Anja Mosbrucker aus Radolfzell:

Unser Sohn geht in die 9 Klasse und müsste dieses Jahr seinen Abschluss machen. Die erste Woche war eine Herausforderung. Es gab 12 Fächer zu bearbeiten. Den Stoff schleifen lassen, war keine Option, denn am Ende einer Woche wurden die Ergebnisse den jeweiligen Lehrern zugemailt. Bei manchen Fächern – wie Mathe – war ich die Lehrerin, denn es standen neue Themen auf dem Lehrplan. Und ich glaube, ich bin nicht die einzige, die die Geduld verlor. Meinen Respekt an den Lehrerberuf.

Zum Glück gibt es für fast jedes Thema den „Lehrer Schmidt“ auf Youtube und zur Kontrolle auch die Lösungen zu den Arbeitsblättern. Aber da gab es die Frage: Bringe ich es ihm richtig bei? Was ich positiv anmerken muss, ist, dass jeder Lehrer der Jahrgangsstufe per Mail bei Fragen erreichbar war sowie Verbesserungsvorschläge zu den eingereichten Aufgaben zurückgab. Ich bin froh, dass ich noch ein Restwissen aus meiner Schulzeit habe, zumal ich noch eine 6. Klässlerin habe, bei der ich es auffrischen konnte. Die restlichen zwei Wochen bis zu den Ferien musste ich nur noch bei den Fächern mit neuen Themen dabei sitzen, denn beide Kids konnten nun ihre Zeit, die sie zum Bearbeiten des Restes brauchten, selber einschätzen.

Und wirklich jeder in unserer Familie ist froh, dass jetzt Ferienzeit ist.

Joachim Böhm aus Rielasingen-Worblingen:

Joachim Böhm aus Rielasingen-Worblingen hat eine Karikatur zum Thema „Schule zu Hause“ gezeichnet.
Joachim Böhm aus Rielasingen-Worblingen hat eine Karikatur zum Thema „Schule zu Hause“ gezeichnet. | Bild: Joachim Böhm

Patrizia Vollmer-Freda aus Stühlingen:

Wir sind die Familie Vollmer und haben drei Kinder im Alter von 18,12 und 7 Jahren. Wir gehören zu den Familien, in denen Homeworking nicht möglich ist oder nur in sehr begrenztem Maß. Das hat Auswirkungen auf unsere Lernsituation zu Hause. Mein Mann ist Unternehmer und ich bin Therapeutin in einer Jugendhilfeeinrichtung. Wir müssen beide in gewohntem oder auch erhöhten Maße weiterarbeiten, was unseren Kindern eine große Selbstständigkeit und auch Geschwistersolidarität abverlangt.

Dario (12 Jahre) und Luisa (7 Jahre) bei der täglichen Schularbeit.
Dario (12 Jahre) und Luisa (7 Jahre) bei der täglichen Schularbeit. | Bild: Patrizia Vollmer-Freda

Ende der ersten Woche wurde klar: Ganz alleine geht es nicht, und es braucht eine vorgegebene Struktur von außen. Während die Jüngste (1. Klasse) auf einen detaillierten, durchstrukturierten Lernplan in

Papierform zurückgreifen kann, gestaltete sich dies bei dem 12-Jährigen, der seine Lernpläne über Moodle erhält, nicht so einfach. Wenn Moodle funktionierte und nicht gerade aufgrund der Belastung zusammenbrach, mussten die Aufgaben ausgedruckt oder online bearbeitet werden. Lose Blätter, übersehene Onlineaufgaben und das eine oder andere Durcheinander waren die Folge. Aber man lernt als Eltern immer dazu.

