Der Baggerangriff in Blumberg vor einem Monat gegen ein neues Mehrfamilienhaus bleibt in der öffentlichen Diskussion. Der Bauunternehmer, der mit einem Bagger elf Balkone sowie eine Glasfassade zerstörte, erfährt Unterstützung durch die landesweite Aktion „Solidarität mit dem Bagger“. Zu den Initiatoren zählt der Ravensburger Stukkateurmeister Eberhard Ruetz. Ruetz selbst weilt derzeit in Urlaub und war nicht zu erreichen. Bei der Kreishandwerkerschaft Ravensburg, in deren Vorstand Ruetz Mitglied ist, bestätigte man die Aktion.

Sympathie für den Baggerfahrer

Nach Aussage von Geschäftsführer Franz Moosherr war Ruetz früher Obermeister der Stuckateur-Innung und habe aufgrund seiner persönlich gemachten Erfahrung eine gewisse Sympathie für den Baggerfahrer. Ruetz, so erklärt Moosherr, sei ein erfolgreicher Unternehmer.

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Die Aktion hat eine Gruppe Handwerker ins Leben gerufen. Die Idee: Wenn nur jeder der Hunderttausend im Bau tätigen Handwerker fünf Euro spende, könne der Schaden von 500 000 Euro bezahlt werden, zitiert die Schwäbische Zeitung den Ravensburger Unternehmer Eberhard Ruetz. Er denke dabei an Maurer, Stukkateure oder Maler, von denen viele schon ähnliche Erfahrungen mit Bauträgern gemacht hätten.

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Das Niederreißen der Balkone heißt der Unternehmer dem Bericht zufolge nicht gut, den Ärger und die Affekthandlung des Baggerfahrers könne er aber verstehen. Bei weniger seriösen Bauträgerkonsortien, so heißt es weiter, sei es schon beinahe üblich, dass mit dem Geld, das den Handwerkern zustünde, gearbeitet werde. Entweder würden durch raffinierte Vertragsgestaltung über vermeintliche Mängel, nicht anerkannte Leistungen und Ähnliches Geld einbehalten, Rechnungen gekürzt oder gar nicht bezahlt. An solchem Gebaren leide das Handwerk schon seit Jahrzehnten, dass irgendwann einmal jemandem der Kragen platze, sei deshalb schon verständlich. Am Ende, so heißt es weiter, würde unter solchen Machenschaften das schwächste Glied der Kette leiden: nämlich der angestellte Mitarbeiter oder Handwerker.

Franz Moosherr, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ravensburg, erklärt: „Wir erleben häufig, dass unseriöse private Bauherren oder unseriöse Bauträger versuchen, mit fiesen Tricks die Handwerksbetriebe, die qualitativ gute Arbeit geleistet haben und mit Arbeitslohn für ihre Mitarbeiter und für Material in Vorleistung getreten sind, um ihren Werklohn zu prellen.“ Bild: Kreishandwerkerschaft Ravensburg
Franz Moosherr, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ravensburg, erklärt: „Wir erleben häufig, dass unseriöse private Bauherren oder unseriöse Bauträger versuchen, mit fiesen Tricks die Handwerksbetriebe, die qualitativ gute Arbeit geleistet haben und mit Arbeitslohn für ihre Mitarbeiter und für Material in Vorleistung getreten sind, um ihren Werklohn zu prellen.“ Bild: Kreishandwerkerschaft Ravensburg | Bild: Kreishandwerkerschaft Rvensburg

Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ravensburg bestätigt diese Aussage: „Wir erleben häufig, dass unseriöse private Bauherren oder unseriöse Bauträger versuchen, mit fiesen Tricks die Handwerksbetriebe, die qualitativ gute Arbeit geleistet haben und mit Arbeitslohn für ihre Mitarbeiter und für Material in Vorleistung getreten mit, um ihren Werklohn zu prellen“, sagt Franz Moosherr. Grundsätzlich, das betont der Geschäftsführer, gehe der Handwerksbetrieb immer in Vorleistung.

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Eines stell Moosherr klar: Es ist und bleibt eine Straftat, die eine Handwerksorganisation weder gut heißen kann noch unterstützen darf. Der richtig Weg ist vielmehr, im Vertrauen auf den Rechtsstaat alle Möglichkeiten, die das Vertragsrecht bietet, auszuschöpfen um seinen Werklohn zu sichern.“ Das man zum Beispiel vertraglich Abschlagszahlungen vereinbare.

Bauherr widerspricht Baggerfahrer

Der Baggerfahrer Matija P. hatte seine Aktion damit begründet, er habe nicht alles ausstehende Geld erhalten. Bauherr Ingo Fangerow hatte dagegen erklärt, der Unternehmer habe alles ihm zustehende Geld erhalten. Beim Landgericht Berlin habe er deshalb gegen den Baggerfahrer eine einstweilige Verfügung beantragt. Die Schadenshöhe hatte Fangerow vor einer Woche auf mittlerweile 750.000 Euro geschätzt. Auf aktuelle Nachfrage war Fangerow nicht zu erreichen.