„Rätsel um Tote am Straßenrand“, titelt der SÜDKURIER am 28. Januar 1997. Und weiter: „Noch nicht identifiziert ist eine zwischen 18 und 25 Jahre alte Frau, die gestern Morgen in der Nähe der Landesstraße L 185 zwischen Blumberg und Kirchen-Hausen tot aufgefunden wurde, circa einen Kilometer vor der Abzweigung Leipferdingen.“

Mehr war nicht bekannt, als der SÜDKURIER erstmals über einen Leichenfund durch einen Lastwagenfahrer berichtete. Seither sind 26 Jahre vergangen, der Mörder ist bis heute nicht gefasst – doch Spuren gibt es. Auch deswegen wird der Fall am Mittwoch, 18. Januar, Thema bei „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ im ZDF.

So berichtete der SÜDKURIER am 28. Januar 1997.
So berichtete der SÜDKURIER am 28. Januar 1997. | Bild: SK

Schon am 29. Januar 1997 bringen Obduktion und Zeugen mehr Licht ins Dunkel. Wie der SÜDKURIER damals schildert, wird klar, dass es sich um die 26 Jahre alte Eva Götz handelt und dass diese Opfer einen Sexualverbrechens wurde: Der Mörder missbrauchte sie erst und erstickte sie dann.

Götz war Biologie-Studentin in Freiburg und soll am Vorabend des Leichenfundes, am Sonntag, 26. Januar, gegen 19 Uhr in ihrer pfälzischen Heimat Annweiler in einen Zug gestiegen sein, um nach Freiburg zu fahren. Dort sollte ihre Ankunft um 21 Uhr erfolgen.

Tatfahrzeug ausländischer Kastenwagen?

Erstmals erwähnt werden Zeugenhinweise auf einen großen, kantigen Kastenwagen wohl mit ausländischem Kennzeichen (weiße Buchstaben und Ziffern auf schwarzem Grund), der gegen 2.30 Uhr in der Tatnacht von Zeugen bei Geisingen gesichtet wurde.

Dieser auch in den Folgejahrzehnten immer wieder genannte Hinweis ist wohl einem für die Tataufklärung glücklichen Umstand geschuldet. In genau jener Tatnacht findet im Geisinger Ortsteil Leipferdingen ein Narrentreffen statt, zwei Wochen vor dem Fasnachtssonntag. In der Nacht auf Montag sind deswegen viele Menschen auf dem Heimweg.

Der Fundort liegt rund einen Kilometer von Leipferdingen entfernt, auf einem Feldweg an der Landstraße 187, der in Richtung Neufertal führt. Auf der anderen Straßenseite zweigt eine Straße nach Tengen (Kreis Konstanz) ab.

Hier wurde die Leiche von Eva Götz gefunden.
Hier wurde die Leiche von Eva Götz gefunden. | Bild: Maptiler, OSM

Zusammenhang mit Narrentreffen?

Eine Zeugin will Götz sogar auf diesem Narrentreffen gesehen haben, wie der SÜDKURIER damals berichtet. Dieser Hinweis erhärtet sich jedoch nicht, denn schon wenig später sprechen die Ermittler von einer anderen „heißen Spur“. Am 31. Januar ist dem SÜDKURIER zu entnehmen, dass die Polizei nach Zeugenaussagen davon ausgeht, dass Götz in Freiburg in den Kastenwagen gezerrt wurde.

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Bereits am Sonntagabend um 21.20 Uhr – also kurz nach ihrer planmäßigen Ankunft am Freiburger Bahnhof – hören Zeugen in der Stefan-Meier-Straße, rund einen Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt, Hilferufe aus einem solchen Fahrzeug. Später wird bekannt, dass dieser Ort ziemlich genau die Mitte des Heimwegs von Götz zu ihrer Wohnung war, den sie gewöhnlich zu Fuß zurücklegte. Es wird bis heute davon ausgegangen, dass der Täter sie dort mit Chloroform betäubte und in seinen Wagen zerrte.

Polizei sucht auf vielen Wegen Spuren

Ein weiterer Zeuge will den Kastenwagen rund drei Stunden später, um 0.30 Uhr bei der A81-Auffahrt bei Geisingen gesehen haben, wie der SÜDKURIER am 31. Januar weiter berichtet. Damit allerdings endet wenige Tage nach der Tat die Zeit der heißen Spuren.

Die Polizei versucht in der Folgezeit mit einer Flugblattaktion neue Hinweise zu erhalten, spricht mit Fahrgästen in Zügen zwischen Annweiler, Landau, Karlsruhe und Freiburg, hält zwischen Geisingen und Blumberg Autos an, um die Fahrer zu befragen und fahndet mit Bildern nach einem blau-weiß gestreiften Rucksack, den Götz bei sich führte. Alles bleibt jedoch im Vagen – mehr als Indizien findet die Polizei nicht.

Die jetzt von der Polizei geteilten Bilder zeigen einen Rucksack und eine Brille, die Eva Götz mit sich geführt haben soll und seit der ...
Die jetzt von der Polizei geteilten Bilder zeigen einen Rucksack und eine Brille, die Eva Götz mit sich geführt haben soll und seit der Tat verschwunden sind. | Bild: PP Konstanz

2003 gibt es noch einmal eine neue Spur, nachdem in Kehl ein Mann gefasst wird, der zwei Frauen umgebracht haben soll. Sein französischer Wohnort lag in relativer geographischer Nähe zu Freiburg – doch ein belastbarer Verdacht entwickelte sich daraus nicht.

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In einem Medienbericht aus dem Jahr 2012 heißt es, dass im Fall bisher mehr als 3000 Spuren verfolgt worden seien. Der damalige Leiter der Tuttlinger Kripo, Martin Landgraf, berichtet zudem von einer Vernehmung „im Norden“ im Jahr 2011, einen Verdächtigen gebe es aber weiterhin nicht.

Nun also soll „Aktenzeichen XY... ungelöst“ helfen, nachdem sich die Cold-Case-Einheit der Kriminalpolizei Rottweil noch einmal mit allen Indizien und Hinweisen beschäftigt hat. Das Ziel: Gerechtigkeit im Fall Eva Graf, einem seit 26 Jahren ungesühnten Sexualmord.

Die Sendung wird am Mittwoch, 18. Januar, um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Hinweise zum Mordfall Eva Götz nimmt die Kriminalpolizei Rottweil unter der Telefonnummer 0741/4771111, oder per Mail an rottweil.kd.k1.ab-coldcase@polizei.bwl.de oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.