Das könnte Sie auch interessieren

Wir brauchten einen Masterplan: 1. Jedes Fach hat nun seinen eigenen Ordner, in dem ausgedruckte Arbeitsblätter und Wochenpläne gesammelt werden. Das hilft uns allen und vor allem unserem Sohn, nicht den Überblick zu verlieren. 2. Wenn der Lehrer keine Tagesstruktur für die Aufgaben vorgibt, was wird am Montag, Dienstag, etc. erledigt, dann müssen wir das mit unseren Kindern tun. 3. Der Abend wird genutzt, um mit den Kindern die anstehenden Aufgaben für den kommenden Tag kurz durchzusprechen und kleinere Fehler zu verbessern oder Unklarheiten auszuräumen. 4. Es gibt feste Zeiten, in denen die Aufgaben erledigt werden. Bei uns ist das ca. 9 bis 11.30 Uhr. Alles Weitere wird am Abend besprochen. 5. Keine Panik bei den Eltern und Kindern, wenn was schiefgeht oder vergessen wird!

Das könnte Sie auch interessieren

Seit über einer Woche mein Mantra (mit mehr oder weniger Erfolg): Mutter, bleib ruhig! Du hast alles im Griff! Zusammen schaffen wir das! Wer weiß, für was das alles noch hilft! Ordentlichere Hefte, schönere Schrift, weil kein Zeitdruck, ein Turbo-Booster für das selbstständige Lernen, und der Traum aller Eltern: die Großen helfen den Kleinen. 6. Loben, loben, loben! Unsere Kinder und auch uns Eltern, weil wir trotz Höhen und Tiefen bis jetzt noch nicht kapituliert haben.

So hangeln wir uns durch die Wochen. Von außen klingt es in unserem Haus zuweilen wie aus einem militärischen Trainingslager und andere Male wie aus einer Partyhöhle mit lauter Musik und Radau. Und manchmal ist es auch ganz still, weil wir alle versuchen zu verstehen und zu begreifen, was da um uns herum gerade passiert.

Reiner Ruft aus Rieslingen:

Mit am schwersten bei der Bewältigung von Hausaufgaben haben es die Flüchtlingskinder, deren Deutsch zwar meist besser als das ihrer Eltern ist, die sich aber trotzdem mit deutschen Schulbuchtexten ungemein schwertun. Wer kann ihnen helfen? Die Eltern und Verwandten gewiss nicht. Sind die Kontakte zu den muttersprachlich deutschen Klassenkameraden so gut, dass die WhatsApp-Nachrichten oder E-Mails nur so hin- und herfliegen? Eher nicht. Ich selbst (73 Jahre, pensionierter Lehrer) helfe etwa einem halben Dutzend solcher Schüler (die meisten von ihnen aus Syrien) mit Hilfe von WhatsApp oder Nachrichten mit abfotografierten Aufgabenstellungen oder Screenshots.

Schülerin Marlene Kiechle (14) aus Allensbach

Marlene (14) mit ihren Geschwistern Anton (7) und Heidi (11) während der Lernzeit.
Marlene (14) mit ihren Geschwistern Anton (7) und Heidi (11) während der Lernzeit. | Bild: Matthias Kiechle

Meine Geschwister Anton (7 Jahre) und Heidi (11 Jahre) und ich haben jeden Tag von 8 bis 12 Uhr Lernzeit. Das klappt mal mehr, mal weniger! Unsere Lehrer schicken uns Aufgaben per Mail oder über eine Webplattform. Sogar für Sport, Musik und Kunst! Da meine Mutter zwar zu Hause ist, aber trotzdem am Laptop arbeiten muss, helfen wir uns gegenseitig. Wir machen zwischendurch auch Pausen und gehen in den Garten, spielen mit unserem Hund und hüpfen Trampolin. Mittlerweile kann ich schon ganz gut kochen, da ich jetzt jeden Tag Zeit habe, das Essen für meine Familie zuzubereiten. Ich vermisse trotzdem meine Freunde und den Schulalltag.

Margarete Thimm aus Pfullendorf:

Wir haben eine Tochter in der 9. Klasse. Sie bekommt täglich die Hausaufgaben und den Lernstoff per Mail von den einzelnen Lehrern zugeschickt. Sie hat sich einen Wochenplan mit ihrer Klassenkameradin zusammengestellt, mit der sie gemeinsam jeden Tag die Aufgaben strukturiert erledigt.

