Gesundheitsminister Alain Berset redet nicht lange um den heißen Brei. Die Mutationen sind bis zu 70 Prozent ansteckender als andere, die sich auch in der Schweiz verbreiten – und zwar „sehr rasch“. Man rechne mit einer Verdopplung der Zahlen pro Woche mit den bisherigen Maßnahmen, so Berset, zuletzt zählte die Schweiz 3000 Neuansteckungen pro Tag. Noch „explodieren“ die Zahlen nicht, ergänzt der Minister. Aber: „Die Lage ist ernst“, betont er.

„Die gute Nachricht ist, wir haben einen Wissensvorsprung gegenüber anderen Ländern“, sagt Berset. „Die Frage ist nicht, ob wir schärfere Maßnahmen treffen müssen, sondern wann.“ Die Frage hat der Bundesrat mit „sofort“ entschieden. Ab Montag, 18. Januar und bis mindestens Ende Februar gelten deutlich schärfere Maßnahmen in der Schweiz. Das sind die wichtigsten Regeln.

Welche neuen Regeln kommen jetzt in der Schweiz?

Neu gilt ab Montag, 18. Januar, eine Homeoffice-Pflicht. Außerdem müssen alle Läden schließen, die nicht für den täglichen Bedarf nötig sind. Auch im privaten Raum kommen Einschränkungen hinzu.

Können in einzelne Kantonen lockerere Regeln gelten?

Nein, dem hat die Schweiz nun einen Riegel vorgeschoben, um Einkaufstourismus innerhalb der Schweiz zu verhindern. Schärfere Maßnahmen sind dagegen erlaubt.

Warum gelten die Maßnahmen erst ab 18. Januar?

„Die Zahlen explodieren noch nicht“, rechtfertigt Gesundheitsminister Berset die Entscheidung. Man müsse den Menschen auch Zeit geben, sich darauf einzustellen.

Der Schweizer Präsident Guy Parmelin (dritter von links), der Schweizer Finanzminister Ueli Maurer (links neben Parmelin) and der Schweizer Innen- und Gesundheitsminister Alain Berset (rechts neben Parmelin) sprechen bei der Pressekonferenz zu den jüngsten Verschärfungen hinter Plexiglasscheiben
Der Schweizer Präsident Guy Parmelin (dritter von links), der Schweizer Finanzminister Ueli Maurer (links neben Parmelin) and der Schweizer Innen- und Gesundheitsminister Alain Berset (rechts neben Parmelin) sprechen bei der Pressekonferenz zu den jüngsten Verschärfungen hinter Plexiglasscheiben | Bild: Fabrice Coffrini/AFP

Wer muss jetzt ins Homeoffice?

Bislang galt eine „dringende Empfehlung“, jetzt sind Arbeitgeber verpflichtet, ihre Angestellten von zu Hause arbeiten lassen – wo immer das möglich ist.

Bekomme ich dafür als Arbeitnehmer eine Entschädigung?

Nein, dazu ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, hat der Bund entschieden. Grund: Es handle sich nur um eine vorübergehende Maßnahme.

Was ist, wenn man nicht im Homeoffice arbeiten kann?

Am Arbeitsplatz müssen zusätzliche Schutzvorkehrungen gelten. Besonders gefährdete Menschen müssen im Zweifel beurlaubt werden, wenn etwa der Abstand am Arbeitsplatz nicht möglich ist. Sobald mehr als eine Person in einem Büro oder Betriebsraum ist, herrscht zudem gesetzlich vorgeschrieben eine Maskenpflicht.

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Welche Einschränkungen gelten ab Montag in der Schweiz für private Treffen?

Neu ist, dass sich im privaten Raum nur noch fünf Menschen treffen dürfen. Kinder zählen dabei anders als in Baden-Württemberg mit. Auch im öffentlichen Raum dürfen nur noch fünf Menschen zusammenkommen.

In Baden-Württemberg gilt dagegen, dass Menschen eines Haushalts sich mit einer Person aus einem anderen Haushalt treffen dürfen.

Welche Läden müssen schließen?

Wer keine Waren des täglichen Bedarfs verkauft, darf keine Kunden mehr einlassen.

Neben Einkaufsläden, Tankstellen und Märkten, die Güter des täglichen Bedarfs anbieten, dürfen anders als in Deutschland auch Parfümerien, Papeterien und Shops von Telekommunikationsanbietern offenbleiben.

Auch Apotheken, Drogerien und Werkstätten oder Reparaturstätten dürfen offenbleiben. Anders als in Deutschland dürfen auch Bau- und Gartenmärkte und Blumenläden weiterarbeiten. Zum täglichen Bedarf gehörten auch Blumen, rechtfertigte ein Vertreter der Regierung diese Ausnahme.

Auch Geschäfte für Hörgeräte, Brillenläden oder Orthopädiefachgeschäfte dürfen geöffnet bleiben. Ebenso die Post und die Bank.

Kann ich jetzt keine Klamotten mehr in der Schweiz kaufen?

