Der Schweizer Bundesrat weiß um die Gefahr der Corona-Mutationen. Gleichzeitig der Druck auf die Politiker ist groß, viele Branchenverbände fordern Öffnungen. Nun stellt die Schweizer Regierung ab 1. März erste Erleichterungen in Aussicht. Definitiv entschieden ist aber noch nichts und einige Branchen bleiben ohne Öffnungsperspektive.

Gesundheitsminister Alain Berset schlägt stattdessen einen Stufenplan vor – abhängig von den Infektionszahlen. „Wenn wir jetzt zu schnell lockern, riskieren wir die Erfolge, die wir bis jetzt erzielt haben“, sagt auch Bundespräsident Guy Parmelin ohne Umschweife.

„Wir werden erst aus dieser Krise kommen, wenn der Großteil der Bevölkerung geimpft ist“, macht er deutlich. „Viele werden von den Entscheidungen enttäuscht sein, die wir heute getroffen haben“, schickt er voraus.

Alain Berset, Bundesrat und Gesundheitsminister der Schweiz, spricht bei einer Pressekonferenz über die Maßnahmen während der Corona-Pandemie.
Alain Berset, Bundesrat und Gesundheitsminister der Schweiz, spricht bei einer Pressekonferenz über die Maßnahmen während der Corona-Pandemie. | Bild: Peter Schneider/Keystone/dpa

Trotzdem will der Bundesrat Perspektiven schaffen. Geöffnet werden soll demnach dort, wo Masken durchgehend getragen werden können und Abstand halten möglich ist. Rückhalt will die Regierung sich aber bei den Kantonen schaffen, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird.

„Die Situation ist sehr fragil“, warnt Gesundheitsminister Alain Berset. Die Abstands- und Hygieneregeln müssten deshalb unbedingt eingehalten werden. Er verweist auf die Mutation und will einen „Jojoeffekt“ vermeiden, dass also nach den Öffnungen die Zahlen wieder nach oben schnellen.

Ab 1. März soll vieles wieder erlaubt sein

Schon unter den bisherigen Einschränkungen durften Frisöre weiter offen bleiben. Der Entwurf des Bundesrats sieht nun aber einige zusätzliche Lockerungen vor.

Demnach dürften botanische Garten, Museen, Lesesäle von Bibliotheken und Archiven mit Schutzvorkehrungen wie Maskenpflicht, Abstand und maximal zulässigen Besucherzahlen ab 1. März wieder öffnen.

Auch der Einzelhandel könnte demnach ab Anfang März wieder komplett öffnen und alles verkaufen dürfen. Bislang gilt eine Einschränkung auf Waren des täglichen Bedarfs. Steuern will der Bundesrat stattdessen die Maximalzahlen an Kunden im Laden.

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Auch Sport und Freizeitanlagen könnten dann wieder öffnen, also etwa Tennisplätze und Eisbahnen. Sport in Gruppen von bis zu fünf Teilnehmern soll dann ebenfalls möglich sein, solange dafür kein Körperkontakt nötig ist.

Freizeiteinrichtungen wie Kinos müssten noch geschlossen bleiben. Dagegen dürften Jugendliche unter 18 Jahren den meisten Freizeitaktivitäten wieder nachgehen, etwa Musikproben oder Sporttrainings.

Die bisherige Beschränkung im öffentlichen Raum von maximal fünf Personen bei Treffen an der frischen Luft soll sogar deutlich gelockert werden. Ab März sollen dann bis zu 15 Personen draußen zusammenkommen dürfen.

Definitiv entschieden werden soll über die Lockerungen in der kommenden Woche, wenn sich der Bundesrat mit den Kantonen besprochen hat.

Cafés und Restaurants bleiben zu

Dagegen bleibt Restaurants und Bars die ersehnte Öffnungsperspektive verwehrt. Sie müssen weiter geschlossen bleiben, weil „eben gerade dort keine Masken getragen werden“, erklärt Gesundheitsminister Alain Berset.

Stühle lehnen stehen an Tische gelehnt in einem Restaurant im Flughafen Zürich. Restaurants und Bars bleiben landesweit wegen der Corona-Pandemie auch im März noch geschlossen.
Stühle lehnen stehen an Tische gelehnt in einem Restaurant im Flughafen Zürich. Restaurants und Bars bleiben landesweit wegen der Corona-Pandemie auch im März noch geschlossen. | Bild: Ennio Leanza/Keystone/dpa

Berset machte auch deutlich, dass die teilweisen Öffnungen von Terrassen in Skigebieten illegal sei. Das Risiko sei gerade beim Essen und Trinken, wenn man nun einmal keine Maske trägt, einfach zu groß.

Der Stufenplan werde nun mit den Kantonen besprochen – über die nun vorgeschlagene Etappe wird der Bundesrat dann am 24. Februar endgültig entscheiden. „Wir haben uns dazu entschieden, sehr vorsichtig vorzugehen“, betonte Berset.

Weitere Öffnungen nicht vor April

Voraussichtlich am 24. März werde man darüber entscheiden, ob man ab April weitere Öffnungen zulassen könne. Entscheidend sei dafür aber die Entwicklung der Infektionszahlen. Weitere Öffnungen seien „kein Automatismus“, stellte der Gesundheitsminister klar.

„Wir sind seit fast einem Jahr in einer Situation, in der wir jeden Tag abwägen müssen.“ Die Lage habe sich verbessert, es gebe nun wieder Perspektiven. Auch deshalb will die Schweiz nun behutsamer vorgehen – im Monatsrhythmus. „Wir haben vom vergangenen Jahr gelernt, da haben wir Lockerungen beschlossen, praktisch im Blindflug“, sagt Berset.