Özdemir will angesichts angespannter Getreidemärkte infolge des Ukraine-Kriegs Bauern in Deutschland ermöglichen, Agrarflächen für den Anbau bestimmter Pflanzen zur Nahrungsmittelproduktion länger zu nutzen. Ein Kompromissvorschlag sieht ein einmaliges Aussetzen der EU-Neuregelungen zu Flächenstilllegung und Fruchtwechsel vor. Demnach sollen unter anderem die eigentlich geplanten zusätzlichen Artenschutzflächen erst 2024 eingeführt werden. Bauern könnten dann im kommenden Jahr auf diesen Flächen weiter Nahrungsmittel anbauen.

Hintergrund sind ab 2023 greifende EU-Vorgaben, wonach ein Teil der Landwirtschaftsflächen dem Artenschutz dienen und zudem der Anbau derselben Ackerpflanze zwei Jahre in Folge auf derselben Fläche zum Bodenschutz grundsätzlich nicht mehr möglich sein soll. Die Umsetzung der Vorgaben hatte Brüssel aber den jeweiligen EU-Staaten überlassen. Özdemir hat nun den Bundesländern seinen Vorschlag zur Umsetzung der Kommissionsentscheidung unterbreitet. Er braucht den Angaben zufolge die Zustimmung der Länder.

Hauk sagte, noch bei der letzten Agrarministerkonferenz habe sich Özdemir gegen den von der EU ermöglichten Weg zu einer Steigerung der Lebensmittelproduktion gestellt. «Gut, dass er sich nun endlich hat von unseren Argumenten überzeugen lassen.» Es müsse jetzt reagiert werden, um eine nahende Hungerkatastrophe zu verhindern. «Hier stehen wir alle in der Verantwortung», sagte Hauk. Es sei höchste Zeit für die Entscheidung gewesen. So könnten Landwirte noch reagieren.