Alle Schüler sollen noch vor den Sommerferien zumindest tageweise an die Schulen zurückkehren können – diese Beschlussempfehlung geben die Kultusminister der Länder den Ministerpräsidenten vor ihrer Runde am Donnerstag mit der Bundeskanzlerin mit auf den Weg. Doch unabhängig davon ist derzeit noch völlig offen, ob überhaupt und von wem die baden-württembergischen Schulen in den kommenden drei Monaten bis zum Beginn der Sommerferien Ende Juli besucht werden dürfen.

Kretschmann: Besser als erwartet

Viele Varianten scheinen denkbar. Nur eine offenbar nicht: die Rückkehr zum regulären Unterricht für alle Schüler in diesem Schuljahr. Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) hatte unterdessen am Dienstag bei der Regierungspressekonferenz den bisherigen Fernunterricht insgesamt positiv bewertet. „Was ich höre, läuft es erstaunlich gut, jedenfalls besser, als ich erwartet habe“, sagte Kretschmann. Es gebe zwar in Einzelfälle große Kritik. „Aber in der Summe wird der Ersatzunterricht positiv aufgenommen“, so Kretschmann.

GEW: Rückkehr unrealisitsch

„Unrealistisch“ nannte dagegen Doro Moritz, Landesvorsitzende der Bildungs- und Erziehungsgewerkschaft GEW die Zielvorstellung der Kultusministerkonferenz. „Viele Lehrkräfte gehören zu Risikogruppen und dürfen nicht in die Schulen. Zwei Drittel der Lehrkräfte können nicht gleichzeitig Abschlussprüfungen, Unterricht in zu vollen Klassenzimmern und Lernen zuhause organisieren“, so Moritz.

Erweiterte Notbetreuung angelaufen

Bei der am Montag angelaufenen erweiterten Notbetreuung für Kita- und Schulkinder ist der große Ansturm zunächst ausgeblieben, fasst Norbert Brugger, Dezernent beim baden-württembergischen Städtetag, die ersten aktuellen Rückmeldungen aus den 15 größten Städten des Landes zusammen. Die Städte führen dies darauf zurück, dass Eltern mit Anspruch auf die Betreuung zum Teil noch nicht über die erforderliche Bescheinigung ihres Arbeitgebers verfügten. „Wir erwarten bis zum Dreifachen der bisherigen Notbetreuungsfälle“, sagt Brugger. Vom kommenden Montag an, wenn zunächst die Abschlussjahrgänge als erste in die Schulen zurückkehren, muss vor Ort zeitgleich Notbetreuung und Unterricht in kleinen Gruppen organisiert werden.

Kein Zeitfenster für Viertklässler

Für Nachfragen hatte unterdessen in den vergangenen Tagen ein Rundschreiben des Städtetags gesorgt, wonach eine Rückkehr der Viertklässler an die Grundschulen noch vor den Pfingstferien in einem Zeitfenster zwischen dem 11. und 25.Mai geplant sei. Das Kultusministerium bestätigte dies nicht. Das sei lediglich ein „Rückschluss“ beim Städtetag gewesen aus dem vom Kultusministerium vorgegebenen Ziel, als nächste Schülergruppe die Viertklässler der Grundschulen an die Schulen zurückzubringen, ordnete Brugger auf Nachfrage ein.

Das Kultusministerium weist darauf hin, dass alle Überlegungen vorbehaltlich des Infektionsgeschehens getroffen würden. Und darüber hinaus will das Land auch vermeiden, dass politische Entscheidungen wieder von Gerichten kassiert werden. „Der Veraltungsgerichtshof Kassel hat vergangene Woche den Schulbetrieb für Viertklässler in Hessen untersagt, diese Entscheidung müssen wir bewerten“, sagte die Sprecherin des Kultusministeriums.