Eine Pizza beim Lieblingsitaliener essen, auf einen Cappuccino ins kleine Café um die Ecke setzen oder einen leckeren Eisbecher in der örtlichen Eisdiele genießen: All das ist seit dem 18. Mai im Südwesten wieder erlaubt. Viele Gastronomen dürfen in ihren Betrieben nach acht Wochen Corona-Zwangspause wieder Gäste bewirten.

Wie lief der erste Tag nach dem Neustart? Was halten Wirte und Gäste von den neuen Hygienevorschriften? Welche Sorgen bleiben? Wir haben uns in der Region umgehört.

Glückliche Gesichter bei Singener Gastronomen

Die Erleichterung über die Rückkehr zur Gastronomie war in der Singener Innenstadt am Montag mit den Händen greifbar. Überall glückliche Gesichter bei Café- und Restaurantbetreibern, die sich zuvor intensiv mit den Corona-Regeln beschäftigt haben und nun peinlich genau darauf achten, dass diese auch eingehalten werden. „Nach zwei Monaten Verdienstausfall sind wir alle sehr vorsichtig“, sagt zum Beispiel Xhcvat Krasniqi, der zusammen mit Sabit Dedaj das Stadtgarten-Café und die Sonne am Hohgarten betreibt.

Xhevat Krasniqi und Sabit Dedaj betreiben sowohl das Stadtgartencafé als auch die Sonne am Hohgarten. Nach zwei Monaten Verdienstausfall wollen sie jetzt auf keinen Fall Fehler machen, die mit hohen Geldbußen belegt werden könnten.
Xhevat Krasniqi und Sabit Dedaj betreiben sowohl das Stadtgartencafé als auch die Sonne am Hohgarten. Nach zwei Monaten Verdienstausfall wollen sie jetzt auf keinen Fall Fehler machen, die mit hohen Geldbußen belegt werden könnten. | Bild: Sabine Tesche

Bei den Villinger Wirten bleiben viele Sorgen

„Wir leisten hier Pionierarbeit. Wir wissen noch nicht, wie die Wiedereröffnung angenommen wird“, sagt Birgit Schrenk, die die Bildergasse in der Niederen Straße in Villingen betreibt. Mit dem eingeschränkten Betrieb müsse man erst einmal Erfahrungen sammeln. Andere, wie der Inhaber des Gasthauses Ott in der Färberstraße, Domenico Wittkopf, warten mit dem Neustart vorsichtshalber noch etwas ab.

Domenico Wittkopf (links) und Benjamin Bossert renovieren das Gasthaus Ott. Zwischen ihnen liegt der selbst gebaute Corona-Abstandsmesser.
Domenico Wittkopf (links) und Benjamin Bossert renovieren das Gasthaus Ott. Zwischen ihnen liegt der selbst gebaute Corona-Abstandsmesser. | Bild: Matthias Jundt

Hygienemaßnahmen stellen St. Georgener Gastronomen vor Herausforderungen

Angemessen, aber ungewohnt, findet Gamze Celik die Vorgaben aus Stuttgart, die an die Wiedererföffnung der Gastronomie geknüpft sind. Sie betreibt das Bistro BM in St. Georgen und muss sich vor allem an das Arbeiten mit Maske gewöhnen. Aber: „Lieber so als komplett geschlossen“, findet sie. Wolfram Morat vom Gasthaus Zur Stadt Frankfurt sieht die Herausforderung insbesondere darin, die Abstände zwischen den Tischen so hinzubekommen, das möglichst wenige Plätze wegfallen. „Ich weiß nicht, wie es anläuft“, sagt er.