Carina arbeitet per Chat mit ihrer Schulkameradin in ihrem privaten Klassenzimmer zu Hause.
Carina arbeitet per Chat mit ihrer Schulkameradin in ihrem privaten Klassenzimmer zu Hause. | Bild: Detlef Thimm

Der Unterricht beginnt bei uns immer um 9 Uhr und dauert bis etwa 13 Uhr. Zwei Mal die Woche arbeiten die beiden auch nachmittags für ein bis zwei Stunden an dem Lernstoff. Wenn die beiden zusammen lernen, haben sie immer das Laptop und ihr Handy auf dem Tisch liegen und unterhalten sich per WhatsApp über die gestellten Aufgaben. So können sie sich gegenseitig helfen.

Wir haben auch eine feste Zeit, in der unser Nachhilfelehrer per WhatsApp Videoanruf mit unserer Tochter lernt. Dies alles klappt bisher sehr gut. Es ist einfach wichtig, dass man einen geregelten Ablauf in den Tag bekommt. Außerdem kann man sich jederzeit bei Fragen an die jeweiligen Fachlehrer wenden. Unsere Tochter findet dies sogar entspannter als in der Schule. Sie hat immer einen festen Abgabetermin, an dem sie die Aufgaben an den entsprechenden Fachlehrer schicken muss. So kommt nie eine Situation auf, in der sie denkt, es ist egal, ob sie die Aufgaben macht oder nicht.

Margit Schlau aus dem Urachtal (Vöhrenbach):

Grundsätzlich eine gute Idee, den Unterricht digital zu gestalten. Unser Sohn hat nur das Pech, in einem Bereich zu wohnen, der weit entfernt ist vom Glasfaserausbau oder anderen Möglichkeiten, schnelles Internet zu nutzen. Wir im Urachtal sind abgehängt, er kann an vielen Angeboten der Schule nicht teilnehmen, weil die Datenmengen nicht ausreichen, es ist viel zu langsam. Es ist sehr ärgerlich und ungerecht. Er wird nun bestraft für die Fehler der Politik.

Michael Hennings aus Radolfzell:

Als Lehrer und Vater von zwei schulpflichtigen Kindern (Mittelstufe) möchte ich mal eine andere Seite der Problematik beleuchten, nämlich die Sicht des Pädagogen. Mir ist ein wenig unverständlich, warum im Jahre 2020 die Möglichkeiten von Onlinekonferenzen nicht deutlich mehr genutzt werden. All die Tools, die vom Kreismedienzentrum, der Landesregierung, der Schulverwaltung usw. vorgeschlagen werden (WebUntis-Tools, Moodle, Email, etc.) können eines nicht ersetzen: den Unterricht. Man kann noch so viele und auch sicher toll ausgearbeitete Arbeitsblätter verteilen (und auch hoffentlich wieder einsammeln) oder Seiten im Buch durcharbeiten lassen, den unmittelbaren und vor allem spontanen Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern hat man damit nicht.

Online-Unterricht kommt dem Normalbetrieb am nächsten. Es gibt viele Tools, die Video-/Audiokonferenzen oder Chat anbieten. Viele können aber auch den eigenen Bildschirm übertragen und bieten somit sogar die Möglichkeit, ein Whiteboard zu übertragen. Das eigene (schuleigene) Tablet dient dann als Tafel. Die Kids sitzen vor ihrem heimischen PC und folgen den Ausführungen des Pädagogen. Fragen können direkt gestellt und beantwortet werden. Wie gesagt, es ist nicht wie im Klassenraum in der Schule, aber nahe dran. Sicher ist dieses Modell nichts für die Primarstufe und auch 5. Klassen werden sich schwer tun, aber ab der 6. Klasse sollte dieser Unterricht machbar sein, denke ich.

Hier mein Aufruf an die Kolleginnen und Kollegen: Werdet kreativ! Nutzt diese Tools! Das Internet kann hier wirklich mal hilfreich sein und diese elende Zeit überbrücken helfen. Und an die Eltern: Fordert Online-Unterricht ein! Unterricht in der Schule ist nicht zu ersetzen, aber online bin ich nahe dran.

