Der Emmentaler Käse ist nicht einfach irgendein Milchprodukt: Weit über die Schweiz hinaus ist der vollfette Hartkäse mit den typischen Löchern bekannt. Und in seinem Ursprungsland kommt dem nach der Region Emmental im Kanton Bern benannten Käse ein ähnlicher Nationalsymbol-Status zu wie Fondue, Schokolade, Heidi oder den Bergen.

Zwei Schweizer Exportschlager vereint: Die auch in Deutschland bekannte Moderatorin Michelle Hunziker war über viele Jahre hinweg Markenbotschafterin des Emmentaler Käses (Unser Bild stammt aus dem Jahr 2015).
Zwei Schweizer Exportschlager vereint: Die auch in Deutschland bekannte Moderatorin Michelle Hunziker war über viele Jahre hinweg Markenbotschafterin des Emmentaler Käses (Unser Bild stammt aus dem Jahr 2015). | Bild: Henning Kaiser/dpa

Dass also nicht einfach irgendein Käse als Emmentaler bezeichnet werden darf, versteht sich von selbst. Ein Käsermeister aus dem Linthgebiet im Kanton St. Gallen soll es dennoch gewagt haben, über Jahre billigen Hartkäse als Emmentaler zu deklarieren und ihn als „Emmental Svizzero“ nach Italien zu exportieren. Das berichten mehrere Schweizer Medien übereinstimmend.

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Schaden von mehreren Millionen Franken

Der Mann soll zwischen 2008 und 2012 mehrere tausend Tonnen seines Fake-Emmentalers verkauft haben. Dadurch seien der Branchenorganisation „Emmentaler Switzerland„ Abgaben in Höhe von mehreren Millionen Franken entgangen. Dieser Etikettenschwindel könnte den Käser nun nicht nur teuer zu stehen kommen, sondern ihn auch für ein paar Jahre hinter Gitter bringen.

Denn die Bezeichnung „Emmentaler„ ist geschützt. Seine Produktion ist an strikte Vorgaben gebunden. So darf der Käse nur aus frischer Rohmilch, ohne Zusatzstoffe hergestellt werden. Die verarbeitete Milch darf nicht älter als 24 Stunden sein. Nach der Herstellung muss der Käse mindestens vier Monate in einem Keller gelagert und gepflegt werden.

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Staatsanwaltschaft wirft dem Käser gewerbsmäßigen Betrug vor

An diese Auflagen soll sich der beschuldigte Käser nicht gehalten haben. Er stand bereits 2017 vor einem Kreisgericht, das ihn damals wegen Betrugs, Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsführung, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt hatte, die er zur Hälfte absitzen sollte. Dagegen hatte der Käsermeiser Berufung eingelegt.

Jetzt wird der Fall vor dem St. Galler Kantonsgericht verhandelt. Für die Staatsanwaltschaft liegt der Fall klar: Der Beschuldigte habe gegen das Markenrecht und das Landwirtschaftsgesetz der Schweiz verstoßen und sich des gewerbsmäßigen Betrugs schuldig gemacht. Sein als Emmentaler bezeichneter Hartkäse habe einen Lebensmittelzusatzstoff enthalten, der nicht erlaubt sei, und er sei zu wenig lange gereift.

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Mehr als sechs Jahre Haft und Zahlung von 3,2 Millionen Franken drohen

Neben dem Etikettenschwindel wird dem bereits mehrfach vorbestraften Käser ein schwer durchschaubares Geflecht aus Darlehen, Schuldübernahmen, Pfandbriefen und Investitionen vorgeworfen, von dem er finanziell profitiert habe. Gleichzeitig soll er dadurch den Konkurs einer Auffanggesellschaft für seine frühere, überschuldete Einzelfirma provoziert haben.

Die Staatsanwaltschaft fordert jetzt für den Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und fünf Monaten, eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen à 80 Franken sowie eine Buße. Zudem müsse er dem Staat 3,2 Millionen Franken illegalen Gewinns zahlen. Das geht weit über das angefochtene Strafmaß des Kreisgerichts hinaus.

Beschuldigter streitet alle Vorwürfe ab

Der beschuldigte Käser hingegen fordert weiterhin einen Freispruch. Er weise alle Vorwürfe zurück und habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Allerdings sei er kein Buchhalter, sondern habe sich auf Helfer und Berater verlassen, zitieren ihn mehrere Schweizer Medien. Ein Urteil des St. Galler Kantonsgerichts steht noch aus.

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