Gamze Celik, Inhaberin des Bistro BM, darf ihre Gaststätte – unter Einhaltung der Vorgaben der Corona-Verordnung – seit Montag wieder öffnen.
Gamze Celik, Inhaberin des Bistro BM, darf ihre Gaststätte – unter Einhaltung der Vorgaben der Corona-Verordnung – seit Montag wieder öffnen. | Bild: Tobias Lange

Verhaltener Gastro-Start in Rheinfelden

In Rheinfelden waren am Montag bei schönem Wetter einige Gäste vor allem in Außenbereichen von Cafés und Restaurants anzutreffen. Die Wirte sind froh, dass nach zwei Monaten des Stillstands wieder gearbeitet werden kann. Doch neben der Freude gibt es auch Sorgen. Nikci Yll vom Restaurant Arber sagt zu dem verhaltenen Andrang nach dem Neustart unter strengen Auflagen: „Wir sind froh, wenn wir auf 40 Prozent vom normalen Umsatz kommen.“

Ein Getränk im Freien genossen am Montag einige Gäste, wie hier in der Rheinfelder Karl-Fürstenberg-Straße.
Ein Getränk im Freien genossen am Montag einige Gäste, wie hier in der Rheinfelder Karl-Fürstenberg-Straße. | Bild: Ralf H. Dorweiler

Warum ein Wirt aus Murg mit gutem Gefühl durch die Krise geht

Wenn von jenen Geschäftsfeldern die Rede ist, denen Corona besonders hart zugesetzt hat, werden immer die Gastronomie genannt, die Hotellerie und der Kulturbereich. Wie also mag es Peter Maier gehen? Der 61-Jährige betreibt in Oberhof unter dem Namen Café Verkehrt ein Musiklokal, eine Gaststätte sowie ein Mini-Hotel; in Laufenburg ein weiteres kleines Hotel, die Alte Post. Maiers Antwort überrascht: „Ich bin mit einem relativ guten Gefühl in die Durststrecke gegangen.“ Denn er fühlt sich gut aufgehoben während der Corona-Krise in Deutschland.

Peter Maier in seinem Musiklokal Café Verkehrt. Er hält es für möglich, dass hier wegen Corona dieses Jahr keine Veranstaltungen mehr stattfinden.
Peter Maier in seinem Musiklokal Café Verkehrt. Er hält es für möglich, dass hier wegen Corona dieses Jahr keine Veranstaltungen mehr stattfinden. | Bild: Markus Vonberg

Zögerlich kehrt in Friedrichshafener Cafés und Restaurants wieder Leben ein

Vor zwei Monaten ließ die Corona-Krise Friedrichshafen vorübergehend wie eine Geisterstadt wirken. Zwei Monate später ist das Stadtbild – selbst unter der Woche – wieder ein anderes. Wer am Montag durch die Innenstadt schlenderte, musste schon genauer hinschauen um festzustellen: Ein normaler, sonniger Mittag ist das nicht. In den Cafés und Restaurants genossen einige Gäste bereits wieder einen Kaffee mit Blick auf den See oder den leckeren Mittagstisch – der Abstand dabei ist allerdings größer als sonst.

Um die Mittagszeit herrscht wieder das für einen Tag unter der Woche vertraute, wenn auch eher gemächliche Leben in der Häfler Innenstadt.
Um die Mittagszeit herrscht wieder das für einen Tag unter der Woche vertraute, wenn auch eher gemächliche Leben in der Häfler Innenstadt. | Bild: Christina Bömelburg

Auch Österreich bittet wieder zu Tisch

Schon seit dem 15. Mai dürfen Gastronomiebetriebe in Österreich ihre Gäste im Innenbereich und draußen wieder bewirten. Wie sind die Corona-Auflagen im Nachbarland und was halten die Wirte davon? Diesen Fragen sind wir bei einem Besuch in einem Heurigenlokal in Bregenz auf den Grund gegangen.

Heurigenwirtin Michaela Möth darf sowohl innen als auch im Gastgarten nur mit Mund-Nasenschutz arbeiten und die Brotzeitteller müssen vorab hergerichtet sein.
Heurigenwirtin Michaela Möth darf sowohl innen als auch im Gastgarten nur mit Mund-Nasenschutz arbeiten und die Brotzeitteller müssen vorab hergerichtet sein. | Bild: Hans-Robert Nitsche

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