Olaf Maisch aus Konstanz:

Mein Sohn geht in die fünfte Klasse. Sein Interesse an der Schule ist groß, ferner seine Vorliebe für Sozialität. Jean Miki liebt Menschen. Jetzt kann er nicht mehr mit seinen geliebten Schulkameraden zusammen sein. Da bleiben nur Mama und Papa. Eine sehr ungewohnte Situation für uns alle. Und eine sehr fragile.

Jean Miki (11 Jahre) vermisst seine geliebten Schulkameraden.
Jean Miki (11 Jahre) vermisst seine geliebten Schulkameraden. | Bild: Olaf Maisch

Ich persönlich war für sechs Jahre Lehrer an einer Gesamtschule in Frankfurt am Main. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Lehrer im besten Fall sehr gute Bezugspersonen für die Kinder darstellen. Sie können mit ihnen reden und lernen. Zuhause ist Mama und Papa oft nur da, um Lob und Tadel auszusprechen. Das ist alles ganz normal, denn sie sind ja nicht in die Materie eingebunden. Jetzt findet alles zu Hause statt. Mama und Papa sind in den meisten Fällen keine Pädagogen. Die Nerven liegen da schnell blank. Negativ fällt mir auf, dass Lehrer abrupt keinen Bezug mehr zu den Schülern haben. Hausaufgaben werden nur so rausgehauen, viele Eltern sind damit überfordert.

Auch bei uns ist die Lage angespannt. Nach einigen Mails mit entsprechenden Lehrern wird empfohlen, so viel zu arbeiten, wie man schafft, kein Muss. Hier fängt die Pädagogik an. Was kann ich meinem Kind zutrauen? Kinder wählen oft den Weg des geringsten Widerstandes. Das kann ich bei meinem Sohn beobachten. Wo muss mal eine Standpauke gehalten werden und wo kann man entspannter sein? Ich merke, wie fragil unser gesamtes soziales System ist, welch ein Druck überall herrscht. Unweigerlich wird dieser Druck auch an unsere Kinder weitergegeben, wenn auch nur unbewusst. Die Kommunikation von Lehrer zu Eltern ist wichtig.

Ich wünsche mir Verständnis, neue Ansätze in der Kommunikation, didaktischen Zuspruch von Lehrern, eine ausgesprochene Verminderung des Leistungsdrucks für Eltern und Schüler. Und doch empfinde ich es als positiv, seinen Kindern wieder näherzukommen. Es gibt gerade ja viele Themen zu besprechen.

Schülerin Johanna Stella Paffrath aus Überlingen:

Ich besuche die 11. Klasse der Freien Waldorfschule Überlingen. Grundsätzlich habe ich jeden Tag für die Schule gearbeitet. Davon lief ein Großteil über Internet, weshalb meine Bildschirmzeit an Laptop und Handy drastisch gestiegen ist. Diese enorme Digitalisierung bedauere ich sehr, da ich generell keine Befürworterin dieser bin, doch sehe ich leider im Moment keine Alternative.

Schülerin Johanna Stella Paffrath aus Überlingen wünscht sich keine zunehmende Digitalisierung.
Schülerin Johanna Stella Paffrath aus Überlingen wünscht sich keine zunehmende Digitalisierung. | Bild: Pfaffrath

Ich vermisse meine sozialen Kontakte, die doch hauptsächlich auf die Schule zurückzuführen sind, doch genieße ich auch die Ruhe, das schöne Wetter und das Ausschlafen jeden Tag. Dies schafft allerdings einen fließenden Übergang zwischen Werktagen und Wochenende. Diese außergewöhnliche Zeit lässt mich den unmittelbaren Kontakt von Lehrern und Schülern im Unterricht noch mehr wertschätzen und macht deutlich, dass ich mir eine zunehmende Digitalisierung an Schulen nicht vorstellen und wünschen kann.

