Die Kriminalpolizei legte den Fall vor einigen Wochen beiseite. Doch jetzt wird bekannt: Die Ermittlungen im Fall Mord ohne Leiche auf der Höri wurden wieder aufgerollt. Seit mehr als einem Jahr wird hier ein Mann aus Gaienhofen-Hemmenhofen vermisst, es gilt mittlerweile als sicher, dass er nicht mehr lebt.

Wie die Staatsanwaltschaft auf SÜDKURIER-Anfrage sagt, geht man neuen Hinweisen nach. Es soll Ermittlungsansätze geben, die man noch nicht ausprobiert hat. Welche das konkret sind, ist unklar.

Dieser Mann wird seit über einem Jahr Vermisst. Er ist 51 Jahre alt und lebt in Gaienhofen-Hemmenhofen.
Dieser Mann wird seit über einem Jahr Vermisst. Er ist 51 Jahre alt und lebt in Gaienhofen-Hemmenhofen. | Bild: Küster, Sebastian

Auch weil Andreas Mathy von der Konstanzer Staatsanwaltschaft sich gegenüber der Presse ansonsten bedeckt hält. „Die Ermittlungen dauern an. Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.“ Erst in zwei Monaten könne er sich dazu äußern, ob Anklage erhoben wird.

Ob die beiden Tatverdächtigen dann auf der Anklagebank sitzen werden, ist nämlich längst nicht klar. Der SÜDKURIER fand heraus, dass die Schwester und der Schwager den 51-Jährigen aus Gaienhofen-Hemmenhofen umgebracht haben sollen. Der Schwager sitzt bereits wegen einer anderen Straftat hinter Gitter.

Die Haustür des Vermissten, der Tatort, wurde von der Polizei versiegelt.
Die Haustür des Vermissten, der Tatort, wurde von der Polizei versiegelt. | Bild: Küster, Sebastian

Die Schwester des Vermissten kam vor dreieinhalb Monaten aus der Untersuchungshaft frei. Nach einem halben Jahr musste ein von dem Fall unabhängiges Gericht klären, ob es immer noch gerechtfertigt ist, dass die Tatverdächtige festgehalten wird.

Das Oberlandesgericht in Stuttgart tat sich bei der Entscheidung schwer. Am Ende stimmte es dafür, die Frau frei zu lassen. „Wie es zu diesem Tod gekommen ist und ob die Frau daran unmittelbar beteiligt war, kann man nicht mit Gewissheit sagen“, teilte der Sprecher des Gerichts, Christian Guthmann, im Gespräch mit dem SÜDKURIER damals mit.

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Wichtigstes Argument: Die Justizbehörden ermitteln zwar immer noch wegen eines Tötungsdelikts gegen die Schwester und den Schwager des Vermissten – aber ob es wirklich Mord war, kann man ohne eine Leiche nicht feststellen. Sollte es etwa eine Tötung im Affekt gewesen sein, kommt auch der Tatbestand Totschlag in Betracht. Dann sind mehr als ein halbes Jahr Untersuchungshaft wohl nicht mehr gerechtfertigt.

Offenbar gehen die Ermittlungsbehörden davon aus, dass vor allem der Lebensgefährte der Halbschwester für den Tod des Hemmenhofeners verantwortlich ist. „Beim Freund scheint die Sache schon eindeutiger zu sein“, deutete OLG-Sprecher Guthmann im Gespräch mit dem SÜDKURIER an. Die Staatsanwaltschaft Konstanz glaubte bisher an einen dringenden Tatverdacht der Halbschwester. Doch weil das OLG den Fall anders einschätzt, könnte sich das ändern.

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Dass der Mann tot ist, steht dennoch außer Zweifel. Am Tatort, im Haus des Vermissten, wurde so viel Blut gefunden, dass der Mann nicht überleben hätte können – heißt es aus Polizeikreisen.

Die Vorgeschichte

Das Opfer, um das es hier geht, ist ein 51-jähriger Mann aus Gaienhofen-Hemmenhofen auf der Halbinsel Höri. Er wird bereits seit Anfang Juni 2019 vermisst. Nachdem Menschen aus seinem privaten Umfeld die Polizei über das plötzliche Verschwinden des 51-Jährigen informiert hatten, leitete diese Nachforschungen am Wohnort ein.

Mit einer sogenannten Sonde suchen Polizisten das Umland ab.
Mit einer sogenannten Sonde suchen Polizisten das Umland ab. | Bild: KÜSTER

Am 27. Juli wurden dann die Halbschwester des Vermissten sowie ihr Lebensgefährte vorläufig festgenommen und Untersuchungshaft angeordnet. Zwischenzeitlich kam auch ein Mitbewohner des Opfers hinter Gitter. Er ist jedoch wieder auf freiem Fuß, weil sich die Tatvorwürfe gegen ihn nicht erhärteten.

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Recherchen des SÜDKURIER ergaben schon vor knapp einem Jahr, dass die entlassene verdächtige Halbschwester und der Schwager des Opfers an der Tötung beteiligt sein könnten. Sie sollen das mutmaßliche Opfer um Geld aus dem gemeinsamen Erbe gebeten haben.

Als die Tatverdächtigen herausfanden, dass der 51-Jährige das Geld für Alkohol ausgegeben haben soll, hätten die beiden rotgesehen und den Mann umgebracht. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft bestätigen die Recherchen nicht, wollen sie aber auch nicht dementieren. Für die Halbschwester und den Schwager gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

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