Dem Vernehmen nach ist Gerlinde Kretschmann, die Frau des baden-württembergischen Regierungschefs, von dem Angebot hellauf begeistert. Sie kann mit dem Regiobus Donau-Bodensee von ihrem Wohnort Sigmaringen in etwas mehr als einer Stunde an den Bodensee nach Überlingen oder auch weiter nach Radolfzell fahren – und das schon morgens um fünf Uhr und bis in die Nacht hinein wieder zurück. Damit ist Gerlinde Kretschmann eine unter Hunderttausenden von Fahrgästen, die jährlich diese 2015 eingerichtete Regiobus-Verbindung nutzen.

Für den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ist speziell die Entwicklung und Auslastung auf der Linie Sigmaringen-Überlingen ein Paradebeispiel für den Erfolg und die Zukunftsfähigkeit des Modells Regiobus in Baden-Württemberg, wie er bei einer Zwischenbilanz des Förderprogramms in Stuttgart sagte.

Die Zahlen sprechen für sich: Im Startjahr 2015 nutzten rund 124.000 Menschen die Verbindung, im letzten Vor-Corona-Jahr 2019 hatte sich die Auslastung mit rund 419.000 Fahrgästen pro Jahr mehr als verdreifacht.

Ähnlich sieht es auf anderen Strecken aus. Auch die 2017 eingerichtete Regiobus-Line von Künzelsau nach Bad Mergentheim verzeichnet jährlich rund 400.000 Fahrgäste, und auf der Regiobus-Linie zwischen Rottweil und Schiltach im Schwarzwald fuhren von Anfang an eine halbe Million Fahrgäste pro Jahr.

Ersatz für Schienenverkehr

Hintergrund des Regiobus-Modells: Wo die Bahn über Jahrzehnte regionale Schienenstrecken systematisch stillgelegt hat, gibt es für viele Menschen speziell im ländlichen Raum kein Angebot des öffentlichen Nahverkehrs mehr. Auf der Schwäbischen Alb, im Schwarzwald oder im Hohenlohe-Kreis etwa hatten die Menschen zwar noch einen Bahnhof, aber keine regionale Zuganbindung oder Querverbindungen in die nächsten größeren Städte mehr.

Das Regiobus-Programm wirkt dem entgegen. Die Linien sollen die entstandenen Lücken im Angebot des ÖPNV schließen. Aus den fünf Linien, die im Jahr 2015 an den Start gingen, sind mittlerweile landesweit 36 geworden. Die nächsten zehn Linien sind bereits beantragt. Ginge es nach dem Landesverkehrsminister, könnten es landesweit über 70 Verbindungen sein.

Stundentakt ist entscheidend

„Die Regiobusse sind Busse, die zu Schienen führen“, sagt Hermann. Im Gegensatz zum regionalen Linienbusangebot sind die Regiobusse Schnellbusse, die nur wenige Haltestellen bedienen. „Wichtig war uns von Anfang an: ein tägliches Angebot von früh morgens bis Mitternacht mindestens im Stundentakt, das auch an die nächsten Schienenverbindungen angebunden und in den Landestarif eingebunden ist, und moderne Busse mit Barrierefreiheit, Klimaanlage, WLAN und, wenn möglich, auch Fahrradmitnahme.“

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Das Finanzierungsmodell: Die Stadt- und Landkreise beantragen eine Linie, bei Bewilligung übernimmt das Land die Hälfte des Defizits. Das Geld dafür kommt inzwischen aus den Regionalisierungsmitteln des Bundes für den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). „Mittlerweile sind landesweit über 900 Streckenkilometer durch Regiobuslinien abgedeckt“, sagt Hermann, „wenn man bedenkt, dass wir landesweit 3600 Schienenkilometer haben, merkt man, dass das schon ein richtig gutes Angebot geworden ist.“

Regiobusse eher günstig

Zudem sind die Regiobusse vergleichsweise kostengünstig und kommen pro Streckenkilometer mit einem Bruchteil der öffentlichen Subventionen eines Schienen-Kilometers aus. „Die Bahn braucht hohe Auslastungszahlen, damit es sich lohnt. Der Regiobus nicht“, sagt Hermann. Insgesamt 76 Millionen Euro hat das Land über die Regionalisierungsmittel seit 2015 mit in die Regiobus-Linien gesteckt.

„Zum Vergleich: Allein in diesem Jahr bekommen wir 1,1 Milliarden Euro vom Bund für den Schienenpersonennahverkehr“, so der Grünen-Politiker. „Davon könnten wir uns viele Regiobus-Linien leisten.“ „Die Regiobusse sind eines unserer besten Projekte“, bilanziert Hermann. „Wie würden sie gerne ausbauen. Aber wenn die Regionalisierungsmittel nicht erhöht werden, wird der Ausbau schwierig.“

Für den neuen Förderzeitraum gingen bis Ende der Frist zum 31. Mai beim Landesverkehrsministerium folgende zehn Neuanträge ein: Villingen – Furtwangen; Bad Saulgau – Pfullendorf; Bad Wildbad – Freudenstadt; Bad Wurzach – Bad Waldsee; Biberach – Riedlingen; Laichingen – Bad Urach; Laichingen – Blaubeuren; Ochsenhausen – Biberach; Ochsenhausen – Memmingen; Tettnang – Wangen.