Philipp und Diana Ebel, Realschullehrer in Tiengen und Grundschullehrerin in Oberlauchringen:

Mehr Schule geht nicht! Wir sind zwei Lehrer und zwei Kinder Sina und Yannik im Alter von elf und 13 Jahren. Vormittags ist bei uns Schule hoch vier angesagt! Teilweise sitzen wir zusammen oder jeder an seinem eigenen Schreibtisch.

Sina (11) und Yannik (13) haben Eltern, die beide Lehrer sind.
Sina (11) und Yannik (13) haben Eltern, die beide Lehrer sind. | Bild: Philipp Ebel

Hausaufgaben werden kontrolliert, runtergeladen, Präsentation vorbereitet und eingeübt. Es lässt sich nicht vermeiden, dass wir als Eltern immer wieder mal als Hilfe herbeigeholt werden. Homeoffice ist für uns als Lehrer nichts Neues, nur jetzt in einer komplett anderen Dimension. Die neuen Medien (mal funktionieren sie, mal nicht, und wenn sie bei uns funktionieren, dann versagen sie teilweise bei den Schülern) lassen uns nicht los und begleiten uns bis spät in die Nacht. Wir haben auch schon letzte Woche auf die altbekannte Kommunikationsplattform „Telefon“ zurückgegriffen. Die Kinder freuen sich und haben auch die ein oder andere Frage, die sich im Gespräch und ohne Datenmengenverlust beim Laden austauschen lassen.

Schade nur, dass das Fastenvorhaben unserer Tochter Sina (Verzicht auf neue Medien) nicht ganz eingehalten werden kann. Das Internet als unverzichtbarer Datenaustauschkanal zur jetzigen Corona-Zeit! Sina hat jetzt aber ein neues Fastenvorhaben, welches sie zu 100 Prozent einhalten wird: Sie geht nicht mehr zur „Schule“!

Patrick Konopka unterrichtet am Gymnasium Überlingen Deutsch und Geschichte:

Ich versah Ordner meiner Cloud mit Aufgaben und gab diese den Schülern frei. Zufrieden machte mich diese Lösung nicht, da ich Bedenken hatte, meinen Leistungskurs, der im nächsten Jahr sein Abitur schreibt, nicht richtig unterrichten zu können. Deswegen waren Freude und Motivation groß, als ein Kollege mich auf Microsoft Teams aufmerksam machte.

Patrick Konopka unterrichtet Deutsch und Geschichte.
Patrick Konopka unterrichtet Deutsch und Geschichte. | Bild: Konopka

Nachdem die Schüler ihre Bereitschaft zur Teilnahme erklärt hatten, richtete ich ein Team ein, sodass wir konferieren konnten. Zwischenzeitlich fiel auch in der Schule der Entschluss, Microsoft Teams nutzen zu wollen und die gesamte Schule dorthin „umzusiedeln“. Dieser Umzug stellte und stellt viel Arbeit und eine hohe nervliche Belastung für alle Beteiligten (Schüler, Eltern, Lehrer) dar. Gleichzeitig spürt man die hohe Bereitschaft aller.

Damit verbunden ist auch ein Zusammenhalt der Schulgemeinschaft, den ich bereits zu Beginn der Schulschließung im Verhalten der Eltern der Schüler meiner Klasse wahrgenommen hatte. Gerade die vergangenen Wochen mit der Umstellung auf Teams für die gesamte Schule war extrem anstrengend. Unzählige E-Mails und Chatnachrichten mussten geschrieben, Unterricht auf seine Onlinetauglichkeit geprüft werden, und auch für einen technisch nicht ganz unbedarften Menschen wie mich gab es viel zu lernen. Erklärvideos auf YouTube sehe ich nun deutlich positiver als vor der Corona-Krise.

Festzuhalten bleibt, dass die Lerneffekte im Umgang mit Teams groß sind, weshalb gerade mit den älteren Schülern wieder ein fast normaler Unterricht möglich ist. Schwierigkeiten bereitet mir einzuschätzen, was eine angemessene Menge an Aufgaben ist. Eine offene Rückmeldung der Schüler und Eltern ist also zwingend nötig. Zum Glück kommt sie auch. Die Schüler werden aus dieser Phase sehr viel über ihr eigenes Lernverhalten lernen.

