Herr Lucha, wir stehen vor dem zweiten Pandemie-Winter, wie blicken Sie auf die Corona-Infektionslage im Land?

Es ist so, dass derzeit 74 Prozent der Bevölkerung ab zwölf Jahren geimpft sind, 71 Prozent davon vollständig. Wir haben eine stabile Lage bei der Inzidenz sowie den Belastungswerten der Kliniken und sind ein ganzes Stück entfernt von den Warn- oder Alarmstufen. Was uns am meisten Sorge bereitet, ist, dass zwischen 93 und 98 Prozent der Patienten auf den Intensivstationen Ungeimpfte sind. Hier kommt bei den Mitarbeitern in den Kliniken Frust auf, weil sie seit anderthalb Jahren unter extremen Bedingungen arbeiten. Gerade Infektionen der 30- bis 59-Jährigen wären mit Impfungen vermeidbar gewesen.

Sie haben eine Umfrage zur Impfbereitschaft im Land in Auftrag gegeben. Was kam dabei heraus?

Wir haben durch das Marktforschungsunternehmen Kantar vom 2. bis 14. September landesweit 2929 Personen befragen lassen. Darunter befanden sich 387 ungeimpfte Befragte. Es kam heraus, dass wir mehr als die Hälfte der derzeit Ungeimpften von einer Impfung überzeugen können. 33 Prozent der Ungeimpften zögern, 14 Prozent sind unsicher und zwölf Prozent sind impfbereit. Unter allen Befragten haben wir rund zehn Prozent eindeutige Impfgegner.

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus der Studie, die offenbar einige Details offenbart?

Die Studie zeigt, dass die Geimpften und deren Kommunikation die wichtigste Rolle für die letzte Impfkampagne sind. Die Ungeimpften haben angegeben, dass sie sich am ehesten von geimpften Personen aus dem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis überzeugen lassen. Auch von eigenen Ärzten können sie überzeugt werden, sich impfen zu lassen. Am schlechtesten schneiden die Politik und die Medien in der Befragung ab. Von ihnen wollen sich Ungeimpfe eher nicht überzeugen lassen.

Damit sind viele schwer erreichbar. Was wollen Sie jetzt konkret tun?

Die Impfskeptiker, die wir noch überzeugen wollen, verfolgen oft die klassischen Nachrichten nicht. Daher müssen wir mehr Online-Formate anbieten, um hier mehr Menschen abseits der gängigen Informationskanäle zu erreichen. Und um Menschen mit Migrationshintergrund zu erreichen, müssen wir zudem auch im interkulturellen Bereich aktiver werden. Wenn ausländische Fernsehsender unseren Impfstoff schlechtmachen und dies viele Menschen hier schauen, dann haben wir ein Problem.

Fragen: Michael Schwarz