am 14. Juli auf das wegen der Unwetter ausgesprochene Badeverbot hin.
Am Ufer der Limmat in Zürich weist ein Schild am 14. Juli auf das wegen der Unwetter ausgesprochene Badeverbot hin. | Bild: Ennio Leanza

Beim Hochwasser 2005 drohte der Zürcher Innenstadt samt Hauptbahnhof die Überflutung. Im Kanton wird seither der Hochwasserschutz vorangetrieben. Ziel: Den Abfluss aus dem Zürichsee besser kontrollieren. Am 14. Juli flossen zeitweise 248 Kubikmeter pro Sekunde ab, 2015 waren es sogar bis 280 Kubikmeter. Der jährliche Durchschnittswert liegt bei vier Kubikmetern pro Sekunde.

Situation im Kanton Schaffhausen

Vor allem die Region Klettgau war stark von den heftigen Regenfällen betroffen. Die Kantonspolizei berichtete allein für Donnerstag von 60 Unwettermeldungen aus dem gesamten Kanton Schaffhausen. In mehreren kleinen Gemeinden traten Bäche über das Ufer. Besonders heftig erwischte es die Dörfer Beggingen und Schleitheim, wo allein 120 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen seien. Dutzende Keller und Garagen seien beschädigt worden, Verletzte gab es nicht zu beklagen.

Der Rheinfall, immerhin einer der größten europäischen Wasserfälle, sorgt laut Auskunft der Stadt Schaffhausen für keine Gefahr, trotz derzeit beträchtlicher Wassermassen.

Der Rhein hat nach starken Regenfällen in den letzten Tagen bereits am 14. Juli bei der Mittleren-Brücke bei der Basel-Rheinhalle einen Pegelstand von 865 Zentimetern erreicht. Die meisten Zugänge zum Wasser sind durch die Polizei gesperrt worden und viele Anlegestellen stehen bereits unter Wasser.
Der Rhein hat nach starken Regenfällen in den letzten Tagen bereits am 14. Juli bei der Mittleren-Brücke bei der Basel-Rheinhalle einen Pegelstand von 865 Zentimetern erreicht. Die meisten Zugänge zum Wasser sind durch die Polizei gesperrt worden und viele Anlegestellen stehen bereits unter Wasser. | Bild: Patrick Straub

Situation in und um Basel

Anders als die regelmäßig von Hochwasser gefährdeten Städte Bern, Thun und Zürich, ist Basel weniger gefährdet. Trotz der derzeitigen Wassermassen geht man dort nicht von Überschwemmungen durch den Rhein aus. Allerdings sorgte ein Hangrutsch für eine Unterspülung am Rheinufer, was zeitweise zu Verkehrsbehinderungen geführt hat. Der Zivilschutz hatte bereits seit Donnerstag weiter vorgesorgt und Lager für Wassersperren oder Sandsäcke angelegt.

Die Berner Feuerwehr errichtete am 15. Juli Hochwassersperren in den Quartieren Marzili, Altenberg und Matte.
Die Berner Feuerwehr errichtete am 15. Juli Hochwassersperren in den Quartieren Marzili, Altenberg und Matte. | Bild: Marcel Bieri

Situation in Bern

Die Aare hat am Freitag zur Mittagszeit die Häuser im Stadtteil Altenberg erreicht. Der Abfluss stieg auf 561 Kubikmeter pro Sekunde, was zur Ausrufung der höchsten Gefahrenstufe 5 führte. Dennoch ist die Lage noch nicht so dramatisch wie bei den beiden Jahrhundert-Hochwassern der Stadt 1999 und 2005. Damals betrug der Abfluss bis zu 613 beziehungsweise 605 Kubikmeter je Sekunde. Wegen Hochwassergefahr baute die Berner Feuerwehr entsprechende Sperren neben dem Bezirk Altenberg auch in den Stadtteilen Marzili und Matte auf.