So schrieb mir eine Schülerin, sie fände es gut, etwas länger schlafen und ihre Pausen selbst setzen zu können, merke aber, dass ihr die Konzentration schwerer falle als im Regelunterricht. Andere sagen, ihnen fehle der direkte Kontakt zum Lehrer. Schule hängt nun einmal von genau diesem ab. Videokonferenzen können ihn nicht ersetzen. Sorgen bereiten mir jene Schüler, die nicht so leistungsstark sind und deren technische Möglichkeiten die Teilnahme verhindert. Erreichen wir sie auch, wenn der direkte Kontakt fehlt? Ich gehe diese Herausforderung sehr motiviert an, habe trotz der hohen Arbeitsbelastung viel Spaß, auch weil ich selbst einiges lernen darf und der Eindruck vorherrscht, dass Schüler und Eltern unsere Mühen sehr zu schätzen wissen.

Sandra Granacher aus Gurtweil/Waldshut-Tiengen:

Wir haben zwei Jungs im Alter von elf und acht Jahren. Der Jüngste ist autistisch, was vieles nicht leichter macht, da er viel Aufmerksamkeit braucht. Ich bin aufgrund der momentanen Situation vom Betrieb freigestellt worden. Da kann kein anderer jetzt nach den Kindern schauen.

Jan Granacher (8).
Jan Granacher (8). | Bild: Granacher

Beide lernen nach einem sehr gut erstellten Plan. Trotzdem muss ich auch einiges erklären, aber ich bin kein Lehrer. Leider nehmen es die Kinder von uns nicht immer gerne an. Dann muss wieder nachgefragt werden über die Schul-App Sdui oder per Mail. Das alles ist sehr zeitintensiv. Durch das enge Miteinander muss einiges ausgehalten werden. Keine Freunde, kein Hobby. Alles ums Haus oder in den vier Wänden. Der sonstige Ablauf ist wie sonst auch. Es gibt geregelte Mahlzeiten und Bettzeiten.

Marvin Granacher (11).
Marvin Granacher (11). | Bild: Granacher

Für mich ist es momentan auch etwas traurig, da ich meine Mama nicht besuchen kann. Sie wohnt in der Schweiz und ist auch schon gegen 80. Gottlob ist sie körperlich und geistig rüstig. Sie wohnt nicht alleine und hat tolle Nachbarn. Wir alle sind noch immer am Begreifen, was da im Moment abläuft. Es heißt, machen, was einem geheißen wird und das Beste daraus machen.

Bianca Hilpert aus Horheim im Landkreis Waldhut:

Wir sind Papa Ingo, Mama Bianca und die Kinder Nevio (9), Milan (6) und Baby Naila (4 Monate).

Familie Hilpert aus Horheim im Landkreis Waldhut.
Familie Hilpert aus Horheim im Landkreis Waldhut. | Bild: Hilpert

Nevio ist Viertklässler und hat täglich drei bis vier Stunden einen Teil der Aufgaben zum größten Teil selbstständig bearbeitet, was mir als Mama sehr entgegenkam, da Milan als Erstklässler sehr viel Hilfe benötigt und auch Naila, die Kleinste, bespaßt werden will. Alles war gut organisiert von der Schule. Mein Mann ist Informatiker und kann gut im Homeoffice arbeiten, während ich als Hausfrau und Mama versuchte, vormittags die Lehrerin zu ersetzen, mich ums Baby zu kümmern und das Wichtigste im Haushalt zu erledigen. Das Positive in dieser Zeit ist, dass wir mehr Zeit zusammen verbringen.

Schüler Michael Heisenberg (12) aus Konstanz:

Ich komme gut mit den Hausaufgaben zurecht. Ich mache fast nie etwas falsch.

