Wieder ein riesiger Felsbrocken. Und wieder in Todtnau. Das kleine Örtchen im Landkreis Lörrach bleibt von herabrollenden Steinblöcken nicht verschont. Denn nach Angaben der Feuerwehr raste am Sonntagabend gegen 19 Uhr ein zwei Meter langer Kaventsmann wie ein ungebremster vollbeladener LKW zwischen den Ortsteilen Präg und Bernau auf die Landstraße 149 herunter. Der Brocken hatte sich zuvor von einer Felswand gelöst.

Bei einer Untersuchung des Geologischen Landesamts zeigte sich am Montag: Oberhalb der Straßen drohen noch weitere Felsen abzustürzen. Für den Bereich des Steinschlags wurde deswegen ein Betretungsverbot erlassen. Dadurch zerschlug sich auch die Hoffnung, dass der Felsblock schnell beseitigt werden und die Straßen wieder freigeben werden könnte. Morgen Nachmittag informiert nun die Todtnauer Stadtverwaltung, wann und wie der Fels von der Straße geräumt wird. Das Landratsamt Lörrach geht aber davon aus, dass die Straße aus Sicherheitsgründen noch für einige Tage gesperrt bleiben muss. Autofahrer müssen einen Umweg in Kauf nehmen.

Dieser riesige Felsbrocken stürzte am Sonntag, 3. Mai auf die Landstraße 149 bei Präg. Die Untersuchungen des Hangs oberhalb der Absturzstelle haben begonnen, die Hangsicherung noch nicht.
Dieser riesige Felsbrocken stürzte am Sonntag, 3. Mai auf die Landstraße 149 bei Präg. Die Untersuchungen des Hangs oberhalb der Absturzstelle haben begonnen, die Hangsicherung noch nicht. | Bild: Landratsamt Lörrach

Und wieder trifft es Todtnau. Erst im vergangenen Herbst war dort ein ganzes Wohngebiet für mehrere Monate geräumt worden, weil lockeres Gestein auf die Häuser hinabzustürzen drohte. Auch im März vergangenen Jahres hatte sich im Todtnauer Stadtteil Gschwend ein gewaltiger Felsbrocken gelöst. Dieser war damals in ein Wohngebiet gerollt und in einer Hofeinfahrt liegen geblieben.

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Der damals abgestürzte Sechs-Tonnen-Felsblock stürzte 180 Höhenmeter tief den Hang hinab, bevor er auf einen massiven Baum in der Gisibodenstraße prallte. Niemand wurde verletzt, der Sachschaden blieb überschaubar.

Dass abgestürzte Felsen auch tödliche Folgen haben können, bewies ein tragischer Unfall auf der Autobahn 81 im Oktober 2019. Damals war ein Steinblock von der betonbewehrten Mittelbeplankung der Autobahn zu Beginn einer leichten Rechtskurve gestoppt worden. Zuvor hatte sich das laut Regierungspräsidium 3,5 Tonnen schwere Stück in 22 Metern Höhe gelöst und war Richtung Autobahn gestürzt. Ein Porsche-Fahrer kam dabei ums Leben.

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Ein Spinnennetz soll helfen

Um weitere Katastrophen zu vermeiden, werden immer wieder besonders gefährdete Hänge vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau gesichert. Die Arbeiten sind notwendig. Denn das Landesamt hat vor einigen Jahren berechnet, wie viele felssturzgefährdete Zonen es in Baden-Württemberg gibt: Auf 42.000 Flächen kamen die Experten.

Das betrifft bei weitem nicht immer bewohnte Bereiche oder Straßen und ist doch eindrucksvoll. Die Karte kann von Kommunen eingesehen werden, einen automatischen Benachrichtigungsmechanismus für bedrohte Bereiche gibt es aber nicht.

Regelmäßig kontrolliert werden ohnehin nur gefährliche Hänge in Straßennähe. Routinemäßige Kontrollgänge? Unvorstellbar, bei einer Mannschaft von sieben Ingenieur-Geologen für hunderte Schluchten und tausende Hänge in Baden-Württemberg.

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