Nur sehr eingeschränkt. Das ist wegen der baden-württembergischen Quarantänepflicht für Aufenthalte in Risikogebieten, wenn sie nur dem Einkauf dienen, ohnehin schwierig.

Die Modegeschäfte in der Schweiz dürfen ab Montag aber auch keine Waren mehr verkaufen. Ausgenommen sind Strumpfwaren, Unterwäsche und Babybekleidung – diese gelten als Waren des täglichen Bedarfs und dürfen weiter vertrieben werden.

Praktisch bedeutet das, dass Geschäfte, die auch andere Waren anbieten, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, absperren müssen.

Was ist mit Büchern?

Auch Buchhandlungen dürfen weiter offen haben, allerdings nur Waren des täglichen Bedarfs verkaufen, also Zeitungen und Zeitschriften, aber keine Bücher.

Kann ich Waren bestellen und abholen?

Ja, über Click & Collect, also bestellen und abholen, können Waren bestellt werden. Aber: Eine reine Einkaufsfahrt in die Schweiz zieht in Baden-Württemberg eine Quarantäne nach sich.

Darf ich noch zum Friseur?

Tatsächlich darf der Frisör weiter Haare schneiden. Auch Reisebüros und Solarien dürfen weiter offen haben, ebenso Banken und Poststellen. Für alle gilt aber: Um 19 Uhr ist spätestens Ladenschluss.

Kann man in der Schweiz wieder schwimmen gehen oder ins Kino?

Nein, Freizeiteinrichtungen und Kulturstätten bleiben ebenfalls weiter geschlossen. Das Schwimmbad bleibt also ebenso geschlossen wie das Fitnessstudio.

Aber auch hier gibt es eine Ausnahme. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren dürfen Sportanlagen wie Eisbahnen oder Skaterbahnen nutzen.

Skigebiete wie hier in Wengen im Grindelwald dürfen weiter geöffnet bleiben – es sei denn, die betroffenen Kantone entscheiden sich dagegen. Vorgaben vom Bund gibt es hier aber nicht.
Skigebiete wie hier in Wengen im Grindelwald dürfen weiter geöffnet bleiben – es sei denn, die betroffenen Kantone entscheiden sich dagegen. Vorgaben vom Bund gibt es hier aber nicht. | Bild: Marcel Bieri/Keystone/dpa

Darf man noch zum Skifahren in die Schweiz?

Theoretisch ja, praktisch muss man nach der Rückkehr nach den Regeln der Quarantäneverordnung Baden-Württembergs aber in Quarantäne, wenn man aus überwiegend touristischen Gründen einreiste. Die Schweiz will die Skigebiete aber nicht schließen, diese dürfen offenbleiben, sofern es die „epidemiologische Lage“ erlaubt, wie der Bund informiert. Den Kantonen stehe es aber frei, schärfere Maßnahmen zu treffen, diese könnten also entscheiden, die Skigebiete zu schließen. Viele Kantone haben das bereits umgesetzt.

Was ist mit Restaurants?

Diese bleiben weiter geschlossen bis Ende Februar. Aber Bestellungen und Lieferungen sind weiter möglich.

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Bekommen Ladeninhaber in der Schweiz Entschädigungen für die ausgefallenen Einnahmen?

Ja, aber nur bedingt. Die Entschädigung beläuft sich auf 20 Prozent des Umsatzes, mit einer Obergrenze von 750.000 Franken pro Betrieb.

Was ist mit den Schulen?

Diese bleiben vorerst offen. Die Kantone wurden bislang lediglich gebeten, sich zu überlegen, wie man damit umgehen wolle. Die deutlich ansteckendere Virusvariante müsse aber dringend in Betracht gezogen werden, sagte Gesundheitsminister Berset. „Wir sind in engem Kontakt“, ergänzte er. Grundsätzlich sei dies aber die Entscheidung der Kantone. Es bleibt erst einmal also alles, wie es ist.

Gibt es in der Schweiz Ausgangsbeschränkungen?

Nein. Auch eine FFP2-Masken-Pflicht ist in der Schweiz derzeit kein Thema.

Werden die Maßnahmen noch weiter verschärft?

Das ist nun nicht mehr ausgeschlossen, auch in der Schweiz nicht. Noch glaubt sich die Schweiz vor dem massiven Anstieg durch die Virusmutation zu wissen, doch die kommenden Wochen werden zeigen, ob diese Prognose stimmte.

Zuletzt war Kritik laut geworden, die Regierung habe zu lange gezögert, schärfere Maßnahmen zu treffen. Der Bundesrat verwies auf das föderale System – es sind also genauso wie in Deutschland Absprachen nötig, hierzulande mit den Ländern, bei den Eidgenossen eben mit den Kantonen.

„Wir sind viel früher dran als andere Länder“, verteidigte Berset die Entscheidung. Im Frühjahr hatte das Land aber anders entschieden, damals wollte man einen Flickenteppich vermeiden, ergänzt er. Diesmal habe man anders entschieden: „Die Probleme, die es schafft für eine jungere Generation“, wolle man so lange wie möglich vermeiden.