Nach der Niederlage bei der Bundestagswahl am 26. September ordnet sich die baden-württembergische CDU-Landesgruppe im Bundestag neu. Wie aus Berlin verlautete, soll der 48-jährige Abgeordnete Thorsten Frei, der bis 2013 Oberbürgermeister in Donaueschingen war und dann an Stelle von Siegfried Kauder in den Bundestag wechselte, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag werden. Der bisherige Fraktionsvize löst seinen niedersächsischen Parteikollegen Michael Grosse-Brömer ab, der den Schlüsselposten seit Mai 2012 innehatte.

Thorsten Frei soll Parlamentarischer Geschäftsführer werden.
Thorsten Frei soll Parlamentarischer Geschäftsführer werden. | Bild: Tobias Koch, CDU

Frei ist seit 2013 Mitglied des Bundestages und war bisher Innenexperte der Fraktion. Für den Fall einer Regierungsbeteiligung der Union hatte der Jurist parteiintern als Anwärter auf einen Ministerposten gegolten. Im Parlament vertritt er den Wahlkreis Schwarzwald-Baar. Darüber hinaus ist der 48-Jährige stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landesgruppe Baden-Württemberg im Deutschen Bundestag und Vorsitzender der Deutsch-Schweizerischen Parlamentariergruppe.

Einst hatte Hans-Peter Repnik die Rolle inne

Frei stammt aus Bad Säckingen, wo er bis 2004 im Gemeinderat saß. Als Parlamentarischer Geschäftsführer ist er unter anderem dafür zuständig, die Fraktion zu managen: Er bereitet Fraktionssitzungen und Parlamentsdebatten vor und koordiniert die Tätigkeit von Abgeordneten. Der frühere Abgeordnete im Wahlkreis Konstanz, Hans-Peter Repnik, hatte diese Tätigkeit von 1998 bis 2002 ausgeübt.

Die CDU-Abgeordneten Andreas Jung und Steffen Bilger. Beide einigten sich, auf eine neue Postenverteilung, um eine Kampfabstimmung zu vermeiden.
Die CDU-Abgeordneten Andreas Jung und Steffen Bilger. Beide einigten sich, auf eine neue Postenverteilung, um eine Kampfabstimmung zu vermeiden. | Bild: Michael Kappeler/dpa

Zugleich einigte sich die Südwest-CDU auf einen überraschenden Personalkompromiss: Während der Konstanzer Bundestagsabgeordnete Andreas Jung (46) als Bundesvize kandidieren soll, übernimmt Steffen Bilger (42) dessen Amt als Vize-Fraktionschef im Bundestag, hieß es aus Parteikreisen. Ursprünglich wollten beide mögliche Nachfolger von Thomas Strobl als stellvertretender Bundesvorsitzender werden. Der bisherige Verkehrsstaatssekretär Bilger ist im Gegensatz zu Jung auch Bezirksvorsitzender, und zwar in Nordwürttemberg. Um eine Kampfabstimmung zu vermeiden, wurde der Kompromiss vereinbart.

Die Lösung in der Südwest-CDU überrascht, weil selbst in der CDU-Bundestagsfraktion davon ausgegangen wurde, dass Jung künftig als Fraktionsvize für Klima und Wirtschaft im Bundestag zum Gegenspieler von Robert Habeck (Grüne) werden würde, der das neustrukturierte Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz führen soll.

Allerdings wolle sich Jung, der auch Chef der baden-württembergische Landesgruppe im Bundestag ist, als klimaschutzpolitischer Sprecher der Unionsfraktion weiter um das Thema kümmern, hieß es. Jung sitzt seit 2005 im Bundestag. Als Klimaexperte war er Mitglied im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unionskanzlerkandidat Armin Laschet.