Michael (12) und sein Bruder Raphael (7) kommen mit dem Lernen zu Hause gut klar.
Michael (12) und sein Bruder Raphael (7) kommen mit dem Lernen zu Hause gut klar. | Bild: Heisenberg

Um 9 Uhr setze ich mich meist an den Schreibtisch und fange mit den Hausaufgaben an. Zuerst Deutsch, dann Englisch und Spanisch und zuletzt Mathe. Ich bin in der 6. Klasse in der Waldorfschule. Eigentlich finde ich es interessant, einmal Schule zu Hause zu machen. Jetzt habe ich endlich mehr Zeit zum Spielen am Nachmittag und zum Geige üben, und ich kann mich auf meine lang ersehnte Wette bei „Klein gegen Groß“ vorbereiten und anmelden.

Stefanie Mensak aus Hilzingen:

Mein Mann ist auch zu Hause im Homeoffice und so läuft es eigentlich wie gewohnt bei uns. Nur alles eine Stunde später. Wir stehen unter der Woche um sieben Uhr auf, frühstücken, waschen uns, ziehen uns an und jeder beginnt sein Tagwerk. Unsere Töchter (6 und 10 Jahre) kommen zu mir oder meinem Mann, um Fragen zu stellen. Soweit klappt alles. In der Mittagspause darf jeder eine Dreiviertelstunde machen, was er will. Auch mal eine App auf dem Tablet spielen. Nur die restliche viele Freizeit macht meinen Kindern manchmal zu schaffen: ist doch nur die Schwester zum Spielen da. Und wenn man Meinungsverschiedenheiten hat, gibt es nur noch Mama oder Papa. Aber wenn gar nichts mehr geht, schicke ich sie raus in den Garten. Aber generell gefällt es uns allen, so viel Zeit zusammen zu haben und nichts machen zu müssen, weil es im Kalender steht. Einfach toll, so entschleunigt!

Schulleiter Dietmund Schwarz aus Lauchringen:

Als Schulleiter der Grundschule Oberlauchringen halte ich es für sehr einseitig, die Digitalisierung quasi als das Non-Plus-Ultra in der momentanen Situation darzustellen. Der größte Anteil aus der Elternschaft signalisiert uns, dass sie froh sind, dass nicht auch noch ihr Grundschulkind digitalisiert arbeiten muss. Gerade Familien mit mehreren Kindern haben ein großes Problem, weil gar nicht so viel Geräte in der Familie zur Verfügung stehen und gleichzeitig auch noch Homeoffice der Eltern stattfinden soll. Und selbst wenn alle ein Endgerät haben, ist das Netz überlastet und setzt hier in der ländlichen Region immer wieder aus.

Vielmehr begrüßen die Eltern und auch die Kinder, dass ihre Lehrer ihnen einen klar strukturierten Tages- und Wochenablauf nebst Arbeitsaufträgen und Materialien mitgegeben haben. Die Lehrer halten regelmäßig per Telefon und Handy Kontakt mit stets positiven Gesprächen und guten Rückmeldungen. Über die Schul-App können alle Eltern und Kinder ebenfalls informiert und mit weiteren Materialien versorgt werden. Und da, wo es aus den verschiedensten Gründen nicht geht, gibt es das Material per Post.

Im Übrigen ist weder WhatsApp noch Schulbücher scannen nötig. Wenn hier einzelne Schulen, und da handelt es sich auch vor allem um den Bereich der weiterführenden Schule, solche digitalen Lernmaterialien als Möglichkeiten bieten, ist das schön. Aber die Kinder müssen auch hier erst einmal entsprechend eingeführt und instruiert werden. Und eine entsprechende Abwechslung der Lern- und Arbeitsformen ist auch in unserer heutigen Zeit für die große Mehrheit der Kinder wichtig.

Unsere Schule ist mit digitalen Möglichkeiten schon heute (dank der guten Unterstützung der Gemeinde nicht erst seit dem Digitalpakt) sehr gut aufgestellt, dennoch benutzen wir auch Tageslichtprojektor und Kreide. Nicht der einseitig aufgestellte Medienunterricht ist für die Kinder meiner Erfahrung nach wichtig, sondern gerade die Vielfalt an möglichen Arbeits- und Lernformen bieten dem Individium Kind die Chance, seine Art zu arbeiten und zu lernen für sich zu entdecken.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €